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Familienvater hat 9 Mädchen vergewaltigt – jetzt will er kastriert werden

Ein Familienvater hat sich an mehreren Kindern vergangen, die seine Frau beaufsichtigte. Als er einem Mädchen Geld für Sex bot, flog er auf. Vor Gericht zeigte er sich reuig. Dennoch muss er für acht Jahre ins Gefängnis.

Stefanie Suter / Aargauer Zeitung



Neun Mädchen hat der 43-jährige Thomas (Name geändert) während 17 Jahren missbraucht. Die Kinder wurden als Tageskinder von seiner damaligen Frau beaufsichtigt oder gehören der Verwandtschaft beziehungsweise dem Freundeskreis an.

Thomas berührte seine Opfer intim oder befriedigte sich an ihnen oral. Bei mindestens zwei Kindern kam es zu Analsex, bei einem damals neunjährigen Mädchen zu vaginalem Geschlechtsverkehr. Von einzelnen der Opfer, die zur Tatzeit zwischen drei und vierzehn Jahre alt waren, machte er Fotos vom Genitalbereich.

Gestern musste er sich vor dem Bezirksgericht in Lenzburg verantworten – wegen mehrfacher Schändung, mehrfacher, teilweise versuchter sexueller Handlung mit einem Kind sowie mehrfacher Pornografie. 

Aufgrund dieses Verfahrens entliess die Stadtverwaltung Thomas als Leiter der Jugendfeuerwehr Lenzburg. In dieser Funktion liess er sich nichts zu Schulden kommen.

Blonde Haare, kurze Frisur  

Aufrecht sass Thomas vor den fünf Richtern. Komplett in schwarz gekleidet, die blonden Haare kurz geschnitten. Die Taten gab er fast vollumfänglich zu. «Ich bereue es sehr», sagte er. Er verabscheue die pädophilen Gedanken. «Deshalb werde ich mich chemisch kastrieren lassen.»

So könne er das hohe Rückfallrisiko stark reduzieren. «Ich bin es den Opfern und der Öffentlichkeit schuldig.» Er bat die Opfer und die Familien um Entschuldigung. «Meine Schandtaten erfüllen mich mit Scham und grosser Trauer.» Der Vater von zwei Kindern sprach dabei klar und deutlich, seine Worte wählte er mit Bedacht.

Die Beteuerungen von Thomas und seine sorgfältig gewählten Worte liessen die Staatsanwältin kalt: «Wir dürfen uns nicht von den Aussagen des Beschuldigten täuschen lassen», sagte sie in ihrem Plädoyer. «Er ist voll schuldfähig. Die Taten fanden über einen längeren Zeitraum statt. Er entschied sich immer wieder von Neuem dazu.»

Die Folgen für die Kinder seien fatal und die Auswirkungen noch nicht absehbar. Zudem habe Thomas sich mehrmals geweigert, die Therapien zu besuchen. Die Staatsanwältin forderte neun Jahre Gefängnis unbedingt und eine stationäre therapeutische Massnahme in einer geschlossenen Einrichtung.

Die beiden Fürsprecher wiesen daraufhin, dass ihre Klientinnen erheblich traumatisiert seien und heute noch litten. So sei eines der Mädchen in der Schule gemobbt worden, weil sie nach dem Sportunterricht nicht duschen wollte. Die Lehre habe es vor kurzem abbrechen müssen.

Thomas habe auf perfide Art die Zuneigung der Mädchen ausgenutzt und sie unter grossen psychischen Druck gesetzt.

Beschuldigter gestand freiwillig

Der Verteidiger machte darauf aufmerksam, dass Thomas freiwillig gestanden und detailliert Auskunft gegeben habe. Geschnappt wurde er, als eine Mutter entdeckte, wie Thomas ihrer Tochter via E-Mail Geld für sexuelle Handlungen anbot.

Als ihn daraufhin die Polizei verhörte, erzählte er von den anderen Fällen, bei denen es zu Übergriffen kam. Der Verteidiger forderte deshalb drei Jahre Freiheitsstrafe unbedingt. Die therapeutische Massnahme sei ambulant und in einer offenen Strafanstalt zu vollziehen.

Zudem sei Thomas vom Vorwurf der Schändung freizusprechen, die zwei Fälle betraf. Er argumentierte, dass dieser Tatbestand nicht zutreffe, da die Mädchen weder geistig noch körperlich beeinträchtigt seien.

Das Gericht beurteilte die Sachverhalte strenger als die Staatsanwältin. So wurde Thomas in fast allen Fällen zusätzlich der Schändung und ein Mal zudem der Vergewaltigung schuldig gesprochen.

Dafür kassiert er acht Jahre Freiheitsstrafe, vollzogen zumindest für die nächsten fünf Jahre als stationäre Massnahme. Fast allen Opfern muss er Genugtuung zwischen 500 und 20 000 Franken zahlen.

Staatsanwältin Barbara Loppacher zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Silas89 21.11.2015 05:08
    Highlight Highlight Ich finde es Schade, dass in den Kommentaren fast ausschliesslich um den Täter geht. Ich denke, dass es am wichtigsten ist, dass man sich gut um die Opfer kümmert, sicher stellt, dass er es nicht mehr tut und versucht Massnahmen zu ergreifen, damit solche Geschichten weniger werden.

    In den 17 Jahren ist sicher irgendwem etwas aufgefallen, was nicht genügend ernst genommen wurde. Dem sollte man nachgehen. Wieso wurde weggesehen? Was muss man machen, damit nicht mehr weggesehen wird?

    Wir brauchen mehr Liebe und weniger Angst und Wut.
  • Ruefe 20.11.2015 10:06
    Highlight Highlight "Zudem sei Thomas vom Vorwurf der Schändung freizusprechen, die zwei Fälle betraf. Er argumentierte, dass dieser Tatbestand nicht zutreffe, da die Mädchen weder geistig noch körperlich beeinträchtigt seien."

    Was ist dass denn bitte für eine Argumentation??
    Die Kinder sind trotzdem nicht urteilsfähig in dem Alter und müssen entsprechend geschützt werden vor Pädophilen. Wenn diese Taten nicht als Kinderschändung durch gehen was dann?
  • Chili5000 19.11.2015 23:30
    Highlight Highlight Ich kann unseren Rechtstaat nicht verstehen. Diese art von Verbrechen gehört viel härter bestraft. Hätte er nun 16 Jahre bekommen wäre selbst das zu wenig...
  • saaam 19.11.2015 20:07
    Highlight Highlight Nur 8 Jahre? Für all diese Gräueltaten? Das ist doch ein ganz schlechter Scherz..
    • maxy 20.11.2015 12:38
      Highlight Highlight Leider wird eine härtere Strafe kaum irgend jemandem etwas nützen. Ich glaube zumindest nicht dass ein Pädophiler vor so einer Tat zuerst recherchiert ob die Strafe 8 oder 12 Jahre ist und sich dann entscheidet.
    • saaam 20.11.2015 12:52
      Highlight Highlight Es geht mir auch nicht darum, dass das Strafmass präventiv wirken soll. Es geht mir darum, dass er diese Taten begangen hat und dafür in einem Ausmass bestraft werden soll, welches die Leiden der betroffenen Kinder zumindest im Ansatz widerspiegelt.
  • Miicha 19.11.2015 18:55
    Highlight Highlight Bei so Fällen frage ich mich immer, wie man so jemanden als Anwalt verteidigen kann.
    • jane * 19.11.2015 20:30
      Highlight Highlight Naja, irgendjemand muss es tun... bei einer solchen Strafandrohung und da auch eine Massnahme gefordert wurde, ist eine Verteitigung gesetzlich vorgeschrieben und deshalb notwendig.
    • Frausowieso 19.11.2015 23:42
      Highlight Highlight Auch ein Straftäter hat ein Recht auf einen fairen Prozess, bei dem unsere Gesetze korrekt angewendet werden. Das ist in einem Rechtsstaat sehr wichtig. Denk nur mal daran, dass immer wieder Unschuldige vor Gericht stehen. Sei froh, lebst Du in einem Land, wo jeder einen Anwalt bekommt. In anderen Ländern wird man einfach verurteilt (auch in Abwesenheit ) und teilweise gleich anschliessend umgebracht z.B. durch Steinigung. Und egal was ein Mensch getan hat, man muss seine Würde wahren.
    • Daria Wild 20.11.2015 02:43
      Highlight Highlight Hoi Miicha. Das habe ich mich beim Fall es "Heiler von Bern" damals auch gefragt (also abgesehen von den rechtsstaatlichen Prinzipien) – und deshalb ein Interview mit dessen Anwalt geführt. Vielleicht interessiert es dich ja: http://www.watson.ch/Schweiz/Interview/332017422-%C2%ABIch-urteile-nicht--Wenn-ein-Klient-sagt--er-sei-unschuldig--dann-fahre-ich-diese-Strategie%C2%BB
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