Unispital Zürich erstattet Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung
Ein Untersuchungsteam der Zürcher Staatsanwaltschaft arbeitet die Vorkommnisse an der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsspitals auf. Der Stiftungsrat hat in elf überprüften Todesfällen sowie 13 Einsätzen von Medizinprodukten Anzeige oder Meldung erstattet.
Drei Strafanzeigen wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung, fahrlässiger schwerer Körperverletzung sowie Urkundenfälschung sind bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Zudem sind elf Meldungen wegen mutmasslich unangemessenen Einsatzes von Medizinprodukten eingegangen, wie die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich am Dienstag mitteilte.
Die Anzeigen richten sich gegen Unbekannt und werden zusammen mit den Meldungen geprüft. Aufgrund der Komplexität der Materie werde die strafrechtliche Aufarbeitung Zeit in Anspruch nehmen. Die Staatsanwaltschaft muss klären, ob hinreichend konkrete Hinweise auf Straftaten vorliegen. Auch gegen wen sich die Vorwürfe richten, werde untersucht.
Rund 70 Todesfälle mehr als erwartet
Dazu hat die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich ein Team zusammengestellt, das die Vorkommnisse an der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsspitals Zürich (USZ) aufarbeiten soll. Es handelt sich dabei um vier Staatsanwältinnen und Staatsanwälte mit Expertise in Medizinalstrafrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Beamtendelikten.
Der Anfang Mai veröffentlichte «Oberholzer-Bericht» ergab, dass es im Zeitraum von 2016 bis 2020 bei rund 4500 Operationen an der Herzklinik des USZ zu 68 bis 74 Todesfällen mehr kam, als statistisch zu erwarten gewesen wäre. Der damalige Klinikdirektor Francesco Maisano habe zudem ein von ihm mitentwickeltes Produkt eingesetzt und soll finanziell profitiert haben. (hkl/sda)
