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Cybermobbing-Prozess von Céline: Es bleibt beim Arbeitseinsatz für den Angeklagten



Im Jahr 2017 nahm sich die 13-jährige Céline aus Spreitenbach AG das Leben, nachdem sie in sozialen Netzwerken blossgestellt und bedroht worden war. Der heute 17-Jährige, der erotische Bilder von ihr erpresst hatte, ist am Mittwoch in Dietikon vor Gericht gestanden. Es bleibt bei einem Arbeitseinsatz.

Das Jugendgericht Dietikon verurteilte den 17-Jährigen wegen Nötigung und mehrfacher Pornographie zu einem Arbeitseinsatz von sieben Tagen. Davon muss er vier Tage leisten. Die restlichen drei werden nur fällig, falls er sich innerhalb eines halben Jahres etwas Neues zuschulden kommen lässt. Dazu ordnete das Gericht eine «persönliche Betreuung» durch eine Sozialarbeiterin an.

Dass es einen Arbeitseinsatz von wenigen Tagen als Bestrafung gab, war vor Gericht unbestritten. Weil der Jugendliche zum Zeitpunkt der Tat erst 14 Jahre alt war, sind gemäss Jugendstrafgesetz gar keine härteren Massnahmen möglich. Mit mehrmonatigen Arbeitseinsätzen oder Busse werden Jugendliche erst ab einem Alter von 15 Jahren bestraft.

Dies war auch den Eltern des verstorbenen Mädchens bewusst. Sie legten aber dennoch Einsprache gegen den Strafbefehl der Jugendanwaltschaft ein, weil sie den Jugendlichen nicht nur wegen Nötigung verurteilt sehen wollten, sondern wegen sexueller Nötigung.

Dies lehnte das Gericht aber ab. Die Eltern reagierten empört auf den Entscheid und verliessen den Saal noch während der Urteilseröffnung. Sie erhielten auch keine Genugtuung zugesprochen.

«Nudes» per Snapchat

Der damals 14-jährige Beschuldigte aus Dietikon ZH hatte vom 13-jährigen Mädchen aus Spreitenbach AG freizügige Bilder verlangt. Dabei drohte er ihr, dass er bereits gesendete Aufnahmen an seine Ex-Freundin weiterleiten werde, falls er keine neuen erhalte.

Derart unter Druck gesetzt, schickte ihm das Mädchen mehrere Bilder per Snapchat. Eines dieser «Nudes» landete nach einem Streit doch bei der Ex-Freundin, die es gleich per Snapchat weiterverbreitete.

Innert kürzester Zeit sahen rund 500 Personen die Aufnahme, das Mädchen wurde daraufhin beleidigt und bedroht. Einige Tage später nahm es sich das Leben.

Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Verhalten des Beschuldigten und dem Suizid des Mädchens sei zwar nicht erstellt, sagte der Anwalt der Eltern. «Einiges deutet aber darauf hin, dass die seelischen Wunden auf diesen Jugendlichen zurückgehen.»

Die Ex-Freundin, die das Bild weiterverbreitete, wurde ebenfalls zu einem Arbeitseinsatz verurteilt. Dieses Urteil ist bereits rechtskräftig. Die junge Frau hat ihren Einsatz schon absolviert.

Eigentlich sind Verhandlungen des Jugendgerichts nicht öffentlich. In diesem Fall macht es jedoch eine Ausnahme, wegen des grossen öffentlichen Interesses am Thema Cybermobbing. (sda)

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Albu 28.02.2020 17:54
    Highlight Highlight Mich würden in diesem Zusammenhang zwei Dinge interessieren: 1. Was treibt eigentlich "Isabella", welche das Ganze ja eigentlich angezettelt hat? Mobbt sie immer noch weitere Opfer aus der Psychi heraus? 2. Zeigt der hier "verurteilte" Typ Empathie in irgend einer Form? Hat er sich jemals versucht glaubwürdig zu entschuldigen? Zeigt er Reue? Falls nicht, hoffe ich für ihn und für "Isabella", dass ihr Gewissen sie doch noch irgend wann einholen wird. Und was unser Rechtssystem betrifft: Welches Rechtssystem?
  • Steven86 27.02.2020 08:59
    Highlight Highlight Arbeitseinsatz von 7 Tagen, lachhaft. Da wird man als Schwarzfahrer härter bestraft. Dieses Gesetz muss dringend angepasst werden. Nicht erst morgen sondern schon heute.
  • Weisser Mann 27.02.2020 07:52
    Highlight Highlight Ich habe als Kind das selbe Strafmass für den Besitz von Gras erhalten. Wo ist da bitte die Verhältnismässigkeit?

    Verstehe das einer...
  • Bester-Mann 27.02.2020 00:27
    Highlight Highlight Ich mag mich erinnern, als ein Schulkamerad, etwa in der 8. Klasse (also etwa 13/14 Jahre alt), für das Davonfahren bei einer Polizeikontrolle zu «Licht am Velo», ganze 4 Arbeitseinsätze bekommen hatte. Wo ist da das Verhältnis?! Einer, einmal ohne Licht am Velo unterwegs war, wird in etwa gleich hart bestraft, wie einer, der für den Tod einer 13-Jährigen verantwortlich ist...
  • Me, my shelf and I 26.02.2020 22:48
    Highlight Highlight Ich verstehe den Aufschrei, doch so ist unser Jugendstrafrecht nunmal. In den allermeisten Fällen ist's auch gut so.
  • Pinkerton 26.02.2020 22:19
    Highlight Highlight Es ist nur noch traurig. Es ist höchste Zeit, dass die Opfer besser geschützt werden.
    • Pinkerton 27.02.2020 09:42
      Highlight Highlight @The Emperor: Nach Deiner Logik müssten Tötungsdelikte sofort entkriminalisiert werden. Du merkst es selber, oder?
  • Töfflifahrer 26.02.2020 21:41
    Highlight Highlight Arbeitseinsatz von 7 Tagen. Kann mir jemand ernsthaft beantworten ob dies 13/14 jährige beeindruckt?
    Immerhin habe deren Taten ein Menschenleben gekostet.
    • für d' Füchs 27.02.2020 04:40
      Highlight Highlight Ich bezweife es. Aber weisst du, ich glaube, das Wissen, für den Suizid eines Menschen mitverantwortlich zu sein, wird den Jungen irgendwann einholen. Wenn da ein bisschen Menschlichkeit in ihm ist, und das hoffe ich jetzt einfach mal, dann wird ihn seine Tat noch lange lange verfolgen. Vielleicht ist er jetzt noch zu jung, unbeschwert, was weiss ich - aber ich bin mir sicher, der wird noch damit zu kämpfen haben. Und sei es erst, wenn er selbst mal eine Tochter in dem Alter hat. Oder wenn was ähnliches einer Freundin von ihm passiert usw. Trotzdem wäre natürlich eine höhere Strafe angemessen.
  • Ichweissmeinennamennichtmehr 26.02.2020 20:48
    Highlight Highlight Das Urteil ist ein Witz!
    • Me, my shelf and I 26.02.2020 22:53
      Highlight Highlight Nein, das Urteil entstammt einem fortschrittlichen Jugendstrafrecht.
  • Re Né 26.02.2020 20:14
    Highlight Highlight , sie soll die Beiden zu besseren Menschen machen.
    Wie die richtige Strafe aussehen könnte, ich habe LEIDER keine Ahnung, da bin ich in keinster Weise Fachmann.
    Traurig und bedenklich ist es allerdings, daß, wie in früheren Berichten geschildert, zumindest bei der „Täterin“ wohl Hopfen und Malz verloren sind. Für mich auch ein Versagen der für Sie Verantwortlichen.....
  • Re Né 26.02.2020 20:10
    Highlight Highlight Ich bin hier hin und her gerissen. Ein volljähriger Mensch, der dies angerichtet hätte, dürfte für mich allzeit in der Hölle schmoren. Aber volljährig waren Täter und Täterin (das sind beide in meinen Augen) bei Weitem nicht. Grips sollte es auch mit 13/14 Jahren schon geben, aber wie erwachsene Straftäter kann man sie halt nicht behandeln bzw. verurteilen.
    Eine empfindliche Strafe sollte es dennoch geben, eine die weh tut und auch daran erinnert, wofür die Strafe ist. Sie haben, zwar nicht direkt, einem Menschen aber das Leben genommen.
    Andererseits sollte die Strafe auch erziehend wirken, es
  • N. Y. P. 26.02.2020 19:44
    Highlight Highlight Die Eltern reagierten empört auf den Entscheid und verliessen den Saal noch während der Urteilseröffnung.

    Es ist kaum zu ertragen, was die Eltern durchmachen. Die Tochter durch Selbstmord verloren und der damals 14jährige Täter geht zur Strafe ein bisschen Laub aufnehmen im Park.

    Überarbeitet bitte sofort das Strafrecht.
    • Me, my shelf and I 26.02.2020 22:51
      Highlight Highlight Nein. Das Jugendstrafrecht ist gut so wie es ist. Dass eine repressivere Herangehensweise an Gewalt von Jugendlichen zum scheitern verurteilt ist, wird in den USA schon seit langer Zeit eindrücklich bewiesen.

      Auch wenn die Tat absolut schrecklich war, eine härtere Strafe würde den Täter zu keinem besseren Menschen machen.
  • Zimbo 26.02.2020 19:42
    Highlight Highlight Natürlich ist Gesetz Gesetz und das Gericht hat sich daran zu halten, aber was für ein Hohn ist dieses Urteil, für die Eltern und andere jugendliche Mobbingopfer, die ähnlich schlimmes erleben oder elebt haben. Traurig.

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