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Wird die Zeitumstellung abgeschafft? Warum wir am Sonntag eine Stunde verlieren

Die Zeitumstellung spaltet die Gemüter. Manche betonen die gesundheitlichen Vorteile der Uhrumstellung, andere beklagen ihre praktischen Nachteile. Nun sind in der EU sogar Bestrebungen im Gange, die Umstellung ganz abzuschaffen.

Cet article est également disponible en français. Lisez-le maintenant!


Es ist wieder so weit, die Winterzeit geht zu Ende. Am Sonntag findet deshalb die Zeitumstellung statt. Zwei schlechte Nachrichten: Wir verlieren eine Stunde Wochenende und am Morgen ist es wieder länger dunkel. Die gute Nachricht: Am Abend ist es länger hell.

Der Unmut in der Bevölkerung ist sogar so gross, dass in der EU bereits diskutiert wird, ob man die Zeitumstellung abschaffen will. Mehr zur Geschichte hinter der Uhrumstellung, ihre Vor- und Nachteile und wann sie frühestens abgeschafft wird, erfährst du hier:

Seit wann gibt es die Zeitumstellung?

Beginnen wir am Anfang. Die Idee, unsere Lebensweise und damit unsere Uhren besser dem Tageslicht anzupassen, kam erstmals im 19. Jahrhundert auf. Forscher aus der ganzen Welt propagierten die Idee, sie fand jedoch in der breiten Bevölkerung kaum Anklang. Zu kompliziert, entschied man damals.

Erst mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges erhielt die Zeitumstellung einen erneuten Schub, weil man knapp werdende Brennstoffe zur Beleuchtung sparen wollte. So führten fast alle am Krieg beteiligten Parteien die Sommerzeit ein. Nach Ende des Krieges wurde die teilweise unbeliebte Kriegsmassnahme vereinzelt wieder abgeschafft, der 2. Weltkrieg brachte sie jedoch wieder zurück.

Auch die Schweiz führte in den Jahren 1941 und 1942 die Zeitumstellung kurzfristig als Kriegsmassnahme ein. Ende der 70er-Jahre gab es wegen der Ölkrise erneut Bestrebungen in Deutschland und Österreich, die Sommerzeit als Normalzeit einzuführen und die Winterzeit damit abzuschaffen. Die Schweizer Politik wollte mitziehen, die Bevölkerung machte ihr aber per Referendum und Volksabstimmung einen Strich durch die Rechnung.

Seit dem 1. Januar 1981 gilt auch in der Schweiz die Sommerzeit und seit diesem Datum wird auch immer wieder versucht, das wiederkehrende Ereignis der Zeitumstellung zu Beginn und Ende des Sommerhalbjahrs bildhaft umzusetzen. Das Beispiel aus dem Jahr 1984 illustriert die Situation fuer die Bauern im Land. (KEYSTONE/Str)

Besonders die Bauern wehrten sich Ende der 70er-Jahre gegen die Einführung der Sommerzeit in der Schweiz. Bild: KEYSTONE

Als die Nachbarländer die Umstellung 1980 endgültig einführten, wurden die Probleme aber deutlich. Die Schweiz als Insel mitten in Europa, in der zur Hälfte des Jahres eine andere Zeit gilt, erschwerte damit die Organisation des mitteleuropäischen Bahnverkehrs erheblich. Am 1. Januar 1981 trat die Zeitumstellung also auch in der Schweiz in Kraft. Ein Referendum kam nicht mehr zustande und auch spätere Abschaffungs-Bemühungen – zum Beispiel von SVP-Übervater Christoph Blocher – scheiterten.

Warum stellen wir die Uhren um 3 Uhr morgens um?

Bereits damals in den 80er-Jahren wurde die Zeitumstellung negativ aufgenommen. «Kaum entscheidet man sich in Bonn [damals Hauptstadt der BRD, Anm. d. Red.] für die Zeitumstellung, geraten wir in Aufruhr!», ereiferten sich die Gegner. Im Vordergrund stand damals, dass die SBB schwere wirtschaftliche Konsequenzen zu tragen hätten, wenn die Schweiz nicht ebenfalls auf die Sommerzeit einträte.

Um den Übergang so geschmeidig wie möglich zu gestalten, entschied man sich, die Umstellung auf eine Uhrzeit in der Nacht am Wochenende zu legen. Die Wahl fiel auf 3 Uhr Morgens. Diese Zeit machte die Umstellung für die SBB einfacher, ein Grossteil der Bevölkerung schläft und Nachzügler haben am Sonntag noch Zeit, die Uhren umzustellen.

Ende der Sommerzeit: in der Nacht auf nächsten Sonntag werden die Uhren um drei Uhr eine Stunde zurück auf zwei Uhr gedreht.

Den SBB war es 1980 ein Anliegen, die Zeitumstellung dem Rest von Europa anzupassen. Bild: KEYSTONE

Update

Dieser Artikel wurde bereits im März 2020 publiziert. Anlässlich der Zeitumstellung am Sonntag wurde er überarbeitet und erneut veröffentlicht.

Wie stelle ich am Sonntag die Uhren um?

Am Sonntag endet die Winterzeit und die Sommerzeit beginnt. Das heisst, wir stellen die Uhren eine Stunde vor. Also von 2 Uhr auf 3 Uhr. Die meisten Uhren stellen automatisch um. Die gute Nachricht: Am Abend bleibt es länger hell. Aber wir verlieren eine Stunde.

Zeitumstellung im März 2021: So musst du die Uhren am Sonntag stellen.

So stellst du die Uhr am Sonntag richtig um. Bild: Wikimedia

PS: Die Backofenuhr geht gerne mal vergessen, also immer schön umstellen!

Was sind die Vor- und Nachteile der Zeitumstellung?

Die Argumente für die Zeitumstellung waren in der Schweiz immer praktischer Natur: Die Anpassung an die europäische Norm stand im Vordergrund. Die Begründung, man könne damit Energie sparen, hat sich jedoch nicht bestätigt. Zwar stimme es, dass während der Sommerzeit am Abend weniger Strom verbraucht wird, dieses Plus wird aber in der Winterzeit wieder ausgeglichen.

Viele Forscher würden eine Abschaffung der Sommerzeit begrüssen, und zwar aus gesundheitlichen Gründen. Die Umstellung zweimal im Jahr führt bei einigen Personen zu einem Mini-Jetlag und kann Störungen des Schlafes verursachen. Doch auch auf biologischer Ebene ist die Zeitumstellung belastend. Blutdruck, Pulsfrequenz und Körpertemperatur zum Beispiel folgen einer inneren biologischen Uhr. Verändert sich der Tagesrhythmus, kann dies zu Anpassungsschwierigkeiten und damit zu Bluthochdruck führen.

Wird die Zeitumstellung in der Schweiz abgeschafft?

Die deutsche Regierungspartei CDU entschied sich bereits 2014, sich für die Abschaffung der Umstellung einzusetzen. Die EU trat erst 2018 auf den Plan. Das EU-Parlament beauftragte die EU-Kommission, die Umstellung neu zu bewerten. Diese startete daraufhin eine Umfrage. Eine erste Auswertung zeigte, dass 84 Prozent der Teilnehmer sich für eine Abschaffung aussprachen.

Daraufhin plante die EU, die Zeitumstellung auf das Jahr 2021 abzuschaffen und die Sommerzeit permanent beizubehalten. Sowohl die EU-Kommission wie auch das Parlament stimmte diesem Fahrplan zu. Doch dann kam die Corona-Pandemie.

Seit 2019 hat sich in dieser Sache also nichts mehr bewegt. Das Problem liegt darin, dass nicht alle Mitgliedstaaten an einem Wechsel interessiert sind. Es fehlt eine konkrete Folgenabschätzung, sagt eine EU-Beamtin gegenüber watson. Nun liege es am Europäischen Rat – also bei den Regierungschefs der EU – die Zeitumstellung abzuschaffen. Ein endgültiger Wechsel dürfte aber frühestens 2022 erfolgen.

Ob man die Winter- oder die Sommerzeit als Normalzeit festlegen soll, ist jedoch umstritten. Wissenschaftler fürchten, dass es gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung haben könnte, sollte man sich für die Sommerzeit entscheiden. Ausserdem strebt die EU eine einheitliche Umsetzung an, man stelle sich das Chaos eines Flickenteppichs vor.

Macht die EU der Winterzeit den Garaus, wird die Schweiz wohl folgen. Ähnlich wie bei der Anpassung an Europa bei der Einführung würde es auch heute keinen Sinn ergeben, alleine an der Winterzeit festzuhalten.

In welchen Ländern gibt es die Zeitumstellung noch?

Nur etwa ein Drittel aller Länder haben sich auf die Sommerzeit festgelegt. Dazu gehören die meisten europäischen und nordamerikanischen Länder. Hinzu kommen noch Israel, Syrien, der Iran, Peru, Paraguay und Teile Australiens. Diese Karte zeigt einen Überblick:

Zeitumstellung Karte Weltkarte Sommerzeit Winterzeit

Bild: watson

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