DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Interview

Berner Sicherheitsdirektor Nause: «Es wurde eine rote Linie überschritten»

Die Polizei musste am Donnerstagabend eine Demonstration von Impfgegnern mit Wasserwerfern auflösen. Der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause zeigt sich schockiert. Eine rote Linie sei überschritten worden.
17.09.2021, 12:0917.09.2021, 12:45
Nina Fargahi / ch media
Reto Nause
Reto Nause
Bild: KEYSTONE

Ungefähr 200 Personen versuchten am Donnerstagabend, das Bundeshaus zu stürmen. Es musste ein Wasserwerfer eingesetzt werden. Wie haben Sie die Situation erlebt?
Es wurde eine rote Linie überschritten. Schon der Umzug durch die Stadt war sehr aufgeladen, es gab Pöbeleien und Schlägereien mit den Passanten, auf dem Bundesplatz ist die Situation dann eskaliert.

Was ist passiert?
Ich war vor Ort und stand hinter dem Zaun, die Stimmung war sehr aggressiv, die Demonstranten warfen Flaschen, Büchsen und Böller. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn es die Sperre nicht gegeben hätte. Der Stadtberner Gemeinderat verurteilt diese Gewalt auf's Schärfste. Der Zaun wurde massiv beschädigt und es wurden Schrauben gelöst. Um den Zaun so zu beschädigen, braucht es mehr als nur zwei, drei Chaoten. Und wer Werkzeug an eine Demonstration mitführt, hat klare Absichten.

Können Sie sagen, wer die Protestierenden waren?
Die Bewegung ist sehr breit, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern. In den Foren kursieren Fantasien, dass man das Bundeshaus stürmen müsse, so wie das beim Capitol in Washington passiert ist. Das Links-Rechts-Schema greift nicht.

Es sind aber auch Personen bei diesen Kundgebungen dabei, die einfach gegen die Zertifikatspflicht demonstrieren oder sich nicht impfen lassen wollen, oder?
Ja, es ist nur ein Teil der Bewegung, der sehr radikal unterwegs ist. Der andere Teil läuft mit und dient den Gewalttätigen als Schutzschild. Was mir auch auffällt: Es ist fast kein Dialog mehr möglich.

Bild: keystone

Wie kommen Sie zu diesem Schluss?
Ich war schon bei unzähligen Kundgebungen dabei und versuche immer, mit den Leuten zu sprechen. Die Fronten werden aber immer mehr verhärtet.

Sie machen diese Beobachtung seit der Ausweitung der Zertifikatspflicht?
Die grösste Kundgebung fand am gleichen Tag statt wie der Bundesratsentscheid. Seither kommt es immer wieder zu unbewilligten Demonstrationen. Bereits wird erneut zu einer Kundgebung in Bern aufgerufen für nächsten Donnerstag, auch wieder unbewilligt. Ich bin sehr besorgt.

Bild: keystone

Stimmt es, dass die Protestierenden «Ueli» riefen?
Ja, ich glaube, dass ich das auch gehört habe. Vor allem aber riefen sie den Slogan «Liberté».

Was muss der Bundesrat tun?
Ich bin Kommunalpolitiker und diktiere der Landesregierung nicht, was sie zu tun hat. Ich sage nur: Das ist eine gefährliche Entwicklung, die man unbedingt stoppen muss, bevor Schlimmeres passiert.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Maskenverweigerer im Flieger – diese Airline kennt kein pardon

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

«Das zeigt, dass es Spannungen im Bundesrat gibt»

Politologe Daniel Kübler erklärt, was das Kollegialitätsprinzip ist und warum dieses so wichtig ist. Gleichzeitig verweist er darauf, dass dieses bereits früher regelmässig verletzt wurde. Zudem verteidigt er Guy Parmelin, der Ueli Maurer nicht öffentlich kritisieren wollte.

Ueli Maurer hat an einem Anlass in Wald scharfe Kritik am Bundesrat ausgeübt. Als Reaktion darauf unterbreitete die SP dem Gesamtbundesrat einen Fragenkatalog. Sie wollte wissen, wie die Aussagen Maurers mit dem Kollegialitätsprinzip vereinbar seien.

Guy Parmelin wich am Montag den Fragen in der Fragestunde des Nationalrats jedoch aus, wofür die SP dem Bundesrat «Rückgratlosigkeit» vorwarf. Der Politologe Daniel Kübler hat die Angelegenheit für watson eingeschätzt. Kübler ist Professor …

Artikel lesen
Link zum Artikel