Schweiz
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Basler Fussballfan erhielt Eintrag in Hooligan-Datenbank weil er in Aarau eine Handvoll Rasen geklaut hat



Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) muss überprüfen, ob ein Eintrag über einen FC Basel-Fan in der Schweizer Hooligan-Datenbank Hoogan gestrichen werden muss. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Der Fan hatte ein Stück des Fussballrasens herausgeschnitten und als Souvenir mitgenommen.

Nach dem Sieg des FC Basel gegen den FC Aarau im Stadion Brügglifeld in Aarau stand im Mai vergangenen Jahres vorzeitig fest, dass Basel Schweizer Meister ist. Nach dem Schlusspfiff stürmten Fans des FC Basel auf das Spielfeld. Unter ihnen war auch der mit einer Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht gelangte Fan.

Ein handflächengrosses Rasenstück

Während die Polizei in die Auseinandersetzungen der Fans der beiden Fussballmannschaften eingreifen musste, schnitt sich der Beschwerdeführer ein handflächengrosses Stück Rasen heraus.

Als Erinnerung und mit erheblichen Folgen. Die Kantonspolizei Aargau sprach gestützt auf das Konkordat über die Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen ein zweijähriges Rayonverbot gegen den Souvenir-Jäger aus. Dieses galt an den Spieltagen des FC Basel für die Umgebung des jeweiligen Spielorts.

Die beiden Basel sind gar nicht im Konkordat

Nur: Die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft sind dem Konkordat nicht beigetreten. Deshalb erliess die Polizei Basel-Landschaft für die Umgebung des Stadions St.Jakob Park in Basel ein separates Rayonverbot.

Zudem sprach der FC Aarau ein zweijähriges schweizweites Stadionverbot aus. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau eröffnete eine Strafuntersuchung. Und das Fedpol erfasste den Fan in der Hoogan-Datenbank. Dieser ersuchte im März um die Löschung der Daten, was das Fedpol verweigerte.

Strafverfahren eingestellt

Bis zum Zeitpunkt des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts, das am Donnerstag publiziert worden ist, waren das Strafverfahren eingestellt und alle Verbote, bis auf das Stadionverbot, aufgehoben worden.

Das Bundesverwaltungsgericht hält in seinem Entscheid fest, das Ziel des Stadionverbots sei, die Sicherheit von Personen von Sportveranstaltungen zu erreichen. Es sei jedoch unklar, ob es dafür notwendig ist, den Beschwerdeführer von sämtlichen Spielen Schweizer Fussball- und Eishockey-Ligen auszuschliessen. So umfassend ist das ausgesprochene Stadionverbot.

Geringfügiger Schaden

Die St.Galler Richter bemängeln auch die Dauer des für zwei Jahre ausgesprochenen Stadionverbots. So hatte man dem Fan keine gewalttätigen Handlungen gegenüber Personen nachweisen können. Und das Ausschneiden des Rasenstücks sei eine geringfügige Sachbeschädigung.

Die Vorinstanz muss deshalb prüfen, ob sich die Eintragung des Stadionverbots in der Hoogan-Datenbank rechtfertigen lässt. Die Löschung hätte nicht zur Folge, dass das Stadionverbot selber aufgehoben würde.

Diese Diskrepanz wäre nicht etwa systemwidrig, wie das Bundesverwaltungsgericht schreibt. Hoogan sei nicht als Datenbank analog dem Strafregister konzipiert, in die eine bestimmte Kategorie von Anordnungen in allen Fällen einzutragen wäre. (whr/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gringoooo 11.09.2015 11:01
    Highlight Highlight @pun

    Leider viel zu wahr!
    So funktioniert leider unser "Rechtsystem".
    Das BGer hätte im Rahmen der Normenkontrolle die Möglichkeit gehabt sich klarer zu Äussern und nicht nur Bedenken erläutern.

    Nichts desto trotz hoffe ich das in einer individuell konkreten Kontrolle das BGer das ganze für den Scheiss erklärt den es ist.

    Wären die Initianten und Unterstützer eigentlich nicht sogar Verfassungsfeinde resp. Eine Verfassungsfeindliche Organisation? Da müsste es doch eigentlich schäppern.
    2 0 Melden
  • Gantii 11.09.2015 07:52
    Highlight Highlight das Konkardat ist rechtswidrig. Ich würde dem Fan empfehlen keine der daraus resultierenden konsequenzen zu akzeptieren. schön zu sehen dass sich endlich mal jemand gegen Hoogan wehrt!
    7 0 Melden
  • Paul_Partisan 11.09.2015 06:56
    Highlight Highlight Ein Bekannter erhielt Stadionverbot, weil er in Vaduz ausserhalb des Stadions unter einem Zaun in das Stadion geblickt hat. Mich wundert
    echt gar nichts mehr. Stadionverbote sind (oftmals) völlig willkürlich und entbehren jeder rechtsstaatlichen Grundlage!
    5 0 Melden
  • Gringoooo 10.09.2015 15:44
    Highlight Highlight Um das mal so auszudrücken;
    Jemand wird wegen einem minimalsten Stück Rasen (Sachbeschädigung in der wohl kleinst denkbaren Form) mit einem Rayonverbot belegt, welches das VERFASSUNGSMÄSSIGE GRUNDRECHT der Bewegungsfreiheit einschränkt, in eine Datenbank aufgenommen und gerät in die Mühlen der Justiz?

    Oh mann, genug ist genug ...
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    32 1 Melden
    • pun 11.09.2015 09:52
      Highlight Highlight Und dieser Fall wurde nur bekannt, weil der Fan damit ans Bundesgericht gelangt ist. Das verlangt einen sehr langen Schnauf und eine gewisse finanzielle Sicherheit, die nur sehr wenige aufbringen können.
      Das "Hooligan"-Konkordat ist verfassungsfeindlich und gegen unsere Grundrechte. Aber als vor der Einführung das nur die Fussballfans gesagt haben, hats natürlich niemand geglaubt... -.-
      frustrierende Schweizer Politik...
      6 0 Melden
  • SaveAs_DELETE 10.09.2015 13:56
    Highlight Highlight ...und wie hat er die Rasenfläche "herausgeschnitten"?
    Ich dachte in den Stadion sind Waffen, Messer usw. verboten?
    3 26 Melden
  • smoenybfan 10.09.2015 13:46
    Highlight Highlight Mal wieder schön gezeigt, mit welcher Verhältnismässigkeit das Konkordat angewendet wird...
    35 2 Melden
    • Gringoooo 10.09.2015 16:38
      Highlight Highlight Dieses Konkordat verbiete doch jede Form von Verhältnismässigkeit. Immer schön mit der grossen Kelle anrühren!
      17 2 Melden

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