DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Parlament beschliesst Paradigmenwechsel bei Organspenden

22.09.2021, 10:21
Zwei Chirurgen überwachen die Entnahme einer Niere.
Zwei Chirurgen überwachen die Entnahme einer Niere.
Bild: KEYSTONE

Wer nach seinem Tod keine Organe spenden möchte, soll dies künftig explizit festhalten müssen. Angehörige sollen aber eine Organspende ablehnen können. Der Nationalrat hat am Mittwoch die letzten Details der erweiterten Widerspruchslösung geklärt.

Damit ist der indirekte Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Organspende fördern - Leben retten» bereit für die Schlussabstimmung. Die Volksinitiative empfehlen Bundesrat und Parlament zur Ablehnung. Es ist wahrscheinlich, dass es zu keinem Urnengang kommt, weil die Initiative zurückgezogen werden dürfte.

Heute gilt in der Schweiz bei der Organspende die Zustimmungslösung: Eine Organspende kommt nur dann infrage, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten einer Spende zugestimmt hat. Liegt keine Willensäusserung vor, müssen die Angehörigen entscheiden.

Äusserung zu Lebzeiten nötig

Die Volksinitiative verlangt einen Systemwechsel von der derzeitigen Lösung mit expliziter Zustimmung zur engen Widerspruchslösung. Wer seine Organe nicht spenden will, soll dies zu Lebzeiten äussern. Ansonsten wird davon ausgegangen, dass die Person im Falle ihres Ablebens mit der Entnahme von Organen einverstanden ist.

Der Wechsel von der Zustimmungs- zur Widerspruchslösung sei ein europäischer Trend, lautete auch der Tenor im Parlament. Die Änderung sei eine konkrete Antwort auf den Organmangel respektive auf die Tatsache, dass zu wenig Menschen sich zu Lebzeiten dazu äusserten. Gemäss Umfrage wären nämlich viele Menschen bereit, ein Organ zu spenden, äussern diesen Willen aber nie.

Angehörige miteinbeziehen

Die Forderung der Volksinitiative ging dem Bundesrat und dem Parlament aber zu weit. Im indirekten Gegenvorschlag ist daher ergänzend vorgesehen, dass künftig auch Angehörige eine Organspende ablehnen können.

So werden wie bisher die Angehörigen befragt, wenn sich kein dokumentierter Wille findet. Sie könnten einer Entnahme von Organen widersprechen, wenn dies dem mutmasslichen Willen der verstorbenen Person entspricht. Wenn es weder einen geäusserten Willen gibt und keine Angehörigen, die sich dazu äussern können, ist eine Entnahme der Organe nicht möglich.

Die Voraussetzungen für eine Spende in der Schweiz werden auch mit einem Systemwechsel gleich bleiben wie heute: Organe spenden können nur Personen, die im Spital einen Hirntod infolge Hirnschädigung oder Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden. Verstirbt jemand ausserhalb des Spitals, ist eine Organspende nicht möglich.

Blick ins Ausland

Die kritischen Stimmen zum Paradigmenwechsel waren in beiden Räten zu hören, jedoch klar in der Minderheit. Die Änderung komme einer Pflicht zur Organspende sehr nahe, argumentierten die Gegner. Es sei ein Eingriff in die liberalen Werte des Staats, wenn die Rechte zunächst eingefordert werden müssten. Auch der Druck auf die Angehörigen werde massiv erhöht.

Es sei Zeit, diesen Schritt jetzt zu gehen, hielten die Befürworter dagegen. Die meisten europäischen Länder würden heute eine Widerspruchslösung kennen, bei der auch die Angehörigen einbezogen werden. Die erweiterte Widerspruchslösung lasse die Freiheit, sich bewusst dafür zu entscheiden, aber sich auch nicht damit befassen zu müssen.

Die Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK) hatte sich für einen dritten Weg ausgesprochen. Mit der sogenannten Erklärungsregelung sollten Personen regelmässig aufgefordert werden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und anzugeben, ob sie ihre Organe spenden wollen oder nicht. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Vater hört den Herzschlag seiner verstorbenen Tochter

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Warum du aktuell in Berlin 240 Minuten (!) vor Abflug am Flughafen sein solltest

Am Flughafen in Berlin müssen sich die Passagiere auf lange Wartezeiten einstellen. Auch Swiss-Flüge sind betroffen. Der Flughafenverband rechnet derweil damit, dass das Chaos noch grösser wird.

«Wir möchten Sie bitten, mindestens 240 Minuten vor Abflug am Flughafen einzutreffen.» Mit diesen Worten warnt die Lufthansa Gruppe ihre Passagiere in einer E-Mail vor den langen Wartezeiten in Berlin. Damit reagiert die Airline, zu der auch «Swiss» gehört, auf das Chaos, das seit dem Wochenende am Flughafen BER herrscht. Die Lufthansa-Tochter Swiss fliegt bis zu fünf Mal täglich von Berlin nach Zürich. Und hat jetzt ihre Check-in-Kapazitäten aufgestockt.

Wegen der Corona-Regeln habe man beim …

Artikel lesen
Link zum Artikel