DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Etappensieg für Bundesanwalt Lauber: Gericht pfeift Aufsichtsbehörde zurück



epa07561100 Swiss Federal Attorney Michael Lauber speaks during a press conference at the Media Centre of the Federal Parliament in Bern, Switzerland, 10 May 2019. Federal Attorney Michael Lauber is criticised for informal meetings with FIFA head Gianni Infantino. The supervisory authority for the Federal Prosecutor's Office is opening a disciplinary investigation against Lauber.  EPA/PETER KLAUNZER

Bild: EPA/KEYSTONE

Die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) hätte die Disziplinaruntersuchung im Fall Lauber nicht an den emeritierten Professor Peter Hänni delegieren dürfen. Dafür fehlt eine gesetzliche Grundlage, wie das Bundesverwaltungsgericht entschieden hat.

Es gibt in den Organisations- und Verfahrensbestimmungen zur Disziplinaruntersuchung keine Rechtsgrundlage, die der AB-BA die Auslagerung dieser Aufgabe an Drittpersonen erlauben würde. Dies schreibt das Bundesverwaltungsgericht in einem am Freitag veröffentlichten Urteil.

Das Bundespersonalrecht gilt nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts nicht für den Bundesanwalt und dessen Stellvertreter. Der Gesetzgeber habe diesen bewusst einen eigenen personalrechtlichen Status gegeben. Insofern könnten die Bestimmungen des Bundespersonalrechts zu Disziplinarverfahren entgegen der Argumentation der AB-BA nicht herangezogen werden.

Die AB-BA führte im Verfahren aus, ihre Mitglieder könnten die Disziplinaruntersuchung gar nicht selbst ausführen, weil sie ihre Tätigkeit im Nebenamt ausführten. Zudem fehle es am Fachwissen und der Fähigkeit, eine solche Untersuchung selbst korrekt durchzuführen, fasst das Bundesverwaltungsgericht die Eingabe der AB-BA sinngemäss zusammen.

Nichtige Verfügung

Weil keine Grundlage für die Delegation der Disziplinaruntersuchung besteht, konnte die AB-BA den emeritierten Professor auch nicht mit der Befugnis ausstatten, Verfügungen zu erlassen. Dies ist jedoch geschehen. So entschied Hänni, dass die von Michael Lauber beauftragten Anwälte Lorenz Erni und Francesca Caputo wegen Interessenkonflikten nicht zugelassen werden.

Die Anwälte vertreten im Fifa-Komplex auch Sepp Blatter. Gegen diese Verfügung haben Lauber und die Anwälte Beschwerde eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht hat festgehalten, dass die Verfügung nichtig ist. Aus prozessökonomischen Gründen hat sich das Gericht inhaltlich mit der Zulässigkeit des Vertretungsverbots auseinandergesetzt.

Es ist zum Schluss gelangt, dass die von Hänni aufgeführten Gründe nicht ausreichten, um Erni und Caputo die Vertretung von Lauber zu verbieten. Das Anwaltsgesetz untersage die Übernahme eines Mandats, wenn ein Interessenkonflikt bestehe. Die Bestimmung schützt gemäss Bundesverwaltungsgericht jedoch den Rechtssuchenden.

Vorliegend müsse Lauber weder geschützt werden, noch liege in der Sache ein konkreter Interessenkonflikt vor, führt das Gericht weiter aus. Lauber sei «gerade nicht» Verfahrensleiter im Strafverfahren gegen Blatter. Zudem betreffe das Disziplinarverfahren die Treffen Laubers mit dem Fifa-Präsidenten Gianni Infantino, die «nicht ansatzweise» mit dem Strafverfahren gegen Blatter zu tun hätten.

«Zweck durchkreuzt»

Hänni hatte gemäss vorliegendem Urteil in seiner Verfügung ausgeführt, dass der Interessenkonflikt im konkreten Fall offenkundig sei. Ausserdem habe der Bundesanwalt mit seiner Anwalts-Wahl gegen den Code of Conduct der Bundesanwaltschaft verstossen.

Der Code verpflichte die Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft, in ihrem Privatleben Tätigkeiten oder Verhalten zu unterlassen, die zu einem Interessenkonflikt führen könnten. Verboten seien auch Handlungen, die der Unabhängigkeit, Integrität oder Würde der Mitarbeiter abträglich sein könnten oder das Ansehen ihrer Funktion beschädigten.

Das Disziplinarrecht hat nach der Auffassung von Hänni gerade den Zweck, das Ansehen der betroffenen Behörde zu wahren. Mit der Mandatierung von Erni und Caputo habe Lauber diesen Zweck konterkariert.

Mit dem am 9. Mai eröffneten Disziplinarverfahren sollen das Aussageverhalten von Lauber gegenüber der AB-BA sowie seine Handlungen innerhalb des Fifa-Verfahrenskomplexes disziplinarrechtlich geklärt werden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann ans Bundesgericht weitergezogen werden. (Urteil A-3612/2019 vom 29.07.2019) (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Zwei frühere Genfer IS-Anhänger stehen vor dem Bundesstrafgericht

Vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona müssen sich seit Mittwochmorgen zwei Genfer wegen Widerhandlungen gegen das IS-Gesetz verantworten. Ihnen wird unter anderem Unterstützung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen.

Die beiden heute fast 35 und 26 Jahre alten Angeklagten distanzierten sich bei der Befragung durch die vorsitzende Richterin der Strafkammer vom radikalen Islam und der Ideologie des IS. Der 26-Jährige war im Juni 2016 am Flughafen Zürich festgenommen worden. Auch …

Artikel lesen
Link zum Artikel