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Tragik ohne Ende: 21-Jähriger soll Vater im TV-Sessel per Kopfschuss ermordet haben



Ein 21-jähriger Mann hat sich ab Montag, 31. Oktober, wegen Mordes an seinem Vater vor dem Bezirksgericht Pfäffikon ZH zu verantworten. Er hat gestanden, am 31. März 2015 seinen Vater in der gemeinsamen Wohnung in Pfäffikon erschossen zu haben. Das Urteil wird am 4. November eröffnet.

Die Tat ist unbestritten. Der damals 19-Jährige schoss am späten Nachmittag jenes Märztages von hinten seinem im Fernsehsessel sitzenden Vater in den Kopf. Das Opfer war sofort tot. Anschliessend fuhr der Sohn mit dem Velo zum lokalen Polizeiposten. Als er diesen geschlossen vorfand, telefonierte er mit der Kantonspolizei und stellte sich.

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Das Bezirksgericht Pfäffikon ZH muss über ein tragisches Familiendrama richten. Bild: kanton zh

Staatsanwalt Markus Oertle qualifiziert die Tat als Mord und fordert eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren. Der Beschuldigte habe besonders skrupellos gehandelt. Er habe heimtückisch eine eigentliche Hinrichtung vollzogen. Dabei habe der Mann «eine absolute Geringschätzung gegenüber dem Leben demonstriert». Es wären ihm aber «ohne weiteres andere Möglichkeiten» zur Verfügung gestanden, um seine Probleme zu lösen.

Jahrelange Konflikte

Verteidiger Valentin Landmann weist die Mordqualifikation zurück und plädiert auf vorsätzliche Tötung. Die Tat weise keine typischen Mord-Elemente auf. Es handle sich um «eine Affekt-, eine Emotions-Tat». Es sei wichtig, ihre Entstehung und die Minuten davor zu berücksichtigen, sagte er zur Nachrichtenagentur sda.

Sein Mandant stehe voll zu seinem Delikt und befürworte eine schwere Strafe. Landmann beantragt denn auch 10 Jahre Freiheitsentzug – deutlich mehr als die fünf Jahre, welche das Strafgesetzbuch als Mindeststrafmass für vorsätzliche Tötung vorsieht. Der junge Mann habe von Anfang an voll ausgesagt und sei einsichtig.

Der gezielte Schuss war der traurige Tiefpunkt einer jahrelangen, konfliktbeladenen Vater-Sohn-Beziehung, wie der Anklageschrift zu entnehmen ist. Die Eltern hatten sich getrennt, als der Sohn im Primarschulalter war. Der Bub lebte von da an bei der Mutter, die ein zunehmendes Alkoholproblem hatte. Sie starb an dessen Folgen zwei Tage nach dem 13. Geburtstag des Sohnes.

Sohn machte Vater für Tod der Mutter verantwortlich

Der Vater, ein PR-Fachmann und ehemaliger Redaktor der «Neuen Zürcher Zeitung», zog zum Sohn in die Wohnung. Laut Anklageschrift machte der Teenager seinen Vater für die Alkoholprobleme der Mutter – und damit indirekt für deren Tod – verantwortlich. Zudem empfand der Sohn, dass der Vater sich kaum für ihn interessierte. Häufig kam es zu Streitereien.

Nach der Schule begann der Jugendlich eine Velo-Mechaniker-Lehre. In der Werkstatt machte er sich gut, in der Berufsschule dagegen haperte es. Das Bestehen der Abschlussprüfung im Sommer 2015 war ernsthaft gefährdet. Dazu fehlte der Lehrling häufig: Ihm war übel und er musste erbrechen. Seit er etwa 16 Jahre alt war, rauchte er laut Anklageschrift jeden Abend vor dem Einschlafen einen Joint.

Auch am Tattag hatte er sich morgens beim Lehrmeister abgemeldet, weil ihm nicht gut sei, und hatte dies dem Vater auf einen Zettel notiert, den er ihm vor die Schlafzimmertür legte. Gemäss Anklageschrift kam der Vater etwas später wütend ins Zimmer des schlafenden Sohnes, rüttelte diesen wach, versetzte ihm Ohrfeigen, beschimpfte ihn und verlangte, er solle zum Arzt gehen.

Als «Weichei» beschimpft

Am Nachmittag stellte der Hausarzt fest, die Magenprobleme seien wohl Ausdruck psychischer Probleme. Der Patient solle seine Angst vor einem Scheitern bei der Lehrabschlussprüfung mit dem Vater besprechen.

Zurück in der Wohnung versuchte der Sohn genau das. Der Vater aber lachte ihn aus, beschimpfte ihn als «Weichei», er komme ganz nach der Mutter, die auch nichts getaugt habe. Der 19-Jährige flüchtete in sein Zimmer und weinte.

Etwas später, es war laut Anklageschrift inzwischen 17.15 Uhr, ging er ins väterliche Schlafzimmer, wo er eine Pistole wusste. Er nahm sie, setzte das Magazin mit den Patronen ein und lud die Waffe. Dann wickelte er eine Decke um den Arm mit der Pistole, ging zurück ins Wohnzimmer, wo der Vater im Fernsehsessel sass, und schoss ihm in den Hinterkopf.

(sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 14.10.2016 20:47
    Highlight Highlight *Der Vater, ein PR-Fachmann und ehemaliger Redaktor der «Neuen Zürcher Zeitung»*

    Der Vater war also kein armer Mann. Sein Sohn hat ihn erschossen. Kann der Sohn trotzdem erben?

    Noch eine Frage: Wer bezahlt den Verteidiger Valentin Landmann?
  • koks 14.10.2016 14:45
    Highlight Highlight "Die Eltern hatten sich getrennt, als der Sohn im Primarschulalter war. Der Bub lebte von da an bei der Mutter, die ein zunehmendes Alkoholproblem hatte."

    Da lebt der Bub als bis 13 bei der alkohlsüchtigen Mutter, getrennt vom Vater. Wenn man diese Story erzählt, müsste man wahrscheinlich etwas früher ansetzen. Einfach mal so den Vater zum bösen Mann machen (@Radesch), scheint mir etwas arg einfach hier.
    • Radesch 14.10.2016 15:15
      Highlight Highlight Was?! Ich habe nur gesagt, das solch eine Provokation nicht angebracht ist und, dass ich mich in die Lage des Typen versetzen kann. Mehr nicht, hör auf Sachen zu behaupten die nicht stimmen.
  • Radesch 14.10.2016 12:27
    Highlight Highlight Welch tragische geschichte...
    Habe mich extra angemeldet, um das zu posten.

    Die Tat ist und bleibt unverzeihlich und dennoch kann ich den Typen irgendwie nachvollziehen. Ich meine Mutter tot mit 13! Und der Vater sagt dann er sei ein nichtsnutz wie die Mutter...
    Da würde es mir persönlich auch "de nuggi usehaue".
    • Fumo 14.10.2016 13:02
      Highlight Highlight Dann kann man mit 19 ausziehen und den Vater bis zum Abschluss der Ausbildung zahlen lassen, aber man hat seine Ruhe. Eine solche Reaktion ist unverständlich und unverhältnismässig.
    • Mehmed 14.10.2016 13:07
      Highlight Highlight @Radesch, dem Typen hats ja den Nuggi rausgehauen. Jetzt geht er lange in die Kiste. Und das ist richtig so.
    • Radesch 14.10.2016 13:11
      Highlight Highlight @Fumo Natürlich ist sie das. Aber der Spruch mit dem "Nichtsnutz wie die Mutter" ist einfach nicht dass, was man von einem Vater erwartet, insbesondere nicht in so einer Situation. Aber ja, der gehört weggesperrt. Da sind wir uns sicher alle einig.
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