Schweiz
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epaselect epa08277921 Firefighters battle to put out a fire at a refugee shelter run by the Swiss non-profit 'One Happy Family' near the Kara Tepe camp on Lesvos Island, Greece, 07 March 2020 (issued 08 March 2020). The blaze was extinguished within a few hours of it breaking out. According to media reports, the cause of the fire and the number of victims remains unknown.  EPA/STRATIS BALASKAS

One Happy Familiy, ein Schweizer Gemeinschaftszentrum für Flüchtlinge auf Lesbos, brannte in der Nacht auf Samstag nieder. Bild: EPA

Lehrer zum abgebrannten Flüchtlingszentrum auf Lesbos: «Ich bin einfach nur traurig»

Tariq will nach Deutschland. Dass daraus wahrscheinlich nichts wird, ist ihm klar. Er lebt mit mehr als 20'000 anderen im griechischen Elendslager Moria – und hat nun das Letzte verloren, das ihm Trost gegeben hat.

Nathalie Helene Rippich / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Der Sonntag ist ein guter Tag auf Lesbos. Das Thermometer zeigt 20 Grad an, die Sonne scheint warm. Der Wind weht mässig. Nichts brennt, die Strassen in das heillos überfüllte Lager Moria sind frei, werden nicht von rechten selbsternannten Bürgerwehren mit Gewalt blockiert.

Das ist nicht selbstverständlich. Erst am Abend zuvor hat ein Tageszentrum gebrannt, in dem Kinder aus dem Elendslager unterrichtet wurden.

Wenigstens für ein paar Stunden am Tag konnten sie dort von einer Zukunft träumen, in der bunten Umgebung einfach einmal Kind sein – wenigstens für kurze Zeit. Damit ist es nun erst einmal vorbei. Das, was das Feuer nicht geholt hat, muss abgerissen werden. «Zu unsicher», sagt Englischlehrer Tariq.

Tariq heisst nicht Tariq. Er will seinen Namen nicht verraten. «Es ist einfach zu gefährlich für Helfer.» Auch wie alt er ist, will er nicht sagen. Aber er erzählt, wie er nach Lesbos kam: «Mit dem Boot von der Türkei , davor durch den Iran

Tariq kommt aus Afghanistan. Er hat seiner Heimat am 20. Mai 2019 den Rücken gekehrt. «Ich wurde verfolgt. Ich wollte wie hier eine Schule aufbauen, Englisch unterrichten und Computerkurse geben. Aber das hat einigen Leuten nicht gefallen.»

Tariq unterrichtet gern, doch eigentlich hat er einen anderen Beruf gelernt: «Ich möchte als Ingenieur in Deutschland arbeiten. Oder weil ich gut Englisch spreche in Grossbritannien.» Ihm ist klar, dass das für ihn unrealistisch ist. «Bevor ich herkam, habe ich mir Europa ganz anders vorgestellt. Ich dachte, die Menschen haben eine warme Umarmung für uns Flüchtlinge übrig und dass man sich ein Leben erarbeiten kann. Aber es ist ganz anders.»

epa08112468 A man cooks in the refugee camp of Moria, on Lesvos island, Greece, 08 January 2020. In the camp, meant to host 2500 migrants and refugees, nowdays are living more than 18,000 people in poor conditions as the temperatures are around six degrees Celsius.  EPA/ORESTIS PANAGIOTOU  ATTENTION: This Image is part of a PHOTO SET

Ein Mann kocht im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos (Archivbild, 8. Januar 2020). Bild: EPA

Das Leben im Lager ist trist 

Seit acht Monaten lebt Tariq in Moria. Mit über 20'000 anderen Menschen. Geplant war das Lager eigentlich für maximal 3'000 Personen, doch die Insel ist mit den Ankommenden völlig überfordert, Hilfe vom griechischen Festland oder gar aus Brüssel gibt es im Grunde nicht. Fast alles, was passiert, organisieren Freiwillige. Mit Europa hat das alles nichts zu tun. «Selbst wenn ich es eines Tages von der Insel darf, werde ich im besten Fall in Griechenland bleiben müssen. Und da ist auch vieles nicht gut», sagt Tariq. Er weiss von der Wirtschaftskrise, die das Land und und vor allem seine Bürger immer noch beschäftigt.

Tariq sitzt auf einer Mauer auf dem Gelände des Tageszentrums «One Happy Family», das eine Schweizer Hilfsorganisation gegründet hat. Für viele war die Einrichtung die einzige Abwechslung in ihrem Alltag. «Es ist so unglaublich langweilig im Lager. Immer nur warten, warten, warten», sagt Tariq. Worauf? «Auf mein Interview, die Anhörung zu meinem Asylantrag. Das Gespräch wurde immer wieder verschoben.» Wann soll es jetzt stattfinden? «Im September – in einem halben Jahr. Bis dahin nur Langeweile und das Leben in den Zelten.»

Tariq hat mit seinem Unterricht über 250 Kindern einen Hoffnungsschimmer gegeben, gleichzeitig war die Freiwilligenarbeit für ihn eine Flucht aus dem elendigen Alltag in unwürdigen Verhältnissen. Nun ist davon nichts übrig ausser der beissende Gestank von verbranntem Allerlei und einer russigen Ruine, die trotz Sonnenlicht gespenstisch daliegt. «Ich bin einfach nur traurig. Mehr nicht. Traurig. Das hier war wichtig für uns», sagt er. Und: «Sie wollen uns hier nicht. Und wir wollen hier nicht sein. Aber wir kommen nicht weg.»

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30Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Satan Claws 09.03.2020 13:44
    Highlight Highlight Ihr wollt unsere Humanitäre Tradition mit Füssen treten, nur zu. Nennt euch aber nicht Patrioten. Unsere Vorfahren haben dafür gekämpft, dass den Schwachen geholfen wird. Hätten alle wie diese Volksverräter der SVP gedacht, würden wir noch heute in Knechtschaft leben. Der Nutzen nicht egoistisch zu sein überstrahlt alle Nachteile, wie unser Tell zeigt. Wir sind das Volk, Rassisten, Hetzer und Lügner haben keinen Platz. Passt euch unserer offenen Gesellschaft an oder geht, aber hört endlich auf unsere Ahnen ins Lächerliche zu ziehen. Es ist erbärmlich und geschichtsfremd was ihr da treibt.
  • Hans12 09.03.2020 09:07
    Highlight Highlight Eine hier wohl unpopuläre Meinung: Die Hilfswerke machen sich bei diesem Drama mitschuldig. Je einfacher es für diese Menschein ist, d.h. je grösser die Erfolgswarscheinlichkeit (lebend) in der EU anzukommen, desto mehr werden loslaufen. Und damit wird das Elend undauhaltsam grösser. Wenn man den Menschen wirklich helfen will, soll man sich in den Herkunftsländern engagieren (Aufklärungsarbeit, Geburtenkontrollen etc.)
    • Weioli 09.03.2020 12:29
      Highlight Highlight Ich würde auch loslaufen wenns in meiner Stadt bomben regnet
    • Walter Sahli 09.03.2020 13:32
      Highlight Highlight Deswegen sollte man auch die Notfalldienste abschaffen! Die Leute fahren nämlich nur so unaufmerksam, weil sie wissen, dass sie gerettet werden. Wenn mal ein paar nicht gerettet werden und in ihrem Auto sterben, dann fahren alle Anderen sicher viel vorsichtiger. Die Notfalldienste sind also eigentlich schuld an all den Verkehrstoten! Logisch, nä?!
    • Hans12 09.03.2020 14:29
      Highlight Highlight @ Weioli: Der Vorwurf richtet sich auch nicht an die, die loslaufen. Sondern an die, die sie rufen.
  • Töfflifahrer 09.03.2020 08:39
    Highlight Highlight Zu Beginn wurden die Flüchtlinge ja von der dortigen Bevölkerung aufgenommen und mit Kleidung und Essen versorgt. Dies unter der Annahme, dass diese Flüchtlinge nicht Jahrelang bleiben und immer mehr kommen. Sowohl die Griechische Regierung aber auch die EU wollen diese aber dort behalten und nicht weiter lassen. Die Lager sind auf den Inseln mittlerweile derart überfüllt, dass die Bevölkerung sich selbst verlassen fühlt, so ist die Hilfsbereitschaft in Hass umgeschlagen. Der Bevölkerung kann kein grosser Vorwurf gemacht werden, es ist die Politik, die komplett versagt.
  • P. Silie 09.03.2020 08:34
    Highlight Highlight "Tariq will nach Deutschland"

    "«Selbst wenn ich es eines Tages von der Insel darf, werde ich im besten Fall in Griechenland bleiben müssen. Und da ist auch vieles nicht gut»,"

    Um eine Problematik richtig angehen zu können, muss man mit offenen Karten und klaren Worten reden. Tariq ist kein Flüchtling - er ist Wirtschaftsmigrant. Tariq hat sich sein Ziel vor der Abreise ganz klar ausgesucht. Jemand der um sein Leben flieht zieht nicht durch mehrere sichere Länder.

    Ich verstehe den jungen Mann - jedoch muss seine Ausgangslage klar anders beurteilt werden als die von Kriegsflüchtlingen etc.
    • Satan Claws 10.03.2020 17:13
      Highlight Highlight @P. Silie

      Er sagt "Ich wurde verfolgt" und genau deswegen muss er gleich behandelt werden wie jede andere Person, selbst dann, wenn das Resultat schlussendlich ein anderes ist. Deswegen dauert es auch solange bis sie angehört werden. Man sieht nicht ob jemand Asyl erhält oder nicht. Verstanden?

      Klar unser System kann ausgenutzt werden, aber es gibt auch schweizer Sozialschmarotzer. Die muss man nicht schützen, aber jene die hilfe brauchen schon. Lieber zwei mehr aufnehmen, als eine Person im Stich lassen.

      Frei nach dem Prinzip der "Unschuldsvermutung". Finden Sie dieses schlecht?
  • Kiro Striked 09.03.2020 08:28
    Highlight Highlight "Tariq will nach Deutschland."

    Das ist halt auch leider das Problem. Jeder von denen will nach Deutschland, oder in die Schweiz.

    Eine Polnische Freundin vor mir, welche mit einem Hilfswerk, mit Flüchtlingen in Polen arbeitet, sagt immer wieder: "Es wollen alle nach Deutschland, die Mitarbeit in Polen wird verweigert, weil man nach Deutschland weiter will."

    Gerade als Flüchtling, sollte man nicht wählerisch sein, sondern zufrieden damit, dass nicht Plötzlich alles in die Luft Fliegt.
    • Spüdlifalt 09.03.2020 08:36
      Highlight Highlight 1. Nein – die wollen nicht in die Schweiz.
      2. Flüchtlinge sind Menschen und haben Menschenrechte. «…zufrieden sein, dass nicht plötzlich alles in die Luft fliegt.» reicht nicht.

      Mein Gott ey, ich könnte kotzen ab Aussagen wie deiner.
    • loquito 09.03.2020 08:46
      Highlight Highlight Sagt Kiro Striked, welcher in der CH geboren wurde (oder zumindest hier lebt) und genau gar nichts dafür geleistet hat, während er in einer modernen Wohnubg mit vollem Kühlschrank, warmem Wasser, Krankenkasse und einmal richtiggeilen Ferien in Jahr... Ja so ist es einfach, gäu?
    • J-ME 09.03.2020 09:17
      Highlight Highlight Ja Europa ist gross, Deutschland und wir können leider nicht alle aufnehmen.

      Ich finde was er gesagt hat, drückt die Problematik mit den Flüchtlingen sehr gut aus:
      «Sie wollen uns hier nicht. Und wir wollen hier nicht sein. Aber wir kommen nicht weg.»
    Weitere Antworten anzeigen
  • Heinzbond 09.03.2020 05:49
    Highlight Highlight Eine Katastrophe, 20000 in einem Lager für 3000, und Europa schaut zu, eigentlich ja eher weg. Nicht hin und besinnt sich seiner Werte, also dem Wert Erhalt, der Sicherung der Grenze und das alles bleibt wie es ist...
    • 044 508 39 39 het sie gseit 09.03.2020 12:02
      Highlight Highlight Was soll Europa sonst tun?

      Alle aufnehmen?

      No borders?

      Dann ist aber schnell vorbei hier, mit dieser dekadenten „ich will helfen, es kostet ja nichts“ Mentalität.
    • Heinzbond 09.03.2020 14:45
      Highlight Highlight Klar kostet es etwas, hat uns ja auch sehr viel Reichtum eingebracht die Armut und den Krieg in die Welt zu bringen.

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