Krieg ohne klares Ziel: Trump zockt mit hohem Einsatz
In den letzten Tagen deutete einiges darauf hin, dass US-Präsident Donald Trump militärisch gegen den Iran vorgehen will. Er liess eine Streitmacht auffahren, darunter zwei Flugzeugträger. Die parallel geführten Verhandlungen in Genf über das iranische Atomprogramm führten bislang zu keinem greifbaren Ergebnis. Ein Krieg lag in der Luft.
Am Samstagmorgen machte Trump Ernst. Im Verbund mit Israel befahl er die Operation «Epischer Zorn» mit Luftangriffen auf Ziele im Iran. Dieses Szenario kursierte seit einiger Zeit. Doch eine Frage bleibt offen: Was soll das Ganze? Oder wie es die «New York Times» in einem redaktionellen Kommentar formulierte: «Warum haben Sie diesen Krieg begonnen, Mr. President?»
In einem Video sprach Trump von einem Präventivschlag, um die unmittelbare Bedrohung durch die iranische Führung zu beseitigen. Diese Botschaft war an das amerikanische Volk gerichtet, das sich in Umfragen klar gegen ein militärisches Vorgehen ausgesprochen hatte. Allerdings darf man sich die Frage stellen, wie konkret diese Gefahr tatsächlich ist.
Hilfe versprochen
Das Regime in Teheran besitzt keine Mittel, um die USA direkt zu bedrohen. Auch keine Atombombe. Selbst Trump sprach im Video davon, dass die Iraner «nie eine Atomwaffe haben» werden. Sein eigentliches Ziel kann somit nur ein Regimewechsel sein. «Die Stunde eurer Freiheit ist gekommen», wandte sich der US-Präsident an das iranische Volk.
Offenbar fühlte er sich unter Zugzwang, nachdem er während der brutal niedergeschlagenen Proteste im Januar Hilfe versprochen, aber nicht geliefert hatte. Damit aber geht Trump ein enormes Risiko ein. Er spiele «mit sehr hohem Einsatz», meinte Richard Haass, einer der meist respektierten Aussenpolitiker der USA, in der Sendung «Morning Joe» auf MS NOW.
Eine «Venezuela-Lösung»?
Denn das iranische Regime ist resilient. Es hat gerade bewiesen, dass es für sein Überleben bereit ist, das eigene Volk zu massakrieren. Und es scheint besser vorbereitet zu sein als im Zwölftagekrieg im letzten Juni, schreibt der «Spiegel». Wobei noch unklar ist, ob Ajatollah Ali Chamenei, der oberste Führer des Landes, evakuiert oder getötet wurde.
Die Machthaber sind durch massive Wirtschaftssanktionen und den letztjährigen Krieg geschwächt, aber nicht besiegt. Viele Menschen hoffen, dass Trump sie von dem Terrorregime erlöst, doch das ist leichter gesagt als getan. Zwar stellte er ihnen die Übernahme der Regierung in Aussicht, doch er könnte sich mit einer «Venezuela-Lösung» begnügen.
Revolutionsgarde an der Macht
In diesem Szenario könnte sich das Regime mit einigen kosmetischen Korrekturen an der Macht halten, etwa dem Verzicht auf Atomwaffen und gesellschaftlichen Lockerungen. Im Zentrum stünde die Revolutionsgarde, sagte ein Diplomat mit Iran-Erfahrungen kürzlich in einem informellen Gespräch. Für viele Experten ist sie längst das eigentliche Machtzentrum.
Der Gottesstaat ist demnach nur noch Fassade. Diese einzureissen, wäre kein grosses Problem. Das iranische Volk aber würde dabei genauso im Regen stehen wie die Menschen in Venezuela, wo sich Trump mit der chavistischen Regierung zu arrangieren scheint. Doch es gibt keine Garantie, dass selbst eine solche «Minimallösung» erreichbar ist.
Ziele sind «schlecht definiert»
US-Militärs, darunter Generalstabschef Dan Caine, haben gewarnt, dass die US-Streitkräfte einen reinen Luftkrieg höchstens einige Tage durchhalten könnten. Und Bodentruppen dürften für Trump aus Rücksicht auf seine MAGA-Basis tabu sein. Die Gefahr besteht, dass der Krieg die ganze Region erfasst – oder ohne greifbares Ergebnis endet.
Es wäre ein Szenario im Sinne der iranischen Führung. Sie muss einfach nicht verlieren. Die «New York Times» geht mit dem Präsidenten deshalb hart ins Gericht: «Trumps Umgang mit Iran ist leichtfertig. Seine Ziele sind schlecht definiert. Er hat es nicht geschafft, die notwendige Unterstützung im In- und Ausland für einen erfolgreichen Ausgang zu erhalten.»
«Kein notwendiger Krieg»
Im Wahlkampf 2024 hatte Donald Trump versprochen, Kriege zu beenden und nicht zu beginnen. Seit seinem Amtsantritt hat er mehrfach Militärschläge angeordnet. «Sein Appetit für militärische Interventionen wächst mit dem Essen», folgert die «New York Times». Der Präsident behandle Kriege nicht als «die ernsthafte Angelegenheit, die sie sind».
Oder wie es Richard Haass pointiert sagte: «Dies ist kein notwendiger Krieg.» Den Preis dafür bezahlen die Opfer auf allen Seiten. Und am Ende vielleicht Donald Trump selbst.
