Schweiz
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A municipal police officer of Zurich's special unit SOKO Uno 44 arrests a man who is not allowed to stay in the canton of Zurich, pictured on May 30, 2008 in Zurich, Switzerland. The SOKO Uno 44's task is to prevent the formation of a hidden drug scene. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Zuercher Stadtpolizist des Sonderkommissariats Uno 44 verhaftet am 30. Mai 2008 in Zuerich, Schweiz, einen Mann, der im Kanton Zuerich Rayonverbot hat. Der Auftrag der SOKO Uno 44 ist die Verhinderung einer verdeckten Drogenszene. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Jugendliche werden immer seltener straffällig.
Bild: KEYSTONE

Interview

Rückgang der Kriminalität: «Die Jugend ist zufriedener, aufgehobener und konsumiert weniger Drogen»

5853 Straftaten weniger als noch 2009: Die Jugendlichen sind laut einer Publikation des Bundesamtes für Statistik ruhiger geworden. Welche Effekte dabei eine Rolle spielen, erklärt Stefan Blülle von der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ).



Eine Publikation des Bundesamtes für Statistik (BfS) zeigt, dass die Jugendkriminalität seit 2009 um 40 Prozent zurückgegangen ist. Jugendberater Stefan Blülle erklärt, woran das liegen könnte:

abnahme der jugendgewalt

Die Abnahme der Jugendgewalt.
Bild: bfs

Herr Blülle, das BfS vermeldet, dass die Jugendkriminalität um 40 Prozent zurückgegangen ist, deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?
Stefan Blülle: Ja, auf jeden Fall. Die Jugendlichen sind insgesamt ruhiger geworden​. Es gibt trotzdem sehr viele junge Menschen, die unsere Hilfe benötigen, aber Gewalt und Kriminalität von Jugendlichen sind nur ganz selten die Gründe für den Hilfebedarf.

Woran liegt das?
Darüber kann man spekulieren. Zum Beispiel​ könnten die verstärkte Gewaltprävention, die verschiedenen Hilfen für den Weg ins Arbeitsleben und damit verbunden die geringe Jugendarbeitslosigkeit sowie insgesamt die Zufriedenheit der Jugendlichen dazu beigetragen haben. Wir haben in der Schweiz eine sehr niedrige Jugendkriminalität und auch der Konsum von Suchtmitteln ist zurückgegangen. Aus allen diesen Faktoren und noch vielen anderen lässt sich dieser Effekt erklären.

Die Anzahl von weiblichen Tätern verübter Straftaten ist aber verhältnismässig weniger stark zurückgegangen. Warum?
​​Erstens ist die Zahl der Straftaten, die von weiblichen Jugendlichen verübt werden, weitaus kleiner als die von jungen Männern. Es ist schwieriger, diese eh schon kleine Zahl weiter zu reduzieren. Zweitens kann man aber beobachten, dass die jungen Frauen insgesamt selbstsicherer auftreten,als noch vor ein paar Jahren. Da könnte man einen Zusammenhang mit etwas mehr Grenzübertretungen und Selbstüberschätzungen vermuten.

Bild

bild: jfs.bs.ch

Stefan Blülle ist Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen EKKJ. Er leitet den Kinder- und Jugenddienst, Erziehungsdepartement Kanton Basel-Stadt.

Viele der jungen Straftäter, etwa 85 Prozent, begehen nur eine oder zwei Straftaten. Kann das auf jugendlichen Übermut geschoben werden?
Die Jugend ist eine Lebensphase, in der Grenzen ausgetestet und eben manchmal auch überschritten werden, und Gesetzesübertretungen sind eben auch eine Form vom Grenzüberschreitung. Dass wir so wenig WiederholungstäterInnen haben, hängt auch mit unserem Jugendstrafrecht zusammen. Dies ist zwar ein Recht, das schon auch «straft», vor allem aber eines, das Jugendlichen hilft, Probleme anders als mit Delinquieren zu meistern.

Interessant ist in der Publikation des BfS auch, dass unter der Woche die meisten Straftaten zwischen 15 und 18 Uhr begangen werden. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Das ist wirklich interessant, ich kann darüber nur mutmassen. Zum Beispiel sind die Kinder und Jugendlichen den Tag über in der Schule, dort werden nur sehr wenige Straftaten begangen, weil ihnen einfach die Zeit dafür fehlt. Danach jedoch sind sie frei. Auch, dass viele Läden um diese Uhrzeit geöffnet haben, könnte damit zu tun haben. Immerhin sind ein Teil der Delikte, die von Jugendlichen begangen werden, Diebstähle. 

Ein grosser Teil der Straftaten wird aber weiterhin am Wochenende zwischen 22 und 2 Uhr begangen. Gilt Ihre Erklärung auch dafür?
Wie gesagt, die Jungen sind am Wochenende nicht in der Schule und haben Freizeit und Freiräume. Hinzu kommen noch die Dynamik in Gruppen der Jugendlichen und der Ausgang sowie der Alkohol- und​ Drogenkonsum. Diese Faktoren sind wohl massgeblich für diese Ansammlung verantwortlich und führen dazu, dass sich die Jungen zu Straftaten hinreissen lassen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Samy Kulturattentat D 21.12.2015 03:26
    Highlight Highlight Klar klingt das auf den ersten Blick gut. Jedoch zeigt es wie unkritisch unsere Jugend ist. Konsum, Ja sagen und die Verhältnisse akteptieren bedeutet Stillstand. Ich wünsche mir mehr junge Menschen die Häuser besetzen, mal frech sind und den Mächtigen und Reichen ordentlich ans Bein pinkeln. Wir 30er haben das getan und es hat unseren Charakter geprägt.
  • Yes. 20.12.2015 22:54
    Highlight Highlight Häää früher war doch alles besser??
  • Elkomentarias 20.12.2015 22:24
    Highlight Highlight Ich vermute -etwas überspitzt ausgedrückt- das hat vor allem mit unserer "Zombie Handy Gesellschaft" zu tun. Die jungen (und die alten) sind am konsumieren was geht, und so lange ihnen niemand das Handy wegnimmt gibt e keinen Grund aufmüpfig zu werden. Rebellion ist ansträngend Konsum ist einfacher. Natürlich ist Kriminalität blöd, und natürlich ist es schön wenn es keine Kriminalität gibt. Aber auf der anderen Seite muss man sich schon fragen ob eine sooo brav und überwacht "gehaltene" jungend gesund sein soll , für eine Gesellschaft die immer stärker zum Spielball der Eintönigkeit wird?
    • koks 20.12.2015 22:31
      Highlight Highlight vielleicht sinds auch die tonnen von ritalin, die an die jungen verfüttert werden. die sind dann ruhiggestellt, die eltern entlastet und die pharma macht gewinn. win-win-win situation.
    • Samy Kulturattentat D 21.12.2015 03:27
      Highlight Highlight Word
    • Skeagle 21.12.2015 03:31
      Highlight Highlight Finde es grundsätzlich schön, dass die Kriminalität zurückgeht, ein bisschen mehr gerechtfertigtes "Rebellentum" fände ich dagegen auch nicht schlecht.
  • rothi 20.12.2015 21:39
    Highlight Highlight Mich würde Wunder nehmen wie diese Entwicklung weltweit ausschaut. Ob es ein generelles Phänomen ist oder ein schweizerisches.
    • Samy Kulturattentat D 21.12.2015 03:29
      Highlight Highlight Ja ist es. Gerade in den südeuropäischen Ländern mit sehr hoher Jugendarbeitslosigkeit sieht das ganz anders aus.
  • Mr. Kr 20.12.2015 20:16
    Highlight Highlight Und das obwohl immer mehr Ausländer und Flüchtlinge in die Schweiz kommen..
    • Max Heiri 20.12.2015 20:51
      Highlight Highlight Ich vermute dass hat eher damit zu tun, dass die Schweize Fortschritte bei der Intergration gemacht hat.
    • Mr. Kr 20.12.2015 21:35
      Highlight Highlight Das hab ich auch nicht angezweifelt. Die Schweiz hat grossartige Arbeit in diesem Bereich geleistet.
    • seventhinkingsteps 21.12.2015 00:23
      Highlight Highlight Meinst du, du bist verwundert dass nicht mehr Asylunterkünfte angezündet wurden?
  • Anam.Cara 20.12.2015 20:01
    Highlight Highlight Das ist doch mal eine gute Nachricht.
    Diese Entwicklung gibt auch Anlass zur Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft.
    • Samy Kulturattentat D 21.12.2015 03:34
      Highlight Highlight Find ich nicht. Friedlich kann es nur werden wenn die Macht der fetten Reichen endlich durchbrochen wird. Dafür braucht es eine rebellische und revolutionäre Jugend die auch mal über die Stränge schlägt.
    • Anam.Cara 21.12.2015 08:28
      Highlight Highlight Ich finde, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Kritische Jugend, die mal "über die Stränge schlägt" ist nicht das selbe wie kriminelle Jugend.
      Im Artikel wird allerdings auch nicht unterschieden zwischen "Protestdelikten" und anderen Straftaten.
      Die Frage nach der Grenze zwischen den beiden dürfte sowieso sehr individuell beantwortet werden...
    • Samy Kulturattentat D 21.12.2015 09:00
      Highlight Highlight Danke für den Hinweis Anam. Gerne wüsste ich was alles in der Statistik gezählt wurde.
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