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Schweizer in Australien wegen Drogenschmuggel zu Haft verurteilt

Schweizer in Australien wegen Drogenschmuggel zu jahrelanger Haft verurteilt

24.10.2025, 06:5124.10.2025, 10:27

Ein 22-jähriger Schweizer ist am Freitag wegen Drogenschmuggels in Australien zu acht Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Davon muss er mindestens vier Jahre und zehn Monate absitzen, wie der zuständige Richter des County Court of Victoria urteilte. Das Schweizer Aussendepartement ist über den Fall im Bilde.

epa12293747 The Melbourne Star Observation Wheel and the city skyline in Melbourne, Victoria, Australia, 11 August 2025. The City of Melbourne will unveil plans to reopen the Melbourne Star Observatio ...
Bei seiner Reise nach Melbourne flog der Schweizer auf.Bild: keystone

Dem Genfer drohte eine lebenslange Haftstrafe, da er Anfang Januar mit einem Koffer voller Kokain von Los Angeles in den USA nach Melbourne gereist war. Seither befand er sich in Untersuchungshaft. Vorstrafen hatte er keine, wie es in der Anklageschrift heisst, die der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vorliegt.

Die Australische Bundespolizei hatte den Schweizer für die Einfuhr und den Besitz einer handelsüblichen Menge an Kokain angeklagt, wie sie Anfang Januar Keystone-SDA mitteilte. Die Menge an sichergestelltem Kokain reiche für 125'000 Deals auf der Strasse und habe einen geschätzten Wert von umgerechnet rund 4,5 Millionen Franken. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, handelte es sich bei den 21 Kilogramm weissem Pulver im Koffer um fast 15 Kilogramm reines Kokain.

«Ein Moment der Unüberlegtheit»

Neben der grossen Menge habe der Richter auch Faktoren wie das Alter des Angeklagten berücksichtigt. «Sie haben ihr ganzes Leben vor sich», sagte er in einem vom Gericht übertragenen Video an den Schweizer gewandt. Die Chancen für eine Rehabilitation erachte das Gericht als sehr hoch. Dass sich der Schweizer schuldig bekannt habe, sei Zeichen seiner Reue. Das Bekenntnis reduzierte die Länge der Haftstrafe, wie aus den Ausführungen des Richters hervorging.

In einem Brief zuhanden des Gerichts habe der Schweizer von einem «Moment der Unüberlegtheit» geschrieben und sich für sein Verhalten entschuldigt, sagte der Richter. Er glaubte dem Schweizer, dass er niemandem etwas antun wollte.

Aussagen variieren

Ob der Schweizer wusste, was er mit sich führte, darüber variieren seine in der Anklageschrift aufgeführten Aussagen. Den Zollbehörden habe der damals 21-Jährige zunächst angegeben, dass er sein Gepäck selbst gepackt habe und wisse, was sich darin befinde. Das Übergewicht des Gepäckstücks liege an den vielen Kleidern, die er in Las Vegas gekauft habe, soll er gesagt haben.

Kurz darauf habe der Schweizer den Zollbehörden jedoch gesagt, dass der Koffer nicht ihm gehöre. Eine ihm unbekannte Person habe ihm das Gepäckstück in Los Angeles gegeben. Er habe nach eigenen Aussagen nicht gewusst, was sich darin befinde, heisst es in der Anklageschrift. Auch habe er nicht gewusst, wem er den Koffer nach seiner Ankunft übergeben sollte.

Ihm soll kein Risiko versprochen worden sein

Je weniger er wisse, desto besser, soll er sich gedacht haben, wie aus einem in der Anklage enthaltenen Auszug aus einem Verhör mit der australischen Bundespolizei hervorgeht. Er habe sich gedacht, dass sich im Gepäckstück vielleicht gefälschte Uhren befinden könnten. Als er dann in Australien die schwarzen Pakete gesehen habe, habe er Angst bekommen.

Ihm soll gesagt worden sein, dass kein Risiko bestehe, sagte der Schweizer laut Anklage zur Bundespolizei. Er habe angenommen, dass er den Koffer im Gegenzug für die Flüge und ein bisschen Geld transportieren sollte. Den Zollbehörden erzählte er demnach, dass er noch in der Schweiz von einem Mann kontaktiert worden sei. Dieser habe ihm 4000 Dollar für Flüge und Unterkunft gegeben. Dem Gericht sei nicht ersichtlich geworden, welcher Gewinn für den Schweizer herausspringen sollte, sagte der Richter.

Eine kleine Rolle im internationalen Netzwerk

Die Rolle des Schweizers sei die eines Kuriers gewesen und eher klein innerhalb eines internationalen Drogennetzwerks. Dennoch könne dieses Netzwerk nur funktionieren, wenn sich Personen als Kuriere zur Verfügung stellten, sagte der Richter.

Die Menge des im Koffer mitgeführten Kokains, welche die handelsübliche Menge mehrfach überschritt, mache den Fall zu einem wichtigen Beispiel dafür, was ein «sehr schwerwiegendes Vergehen» sei, so der Richter. Im Fall des Schweizers sah das Gericht auch eine abschreckende Wirkung für die Allgemeinheit. Die Botschaft des Gerichts an alle, die Drogen einführen wollen, sei: «Es lohnt sich nicht.»

Mittlerweile sitzt der Schweizer seit fast elf Monaten in Untersuchungshaft. Diese Zeit wird ihm laut dem Richter angerechnet. Ob er nach Ablauf der vier Jahre und zehn Monate auf Bewährung freigelassen werde oder ob die Bewährungsauflagen geändert werden, obliege dann einem anderen Richter.

Das Schweizerische Generalkonsulat in Sydney stehe mit dem verurteilten Schweizer in Kontakt und unterstütze diesen im Rahmen des konsularischen Schutzes, teilte das eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Aus Daten- und Persönlichkeitsschutzgründen könnten keine näheren Angaben gemacht werden. (dab/sda)

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