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Botschafter Yigal Caspi beim Interview mit watson bild: watson/mathieu gilliand

Yigal Caspi

Israels Botschafter in Bern kritisierte Netanjahu auf Twitter – jetzt droht ihm die Entlassung



Der israelische Botschafter in der Schweiz und zwei weitere Diplomaten droht wegen Kritik an der eigenen Regierung im Kurzmitteilungsdienst Twitter die Entlassung. Wie das Aussenministerium am Donnerstag bestätigte, wurden alle drei zu disziplinarischen Anhörungen nach Jerusalem einbestellt.

Im Fall des Botschafters in Bern, Yigal Caspi, geht es vor allem um einen Tweet, der sich kritisch mit der Absicht von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu befasst, unter Umgehung des Weissen Hauses Anfang März eine Rede vor dem US-Kongress zu halten. Er stammt vom Journalisten Barak Ravid, der für die links-liberale und Netanjahu-kritische Tageszeitung «Haaretz» schreibt. Caspi hatte ihn offenbar retweetet.

Jedesmal wenn man glaubt, Netanjahu habe die Beziehungen zum Weissen Haus auf den Tiefpunkt gebracht, schafft er es, sie noch tiefer sinken zu lassen.

«Sie wurden zu einer Anhörung vorgeladen, um zu klären, ob bestimmte Kommentare auf ihren privaten Twitter-Konten von ihnen stammen», sagte der Ministeriumssprecher Emmanuel Nachschon der Nachrichtenagentur AFP. Auch Assaf Moran, israelischer Botschaftsrat in Indien sei zurückbeordert worden, sagte Nachschon. 

Caspi gilt als Diplomat, der bisweilen eigene Positionen vertritt und dabei auch kein Blatt vor den Mund nimmt. watson hatte den Botschafter im Sommer 2014 zu einem Interview getroffen. Sein Twitter-Konto @yigalcaspi war am Donnerstag nicht mehr aufrufbar.

Offenbar Suspendierung angeordnet

Die Tageszeitung «Jediot Ahronot» meldete am Donnerstag, Aussenminister Avigdor Lieberman habe bereits die Suspendierung aller drei Diplomaten angeordnet. Die Zeitung «Haaretz» berichtete, die für den 3. März geplante Rede Netanjahus vor beiden Häusern des US-Kongresses stosse auch unter Israels Generalkonsuln in den Vereinigten Staaten auf starke Bedenken. 

Die Generalkonsuln in sechs US-Bundesstaaten hätten in internen Schreiben vor schwerwiegenden Folgen gewarnt, sollte Netanjahu gegen den Willen der US-Regierung vor dem Kongress sprechen, zitierte «Haaretz» einen leitenden Beamten des Ministeriums. Netanjahu will vor dem Kongress vor allem die gegenwärtigen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm kritisieren und für eine Verschärfung der Sanktionen gegen Teheran eintreten.

Israels Botschafter in Washington, Ron Dermer, hatte diese Rede mit den republikanischen Mehrheitsführern in Senat und Repräsentantenhaus eingefädelt, ohne US-Präsident Barack Obama oder seinen Aussenminister John Kerry in Kenntnis zu setzen. Das Weisse Haus, das die laufenden Atomverhandlungen nicht durch weitere Sanktionen gefährden will, reagierte auf diesen «Protokollverstoss» höchst verärgert. (sda/afp)

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