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Während der Löwenzahnblüte war in diesem Frühling das Wetter zu schlecht.
Während der Löwenzahnblüte war in diesem Frühling das Wetter zu schlecht.
Interview

Uns geht der Honig aus – das steckt dahinter

Schweizer Bienenhonig wird in den nächsten Monaten in vielen Regionen ein rares Gut werden. Der Grund liegt auf der Hand: Das Wetter war zu schlecht.
19.08.2021, 20:0120.08.2021, 16:54
Reto Fehr
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Mathias Götti Limacher, ein befreundeter Imker klagte mir kürzlich: Letztes Jahr habe er rund 400 Kilogramm Honig produziert, dieses Jahr erst deren 8. Überrascht Sie das?
Mathias Götti Limacher:
Leider nicht. Ich habe von ähnlichen Fällen gehört.

Warum ist das so?
Die kurze Antwort ist: Wenn es Blüten hat, muss es schön sein. Sonst gibt es keinen Honig.

Das Wetter ist also schuld.
Ja, das ist so.

Und die lange Antwort?
Im Frühling, wenn Löwenzahn, Obstbäume, Raps und andere wichtige Pflanzen für die Bienen blühen, brauchen die Bienen schönes Wetter, sonst können Sie nicht fliegen. In diesem Jahr war es extrem. Als alles blühte, regnete es und es war kalt.

Mathias Götti Limacher.
Mathias Götti Limacher.
Bild: Mathias Götti Limacher
Mathias Götti Limacher
Mathias Götti Limacher ist Zentralpräsident von BienenSchweiz und Schulleiter Imkerbildung Schweiz. Unter dem Dachverband apisuisse ist BienenSchweiz der Zusammenschluss der sprachregionalen Imkerverbänden der deutschen und rätoromanischen Schweiz. Rund 14'000 Mitglieder zählt der Verband. Auf gleicher Ebene gibt es in der Schweiz noch die Société Romande d'Apiculture für die Romandie und die Federazione Ticinese Apicoltori.

Was hat die Kälte für einen Einfluss?
Wenn es kalt ist, brauchen Bienen mehr Nahrung. Erst die «überschüssige Nahrung» wird zu Honig, den die Imkerinnen und Imker dann ernten können.

Wenn der Frühling schlecht ist, dann ist die Saison gelaufen?
Nicht zwingend. Es gibt noch eine zweite Phase im Sommer – dann wenn unter anderem die Linden blühen. Aber auch da war in diesem Jahr das Wetter zu schlecht.

Gibt es noch andere Faktoren?
Es spielt alles zusammen. Was durch den Regen auch fehlte, waren die Blattläuse. Diese lassen ihren Zuckerüberschuss auf die Blätter tropfen. Diesen sogenannten Honigtau können Bienen normalerweise auch sammeln. Aber weil es dieses Jahr wenig Blattläuse gab, war die Menge geringer als sonst und weil es immer wieder regnete, wurde dieser von Blättern abgewaschen. Zudem …

Ja?
… mussten viele Imkerinnen und Imker ihre Völker in diesem Jahr schon im Sommer füttern. Normalerweise geben sie erst im Herbst Zuckersirup, das war jetzt schon an einigen Orten früher der Fall. Aber aus dem Zuckersirup gibt es keinen Honig. Honig entsteht nur durch die von den Bienen gesammelte Nahrung.

Aber ist die Saison jetzt gelaufen oder würden ein schöner Spätsommer und ein goldener Herbst noch helfen?
Die Saison ist jetzt vorbei. Den Honig, den wir jetzt haben, muss bis im nächsten Juni reichen.

Und, wird er das?
Schweizer Honig deckt normalerweise rund einen Drittel des Bedarfs der Schweiz. Der Rest kommt mehrheitlich aus Südamerika. Bis im Juni wird es für Schweizer Honig knapp bis sehr knapp.

Auf über 1200 Metern über Meer war das Honigbienenjahr nicht so schlecht.
Auf über 1200 Metern über Meer war das Honigbienenjahr nicht so schlecht.
Bild: bild: shutterstock

Gibt es vom letzten Jahr noch Lagerbestände mit Schweizer Honig?
Das kann ich nicht für die ganze Schweiz beurteilen. Grundsätzlich hatten wir im letzten Jahr eine gute Ernte und Honig lässt sich kühl und dunkel gut lagern.

Haben Sie genauere Zahlen?
Noch nicht. Die Saison ging erst gerade zu Ende. Wir haben eine Umfrage unter unseren Mitgliedern lanciert. Die Resultate gibt es dann im Oktober/November.

Imkerei-Werkzeug: Das brauchst du alles, um Honig herzustellen.

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MAZ: Imkerei-Werkzeug: Das brauchst du alles um Honig herzustellen.
quelle: keystone / martin ruetschi
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War denn die Situation in der ganzen Schweiz gleich?
Nein, da gibt es regionale Unterschiede. Tiefe Lagen hatten dieses Jahr Pech. Aber in höheren Bereichen, so ab 1200 Metern über Meer, erhielt ich von Imkerinnen und Imkern beispielsweise aus Graubünden gute Rückmeldungen. In Bergün weiss ich von einer Imkerin, die ein «normales» Jahr hatte.

Schwankungen sind ja auch normal.
Das ist auf jeden Fall so, teilweise auch stark. Aber so extrem wie in diesem Jahr, das gab es wohl noch nicht. Ich komme auf Ihr eingangs erwähntes Beispiel zurück. Letztes Jahr war ein gutes Jahr. Da kann es sein, dass ein Imker, eine Imkerin statt 400 dieses Jahr nur 200 Kilogramm ernten kann. Aber von 400 auf 8 – das ist krass.

Vor allem den vielen kleinen regionalen Anbietern dürften die Honigvorräte ausgehen.
Regionaler Honig wird sicher knapp. Beispielsweise bei Hofläden. In tiefen Lagen dürfte da und dort der regionale Honig bis im nächsten Juni auch ausgehen.

Hat so ein schlechtes Jahr eigentlich längerfristige Konsequenzen?
Im Normalfall nicht. Alle Honigbienen überwintern als Volk. Ist im nächsten Jahr während den beiden Saisons der Blüte das Wetter gut und warm, können wir uns wieder über ertragsreiche Bienenvölker freuen.​

Das ist jetzt zwar ein anderes Thema, aber Wespen sah ich in diesem Sommer noch kaum.
Ja, das hängt auch mit dem Wetter zusammen. Bei den Wespen überwintern ja nur die Königinnen, welche dann im neuen Jahr die Nester bauen und Eier legen. Aber bei schlechtem Wetter können sie sich nicht gut entwickeln, darum gab es dieses Jahr weniger Wespen.

Könnte sich das noch ändern im Spätsommer?
Die Zahlen werden nicht mehr explodieren, die grossen Massen werden wir nicht mehr sehen in diesem Jahr.

Und hat das Einfluss auf das nächste Jahr?
Eher als bei den Honigbienen. Dieses Jahr werden weniger Königinnen überwintern, die dann im nächsten Jahr Nester bauen. Aber wenn das Wetter dann stimmt, werden sie sich schnell vermehren können.​

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