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Swiss und Co. warnen bereits vor neuem Flug-Chaos im Winter

Swiss und Co. warnen bereits vor neuem Flug-Chaos im Winter

Bilder von überlasteten Flughäfen und verärgerten Passagieren verderben derzeit die Ferienfreude vieler Reisehungriger. Laut dem Branchenverband Iata mit Sitz in Genf droht auch nach der heissen Hauptsaison Ungemach – wegen eines Plans der EU.
13.07.2022, 19:3313.07.2022, 20:14
Benjamin Weinmann / ch media
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Flugannullationen, Verspätungen, Passagier-Schlangen à gogo: Passagiere müssen sich diesen Sommer auf einiges gefasst machen - so wie auch schon in den vergangenen Wochen. Die rasante Rückkehr der Nachfrage nach Flugreisen überfordert die Aviatik, insbesondere Flughäfen wie Amsterdam oder London-Heathrow, die ihre Kapazitäten sogar drosseln mussten.

Swiss transportiert erneut mehr Passagiere. (Archivbild)
Swiss-Flüge sind im Zuge des Covid-Massnahmenabbaus wieder stärker gefragt. Doch an ausländischen Flughäfen kommt es zuweilen zu chaotischen Szenen.Bild: KEYSTONE

Doch nun könnte es sogar noch schlimmer kommen. Davor warnt zumindest der in Genf ansässige Airline-Verband Iata, der 290 Fluggesellschaften repräsentiert. In einer Mitteilung äussert die Organisation, zu deren Mitgliedern auch die Lufthansa-Gruppe mit Swiss und Edelweiss gehört, grosse Besorgnis, dass es im Winter zu weiteren Störungen für die Fluggäste kommen könnte.

EU will Slot-Regel wieder aktivieren

Grund dafür ist die sogenannte 80-20-Slot-Regel, die bis vor der Pandemie als in Stein gemeisselt galt. Diese besagt, dass die Airlines 80 Prozent ihrer gebuchten Start- und Landerechte – die so genannten Slots – in einer Saison auch tatsächlich benutzen müssen. Ansonsten müssen sie diese an die Konkurrenz abgeben. So soll verhindert werden, dass die Firmen an unbenutzten Slots festhalten und der Wettbewerb leidet.

Der Flughafen Zürich sieht sich für die Sommerferien personalmässig gut gerüstet. Tatsächlich ist der Schweizer Landesflughafen von chaotischen Szenen, wie es sie derzeit regelmässig in London oder Am ...
Der Flughafen Zürich sieht sich für die Sommerferien personalmässig gut gerüstet. Tatsächlich ist der Schweizer Landesflughafen von chaotischen Szenen, wie es sie derzeit regelmässig in London oder Amsterdam zu sehen gibt, bisher verschont geblieben.bild: keystone

Kurz nach Ausbruch der Pandemie entschied die EU, die Regel auszusetzen. Schliesslich wurde praktisch nicht mehr geflogen. Hätten die Behörden daran festgehalten, hätten die Airlines wohl massenweise Geister-Flüge, also ohne Passagiere an Bord, durchgeführt - aus Angst, die für sie so wichtigen Slots zu verlieren.

Airlines: Die Flughäfen sind schuld!

Nun möchte die EU zum alten 80-20-Regime per Ende Oktober auf die Wintersaison zurückkehren – zum Unmut der Iata. Dieser Schritt sei verfrüht. Die Fluggesellschaften seien zwar bestrebt, den Flugbetrieb wieder aufzunehmen, schreibt die Iata. Doch mehrere wichtige Flughäfen könnten bereits heute die Nachfrage nicht bedienen – Namen nennt die Iata keine – komme es derzeit zu Verspätungen. Dabei hätten die Flughäfen die Sommer-Slot-Pläne der Airlines bereits Anfang Jahr gekannt.

FILE - In this June 2, 2014 file photo, Willie Walsh, chief executive officer for International Airlines Group, speaks during a panel discussion of the 70th International Air Transport Association (IA ...
Iata-Chef Willie Walsh.Bild: keystone

Die einseitige Schuldzuweisung der Iata an die Fluglotsen und Flughäfen ist jedoch falsch. Auch viele Airlines lagen mit ihrer Personalplanung in der Pandemie daneben und haben nun einen massiven Unterbestand zu beklagen. So ist der Branche zu hören, viele Airline-Manager seien insgeheim sogar froh, dass der asiatische Markt wegen Covid-Restriktionen noch am Boden ist. «Diese zusätzliche Kapazität könnten viele Airlines derzeit gar nicht stemmen, weil sie zu wenig Crew-Mitglieder haben», sagt ein ranghoher Aviatik-Insider gegenüber CH Media.

So oder so sagt Iata-Chef Willie Walsh: «Wir befürchten, dass die Flughäfen nicht rechtzeitig in der Lage sein werden, bis Ende Oktober die Schwelle von 80 Prozent zu bedienen.» Denn das aktuelle Chaos an bestimmten Flughäfen komme nur schon bei einer Flugkapazität von 64 Prozent zustande. Die Mitgliedstaaten und das Parlament müssten den Vorschlag der EU-Kommission auf ein realistisches Niveau anpassen und Flexibilität bei der Slot-Regelung zulassen.

Derweil hat die Lufthansa am Mittwoch weitere Annullationen für diesen Sommer angekündigt aufgrund von aktuellen Abfertigungsproblemen. Betroffen sind rund 2000 Verbindungen an den Drehkreuzen Frankfurt und München bis Ende August. Das Ziel ist eine Stabilisierung des Flugplans. Tatsächlich ist es bereits die dritte Annullationswelle des Swiss-Mutterkonzerns. (aargauerzeitung.ch)

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