Schweiz
Graubünden

Felssturz droht – jetzt muss Brienz GR evakuiert werden

Blick auf das Dorf und den "Brienzer Rutsch", aufgenommen am Dienstag, 4. April 2023, in Brienz-Brinzauls. Ein Teil des Berges bewegt sich immer schneller, wie die Gemeinde mitteilte. Ein Be ...
Gefahr im Verzug: Brienz GR.Bild: keystone

Felsmassen in Bewegung - Brienz wird am Freitag evakuiert

09.05.2023, 12:0709.05.2023, 19:38

Das Bündner Bergdorf Brienz muss evakuiert werden. Dies hat der Gemeindeführungsstab Albula/Alvra am Dienstagmittag entschieden. Die Einwohnerinnen und Einwohner sind aufgefordert, das Dorf bis Freitagabend 18 Uhr zu verlassen.

Ein Felsvolumen von zwei Millionen Kubikmetern bewege sich so stark, dass in den kommenden ein bis drei Wochen damit zu rechnen sei, dass es abbricht, teilte die Behörde mit. Der Gemeindeführungsstab hat deshalb die Phase Orange und damit die Evakuierung von Brienz verfügt.

Ab Freitag Abend darf bis auf Weiteres niemand mehr im Dorf übernachten. Ab Samstag wird der Dorfbevölkerung tagsüber erlaubt, das Dorf zu betreten, sofern die Gefährdungslage es zulässt. Das Grossvieh von zwei Bauernbetrieben bleibt vorerst in den Ställen, wie die Gemeinde schreibt.

85-Seelen-Dorf

Haustiere wie Hunde oder Katzen müssen hingegen mitgenommen werden, sagte Christian Gartmann, Mediensprecher des Gemeindeführungsstabs, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. In Brienz sind derzeit 85 Einwohnerinnen und Einwohner gemeldet. Rund 50 bis 60 von ihnen dürften wegen der Evakuierung eine andere Unterkunft brauchen.

Sämtliche Zufahrtsstrassen nach Brienz/Brinzauls sind ab sofort nur noch für die Einwohnerinnen und Einwohner sowie die Besitzerinnen und Besitzer von Liegenschaften im Dorf geöffnet. Die Kinder aus Brienz besuchen die Primarschule in Tiefencastel - unabhängig vom drohenden Bergsturz. Die Schule in Brienz ist nicht mehr in Betrieb.

Am Dienstag um 19 Uhr informieren die Behörden in Tiefencastel an einer öffentlichen Info-Veranstaltung über die Details der Evakuierung. Anwesend sein werden auch der Bündner Regierungspräsident Peter Peyer, Regierungsrätin Carmelia Maissen und Regierungsrat Martin Bühler.

Rutschung beschleunigt sich

Der Brienzer Rutsch befindet sich hoch über dem Dorf. «Die aktuellen Messungen zeigen eine starke Beschleunigung auf einer grossen Fläche», hiess es. Dies deute darauf hin, dass bis zu zwei Millionen Kubikmeter Felsmaterial in den kommenden sieben bis 24 Tagen abstürzen oder abrutschen werden.

Sobald ein Abbrechen der Felsmassen noch drei bis zehn Tage bevorsteht, wird der Gemeindeführungsstab die Phase Rot verfügen. Das Betreten von Brienz ist dann auch tagsüber nicht mehr möglich und das Grossvieh wird weggebracht. Die Kantonsstrasse Tiefencastel-Filisur, die Albulalinie der Rhätischen Bahn und die Passstrasse Tiefencastel-Lenzerheide bleiben vorerst geöffnet.

Unmittelbar vor einem Abbrechen verfügt die Behörde die Phase Blau und evakuiert die beiden westlichsten Häuser von Surava. Mehrere Strassen und die Albula-Bahnlinie werden dann gesperrt. Wann der Bergsturz stattfindet, kann laut Gemeinde präziser vorausgesagt werden, je näher das Ereignis kommt. (oee/sda)

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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hyper80
09.05.2023 12:21registriert Juni 2020
Tut mir Leid für das Dorf. Hoffe Mensch und Tier bleiben unbeschadet und die allgemeinen Schäden halten sich in Grenzen
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Domimar
09.05.2023 12:29registriert August 2016
oh je , hoffentlich kommt das gut. was passiert nach der evakuierung, wird einfach gewartet oder wird kontrolliert nachgeholfen, damit der fels dann endlich runter kommt?
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