Schweiz
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Ein deutliches Zeichen

Musliminnen und Muslime ächten Islamischen Zentralrat

Liberale Muslime halten ein Verbot des IZRS für unumgänglich.

Anna Kappeler, Beat Kraushaar und Fabienne Riklin / Schweiz am Sonntag



Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Es war ein deutliches Zeichen: In einer gemeinsamem Pressemitteilung verurteilen die Föderation Islamischer Dachverbände der Schweiz (FIDS) und die Koordination Islamischer Organisationen Schweiz (KIOS) den Pariser Terroranschlag vehement. «Jetzt sind deutliche Worte wichtig: Leute, die so einen Anschlag verüben, sind Terroristen. Man darf sie nicht mit gläubigen Muslimen gleichsetzen», sagt Farhad Afshar, der Präsident der KIOS.

Thomas Wipf, Praesident Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), und Farhad Afshar, Praesident der Foederation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS), von links, verkuenden im Namen des Schweizerischen Rates der Religionen (SCR), die Volksinitiative

Farhad Afshar Bild: KEYSTONE

«Jetzt sind deutliche Worte wichtig: Leute, die so einen Anschlag verüben, sind Terroristen. Man darf sie nicht mit gläubigen Muslimen gleichsetzen.»

Farhad Afshar

Auch der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) distanziert sich vom Attentat. Er zeigt sich in einer Mitteilung «schockiert ob des brutalen Angriffs». Doch in der Vergangenheit provozierte der IZRS immer wieder mit umstrittenen Aktionen. Zuletzt mit seinem Propagandafilm. Darin hisst der IZRS auf Schweizer Boden eine Flagge, die optisch derjenigen der IS-Kämpfer ähnelt.

Dieses Verhalten besorgt viele Schweizer Muslime. So auch die Vizepräsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, Valentina Smajli. Sie kritisiert, dass der IZRS «sich ob des Blutbades in Paris nur schockiert zeigt, dieses aber nicht verurteilt». Für Smajli ist der IZRS deshalb «eine grosse Gefahr für den religiösen Frieden in unserem Land und damit auch für alle Muslime».

Die Luzerner SP Politikerin Valentina Smajli spricht am Sonntag, 9. September 2012, am ordentlichen Parteitag der SP Schweiz im Kongresshaus von Lugano. (KEYSTONE/Karl Mathis)

Valentina Smajli. Bild: KEYSTONE

Laut Smajli müssen nun Massnahmen gegen den IZRS ergriffen werden. «Ein Verbot wird unumgänglich sein», sagt sie. Vorerst gelte es, die Agitationsfelder des IZRS unter die Lupe zu nehmen und dessen Hintermänner und Finanziers zu entlarven.

 «Der IZRS ist eine grosse Gefahr für den religiösen Frieden in unserem Land und damit auch für alle Muslime.»

Valentina Smajli

Damit konfrontiert, sagt IZRS-Sprecher Qaasim Illi: «Der IZRS hat sich deutlich genug gegen Gewalt und Terror geäussert. Distanzieren muss sich der IZRS allenfalls dann von einer Person oder Tat, wenn er sich vorher damit aktiv assoziiert hat.» In der Stellungnahme des IZRS steht weiter, dass dieser «den weit verbreiteten Missmut über die wiederholt gezielten Provokationen des Magazins versteht». Dies rechtfertige jedoch nicht die Anwendung von Gewalt.

«Wenn die Attentäter auf der Flucht einen Polizisten ermorden, der ein Muslim ist, was hat dies mit dem Islam zu tun?»

Hani Ramadan

Nach der Tragödie in Paris sorgen sich vor allem die liberalen Muslime in der Schweiz, dass der Anschlag auf sie zurückfallen könnte. Sie befürchten, dass das Zusammenleben der Kulturen in der Schweiz beeinträchtigt wird. So auch in der Moschee in Wil SG. Vor dem Freitagsgebet sassen dort Gläubige zusammen. «Viele sind wegen der schrecklichen Vorfälle verunsichert», sagt Imam Bekim Alimi. Durch solche Taten würden auch hierzulande Menschen mit einem Islambild konfrontiert, das nichts mit der gelebten muslimischen Realität zu tun habe.

Hani Ramadan,Musulman intellectuel, fondateur et directeur du premier centre islamique de la Suisse a Genave, s'exprime lors de la troisieme conference annuelle du Conseil Central Islamique Suisse, CCIS, ce samedi 21 decembre 2013 a Palexpo Geneve. La conference annuelle du Conseil Central Islamique est la plus grande manifestation islamique en Suisse. Cette annee sous la devise

Hani Ramadan. Bild: KEYSTONE

«Was in Paris passiert ist, fördert die ohnehin grassierende Islamophobie.»

Hani Ramadan

Hani Ramadan, Direktor des Islamischen Zentrums in Genf und der Enkel von Hassan al-Banna, dem Gründer der ägyptischen Muslimbrüder, sagt: «Was in Paris passiert ist, fördert die ohnehin grassierende Islamophobie.» Man habe von Anfang an, ohne die Details und Hintergründe zu kennen, pauschal die Islamisten als Schuldige gebrandmarkt. «Wenn die Attentäter auf der Flucht einen Polizisten ermorden, der ein Muslim ist, was hat dies mit dem Islam zu tun?», fragt Ramadan.

Imam Alimi hofft fest, dass der Terror in der Schweiz keinen Nährboden findet, und sagt klar: «Die Radikalen und die Radikalisierung schaden dem Islam am meisten – und zwar im In- und Ausland.» 

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    Alle Leser-Kommentare
  • ranna 11.01.2015 16:24
    Highlight Highlight Hani Ramadan: «Wenn die Attentäter auf der Flucht einen Polizisten ermorden, der ein Muslim ist, was hat dies mit dem Islam zu tun?» Was heisst das? Wenn es kein Muslim gewesen wäre?
  • Kaiserin 11.01.2015 13:42
    Highlight Highlight Um nicht in Vorurteile zu verfallen, hilft es mir persönlich, die Terrorakte der vergangenen Tage, Monate und Jahre als Handlungen von Terroristen zu sehen und nicht als Handlungen von Muslimen...
    • DarkStanley 11.01.2015 15:59
      Highlight Highlight Ja hoffentlich auch! Gibt ja keine andere Möglichkeit?!
      Das nennt sich auch Islamischer Fundamentalismus (oder Islamismus o.ä.).
    • Kaiserin 11.01.2015 16:39
      Highlight Highlight Es machen viele aber nicht! Viele sehen Terror als muslimisch bzw. machen den Unterschied zwischen Extremisten und normalen Gläubigen nicht...
    • DarkStanley 11.01.2015 19:17
      Highlight Highlight Dann fehlt es nicht nur bei den Islamisten an Bildung, sondern es fehlt auch bei uns.
    Weitere Antworten anzeigen
  • The Truth 11.01.2015 13:13
    Highlight Highlight "Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube."

    Ich kenne genügend Araber persönlich und sie haben alle einen gewissen Radikalismus in sich, seien es nun Christen oder Moslems, deswegen fällt es mir schwer, den Worten glauben zu schenken.
    • Citation Needed 13.01.2015 09:58
      Highlight Highlight The Truth, Deine Aussage spricht ja dafür, dass nicht der Islam Ursache der Gewalt ist. Denn wenn auch christliche Araber Deiner Meinung nach im Innersten radikal sind, dann sind dies ja keine Muslime, die Du als essentiell radikal abstempelst und das führt zum Schluss, dass Radikalität auch andere Ursachen als die Religion haben kann. Dass Du dafür alle Araber radikal schimpfst ist ein anderes, gravierendes Problem. Zum Artikel: Was haben denn die Wortmeldungen der Muslimischen Organisationen mit Arabischen Christen zu tun? Oder denkst Du etwa, alle Muslime seien Araber?
    • Citation Needed 13.01.2015 09:59
      Highlight Highlight Ps: Dein Name passt nicht zu Dir.
  • jamaika 11.01.2015 11:18
    Highlight Highlight Na Bravo.....es ist nötig, dass sich Muslime öffentlich gegen diese "Kranken" stellen.
  • Citation Needed 11.01.2015 09:39
    Highlight Highlight ..ps: auch wenn das eine Argument von Hani Ramadan etwas schwach ist.. Die Annahme, dass Islamisten für die Tat verantwortlich waren, beruhte ja nicht auf Vorurteilen. Die Redaktion war bekanntermassen auf den Todeslisten islamistischer Terroristen, ein früherer Anschlag und Drohungen erfolgten auch con islamistischer Seite.. & die Täter riefen aus, den Propheten gerächt zu haben, etc. Zudem kennzeichneten seriöse Medien den Verdacht als unbestätigt, bis Klarheit herrschte. Da sehe ich also keine Islamophobie. Wo er allerdings Recht hat: was hat die Tat mit dem Islam zu tun? Die Täter waren m.E. in erster Linie gescheiterte Existenzen, denen der Islam als Vorwand für eigene Rachegelüste diente.
  • Citation Needed 11.01.2015 09:15
    Highlight Highlight Gut, dass die "anderen" Muslime sich laut und deutlich vernehmen lassen. Die Stimmen gab es zwar immer, bisher scheute man sich aber, dem Zentralrat die Stirn zu bieten.
    • Citation Needed 11.01.2015 19:36
      Highlight Highlight ..ist das eine Antwort auf meinen Kommentar? Ich nahm eigtl. weniger auf die Verbotsforderung Bezug sondern begrüsse es, dass sich die schweigende Mehrheit der Muslime endlich deutlich vernehmbar zu Wort meldet und klarstellt, dass sie nicht von diesem Wolf-im-Schafspelz-Konvertitenklub vertreten wird. Zum Verbot folgendes: natürlich wird auch hier heisser gekocht als gegessen. Der IZRS wurde aber immer wieder mit Gruppen assoziiert, die Dschihadisten rekrutieren. Ich verstand den Artikel so, dass man diesen Verdacht verfolgen will und, trifft er zu, den IZRS verbieten (und bestrafen) will.
    • Citation Needed 12.01.2015 21:01
      Highlight Highlight kein Problem! Dank der Antwort hab ich nochmal genau gelesen. Schadet nie.

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