US-Techgigant Palantir klagt gegen das «Republik»-Magazin
Der Fall liegt gemäss «Republik»-Journalistin Adrienne Fichter beim Zürcher Handelsgericht. Hintergrund ist eine im Dezember 2025 veröffentlichte, zweiteilige Investigativ-Recherche, die in Zusammenarbeit mit dem Recherchekollektiv WAV entstand.
Die Artikelserie dokumentiert, wie der umstrittene US-Datenanalyse-Konzern seit 2018 versuchte, Schweizer Bundesbehörden und die Armee durch eine aggressive Verkaufsstrategie als Kunden zu gewinnen. Trotz Treffen auf höchster Ebene – etwa mit dem damaligen Bundesrat Ueli Maurer im Silicon Valley oder Bundeskanzler Walter Thurnherr am WEF in Davos – blitzte das Unternehmen bei zivilen Behörden mindestens neunmal ab.
Die Souveränitätsbedenken
Während der Pandemie habe Palantir ausserdem seine Software pro bono angeboten, um beim Contact Tracing und der Impfstrategie zu helfen. Auch die Armee prüfte den Einsatz. Ein interner Bericht des Armeestabs riet Ende 2024 jedoch explizit davon ab. Die Gutachterinnen und Gutachter befürchteten, dass sensible Schweizer Daten über Palantir an US-Geheimdienste (CIA, NSA) abfliessen könnten. Grosse Unternehmen aus der Schweizer Privatwirtschaft (z. B. Swiss Re, Novartis und Ringier) nutzen Palantir-Produkte dennoch.
Palantir weist die Vorwürfe der Recherche entschieden zurück und argumentiert, die Berichterstattung der «Republik» verbreite «Mythen und Verschwörungstheorien». Mit dem rechtlichen Vorgehen wolle der Tech-Konzern aus seiner Sicht falsche Darstellungen korrigieren und seinen Ruf wahren.
Zwei Forderungen nach Gegendarstellung abgelehnt
Die Schweizer Anwälte des Defense-Tech-Konzerns verlangten am 29. Dezember 2025 eine Gegendarstellung, schreibt Adrienne Fichter am Donnerstagmittag in einem LinkedIn-Post. «Palantir will nicht, dass wir die Wahrheit schreiben.» Das seit 2018 bestehende Onlinemagazin lehnte ab, ebenso eine zweite Forderung im Januar. Nun klagt Palantir gegen das leserfinanzierte Magazin. Der Fall liegt beim Zürcher Handelsgericht.
Die «Republik» hat laut Fichter eine umfangreiche Verteidigungsschrift eingereicht. Die Redaktion belege ihre Befunde mit zahlreichen Dokumenten sowie öffentlich verfügbaren Berichten und betont ihr Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit und die Pressefreiheit der Schweiz.
Quellen
- linkedin.com: Post von Adrienne Fichter
- republik.ch: Wie hartnäckig Palantir die Schweiz umwarb (8. Dez. 2025)
- republik.ch: Warum Palantir zum Risiko für die Schweiz wird (9. Dez. 2025)
