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Fall Boppelsen: Täter hatten bei Mord Kinder mit dabei



Bezirksgericht Bülach. © Hochbauamt Kanton Zürich, Mark Röthlisberger

Am Bezirksgericht Bülach hat am Montag die Hauptverhandlung im Prozess um zwei Mordtaten im Frühling 2016 und eine Reihe weiterer Delikte begonnen. Befragt wurden der mutmassliche Haupttäter und einer der beiden Mitbeschuldigten. Beide wirkten wenig glaubhaft. Die dritte Beschuldigte wird am Dienstag befragt.

Der 29-jährige Hauptbeschuldigte, ein Transportunternehmer aus dem Kanton Bern, stand zur Tatzeit mit seiner Firma vor dem Konkurs. Er verneinte entschieden, die Tötungen geplant zu haben, um an Geld zu kommen. Er habe die beiden Männer auf Geheiss der «Serbenmafia» getötet, bei der er hoch verschuldet gewesen sei. Man habe ihn und seine Familie schwer bedroht.

Der Beschuldigte schilderte in seiner rund fünf Stunden dauernden Befragung detailreich Nebensächliches, machte bei Wichtigem aber immer wieder Erinnerungslücken geltend. In seinen Voten widersprach er wiederholt eigenen Aussagen sowie Angaben der beiden Mitbeschuldigten im Vorverfahren.

Der 36-jährige zweite Beschuldigte, ein Garagist aus dem Kanton Solothurn, will von nichts gewusst und nichts hinterfragt haben. Er habe stets auf Geheiss des 29-Jährigen gehandelt. Für sein Mitwirken habe er sich keinen Vorteil versprochen - er habe seinem Freund bloss «einen Gefallen tun» wollen.

Seine Befragung geht am Dienstag weiter. Zum Schweizer Trio gehörte auch die 29-jährige Ehefrau des Hauptbeschuldigten, die anschliessend befragt wird. Ihr und dem 36-Jährigen wird nur die Mitwirkung beim zweiten Mord angelastet, nicht aber beim ersten.

Den Beschuldigten werden Mord, Raub, Betrug, Erpressung, Freiheitsberaubung, Entführung, Urkundenfälschung und andere Delikte vorgeworfen. Anklage und Verteidigung geben ihre Anträge im Laufe der Verhandlung bekannt.

«Serbenmafia steckt dahinter»

Das erste Opfer war im April 2016 ein 25-jähriger serbischer Bekannter des mutmasslichen Haupttäters und seines Kollegen. Der 29-Jährige forderte von ihm Informationen über den Verbleib einer grösseren Summe Geld sowie Drogen, die er ihm angeblich schuldete. Trotz Drohungen schwieg er jedoch.

Nachdem der Hauptbeschuldigte den gefesselten Serben die ganze Nacht lang in seinem Haus in einem kleinen Berner Dorf festgehalten hatte, tötete er ihn. Die «Serbenmafia» sei gekommen und habe dies befohlen.

Die Leiche vergrub er auf seinem Grundstück. Im Auftrag seines Freundes hatte der 36-Jährige im Laufe der Nacht den BMW des Serben an sich gebracht, der gewinnbringend weiterverkauft werden sollte. Dann fuhr er nach Hause.

Das zweite Opfer war wenige Woche später ein 36-jähriger Lastwagenbesitzer aus dem Kanton Zürich, der sein Fahrzeug im Internet für 60'000 Franken zum Verkauf ausgeschrieben hatte. Auf dieses hatte es laut Staatsanwaltschaft die Beschuldigten abgesehen. Sie wollten es verkaufen. Auch hier stecke die «Serbenmafia» dahinter, beteuerte der 29-Jährige.

Kinder mit dabei

Die beiden beschuldigten Männer gaben sich als Kaufinteressenten aus. Auf einer Probefahrt am 3. Juni 2016 überwältigten sie den Lastwagenbesitzer. Die Frau des 29-Jährigen war mit von der Partie. Sie blieb aber im Hintergrund mit ihrem Auto, in dem laut dem Hauptbeschuldigten die beiden gemeinsamen kleinen Kinder sassen.

Nachdem der Lastwagenbesitzer beim Ehepaar zuhause zur Unterzeichnung eines Kaufvertrags gezwungen worden war, wurde er getötet. Seine Leiche wurde in den Kanton Zürich zurück gefahren und in einem Waldstück zwischen Boppelsen und Regensberg abgelegt.

Bevor er sie tötete, traktierte der 29-Jährige beide Opfer mit Faustschlägen. Dann klebte er ihnen die Atemwege zu und wartete, bis sie qualvoll erstickt waren.

Die auf vier Tage angelegte Hauptverhandlung wird am Dienstag und dann am kommenden und am darauf folgenden Montag fortgesetzt. Ob das Urteil wie vorgesehen am 23. September eröffnet werden kann, ist nicht klar. (sda)

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