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Immobilien

Dubiose Geschäfte auf Schweizer Immobilienmarkt häufen sich

Monopoly-Geld
Wie im Monopoly: Mit Immobilien ist schnell sehr viel Geld zu machen – gerade für Kriminelle, die das System auszunutzen wissen.Bild: Shutterstock

Koffer voller Bargeld: Wie sich dubiose Käufer alte Schweizer Häuser aneignen

Koffer mit Banknoten, überhöhter Preis, maximaler Zeitdruck: Auf dem Schweizer Immobilienmarkt treten immer öfter Käufer auf, die vor allem eines wollen: Schnell zum Zuschlag kommen.
30.03.2026, 04:5630.03.2026, 04:56
Henry Habegger
Henry Habegger

Schauplatz Schweizer Mittelland. Der Kaufinteressent tauchte unvermittelt auf. Er bot einem Eigentümer mehrere Millionen Franken für eine renovationsbedürftige Liegenschaft. Eine Summe, die offensichtlich weit über dem Marktpreis lag. Der Eigentümer lehnte ab. Käufer und Angebot schienen ihm suspekt.

Tags darauf stand der Kaufinteressent wieder auf der Matte – mit einem Koffer voller Bargeld. Eine mittlere sechsstellige Summe soll sich darin befunden haben, erzählt man sich in der Region. «Eine Anzahlung», so der Kofferträger.

Ein Koffer voller Schwarzgeld? Steuerfrei? Der Eigentümer, ein alteingesessener Schweizer, wurde schwach.

Die Spur führt zum Luzerner Reisebüro

Wo kam das Bargeld her, wie wurde es verbucht? Es ist ein offenes Geheimnis, dass bei solchen Immobiliengeschäften unter Privaten nicht selten ein Teil «unter dem Tisch» bezahlt wird. Der offizielle Preis liegt unter dem effektiv bezahlten. Damit «spart» der Verkäufer auch noch Gewinnsteuern.

Im geschilderten Fall gehört der Käufer der Liegenschaft zu einem Umfeld, das polizei- und justizbekannt ist: Die Spur führt ins Milieu des mutmasslichen Geldwäsche-Reisebüros in Luzern, über welches diese Zeitung wiederholt berichtet hat. Gegen diverse Beschuldigte laufen Strafverfahren in der Schweiz und in Albanien. Im Fall des Liegenschaftskäufers, der im Bau- und Immobiliensektor tätig ist, zeigen sich enge Verbindungen zur Familie eines albanischen Haupttäters, der als Kokainboss gilt. Er sitzt seit letztem Herbst in Albanien im Gefängnis. Der Mann sass vor Jahren auch schon in der Schweiz wegen Drogenhandels. Er wohnte in der Region, in der jetzt der Koffer mit Bargeld den Besitzer wechselte

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Zwischen Bargeldkoffern, Schwarzarbeit und dubiosen Netzwerken: Immobilien können zum Drehkreuz für Geldwäsche und illegale Gewinne werden.Bild: Shutterstock

Schwarzgeld, das in Immobilien fliesst, dürfte grösstenteils aus dem boomenden Geschäft mit Kokain und anderen Drogen stammen. Noch nie kam so viel so reines Kokain in die Schweiz. Die Banden unternehmen alles, um die Gewinne zu waschen und zu legalisieren. Das geht immer noch besonders leicht über Immobilien.

Aber Schwarzgeld stammt oft auch aus dem Bausektor, also aus Schwarzarbeit. Für kriminelle Immobilien- und Bauunternehmer ist es deshalb doppelt attraktiv, eine renovationsbedürftige Liegenschaft zu kaufen. Ob sie nun umgebaut und renoviert wird oder einem lukrativen Neubau weicht: Beim Umbau oder Neubau der Liegenschaft können mittels Schwarzarbeit gleich noch einmal illegale Gewinne erzielt werden.

Wie man schnell 300'000 Franken «verdient»

Gespräche mit einem Insider zeigen das Muster, wie mit Schwarzarbeit illegale Gewinne erzielt werden.

Beispiel: ein Neubau mit einem Normalaufwand von einer Million. Dieses Geld zahlt der Auftraggeber dem kriminellen Unternehmer ordentlich über die Bank. Dank Schwarzarbeit hat der Kriminelle aber nur einen Aufwand von 700'000 Franken. Um trotzdem die Million Aufwand abrechnen zu können, kauft er für 300'000 Franken falsche Aufwandsbelege ein. Diese Belege kommen von Firmen, die zum kriminellen Netz gehören. Sie stellen gegen eine Provision von vielleicht fünf Prozent falsche Rechnungen aus. Diese Fake-Firmen führen keine Buchhaltung, und wenn Steuer- oder andere Behörden Fragen stellen, sind sie meist schon in Konkurs. Auf diese Weise hat der kriminelle Unternehmer auf Kosten der Allgemeinheit und der Bauarbeiter 300'000 Franken Gewinn realisiert.

CH Media wurden zuletzt verschiedene dubiose Immobiliengeschäfte aus mehreren Kantonen zugetragen. Immer wieder sind die Muster ähnlich: Liegenschaftsbesitzer werden angegangen, ob sie ihr Haus oder ihre Wohnung verkaufen möchten. Die Kaufinteressierten bieten hohe, teilweise krass überhöhte Summen. In vielen der geschilderten Fälle handelt es sich um Geschäftsleute mit Balkanhintergrund.

Ein anderer Fall spielt in einer Gemeinde in der Innerschweiz. Ein Einwohner wollte seine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus an guter Lage verkaufen. Ein Interessent drängte – kaum war er in der Wohnung – auf einen schnellen Abschluss. Er war bereit, einen hohen Preis zu zahlen. Der Deal kam zustande, auch weil der Mann angab, mitsamt seiner Familie umgehend einziehen zu wollen.

Stattdessen schrieb er die Wohnung massiv teurer neu aus. Ein Jahr später steht sie noch immer leer. Da kann es sich jemand offenbar leisten, eine Investition von weit über einer Million brachliegen zu lassen.

Verstehe das, wer wolle. Die Biografien solcher Käufer aber gleichen sich. Die meisten sind schnell zu sehr viel Geld gekommen. Ist der Wahnsinn legal? Fest steht: In der Schweiz jedenfalls ist er gang und gäbe. Demnächst soll das Geldwäschereigesetz verschärft werden, zumindest ein bisschen.

Dass es Halbseidene besonders auf Liegenschaften von Privaten abgesehen haben, zeigt sich auch in Kleinanzeigen, die vorwiegend in Gratis- und Lokalzeitungen erscheinen.

Beispielsweise in der Ostschweiz. In Kleininseraten steht: «Zu kaufen gesucht: Mehrfamilienhaus von privat». Dazu eine Handynummer, die in keinem Verzeichnis auftaucht. Ein Name, eine Firma? Fehlanzeige. Das heisst: Der potenzielle Verkäufer hat im Vorfeld keine Chance, herauszufinden, mit wem er sich einlässt.

«Unverschämte Ganoven», sagt ein Betroffener

Die Masche auch hier: Der Käufer zahlt gut, und er zahlt sofort, vielleicht mit einem Koffer. Er zieht dem Verkäufer den Speck durch das Maul und drängt auf schnellen Abschluss.

Ein solcher Fall eines Mehrfamilienhauses in der Ostschweiz hatte postwendend die Leerkündigung für alle Mietenden zur Folge. Ein Luxusauto der neuen Eigentümer, eingelöst auf die Immobilienfirma, blockiert jetzt bisweilen die Garagenzufahrt. «Unverschämte Ganoven», sagt ein Betroffener.

Mit solchen Immobilien ist schnell ein Haufen Geld zu machen. Dubiose liefern sich offensichtlich einen knallharten Wettbewerb. In einer anderen Kleinanzeige in der Ostschweiz sucht ein Unbekannter «Sanierungs- und Renovierungsobjekte». Er verspricht ausdrücklich eine «diskrete und schnelle Abwicklung».

Auch hier: Im Inserat steht einzig eine Mobiltelefonnummer, deren Inhaber nicht auszumachen ist. Der potenzielle Verkäufer weiss nicht, mit wem er sich einlässt. Aber der Käufer zahlt viel und schnell.

Mit Speck fängt man Mäuse. Das Geschäft der Halbseidenen läuft wie geschmiert. (fwa)

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54 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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tops
30.03.2026 06:20registriert Juni 2018
Dazu reicht ein Blick in den Amtsanzeiger welche Namen Liegenschaften umbauen. Das fällt nun wirklich schon länger auf. Aber die Schweiz schaut wohl lieber noch einwenig zu. Ist wie Barbershops, Pizza-Kebap oder Nagelstudios. Der Markt dafür scheint grenzenlos.
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Beat_
30.03.2026 06:09registriert Dezember 2018
Wo bleiben da die Notariate?
Bodengeschäfte, und damt Immobilien, sind nur rechtens, wenn diese notariell beglaubigt sind.

Und da sehe ich schon auch Verantwortung bei den Notaren.
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Rethinking
30.03.2026 06:43registriert Oktober 2018
Sie bürgerlich rechte Schweiz ermöglicht Geldwäsche und Steuerhinterziehung…

Das Geldwäschereigesetz ist zu lasch und umfasst zu wenig Player
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