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Mit 78 Jahren auf Diebestour – der tragische Fall des slowakischen Einbrecher-Opas

Ein 78-jähriger Slowake war in Wettingen bei einem Einbruch auf frischer Tat ertappt worden. Er ist ein Wiederholungstäter und muss nun ins Gefängnis.

Rosmarie Mehlin / az Aargauer Zeitung



Knapp eine Woche nachdem das Schweizer Volk eine Erhöhung der AHV abgelehnt hat, sass vor Gericht in Baden Jano (Name geändert), der seine Rente mit Diebstählen aufbessert. Es sind 200 Euro pro Monat, die der 78-Jährige daheim in der Slowakei vom Staat bekommt. Grauer Haarkranz, zerfurchtes Gesicht, grauer Schnauz, leicht gebückte Haltung: Man sieht Jano sein Alter an, umso mehr, als es mit seiner Gesundheit nicht zum Besten steht.

Am 26. Juli, mittags gegen 12 Uhr, hatte Herr S. in der Küche seines Hauses in Wettingen einen wildfremden Mann angetroffen. Es gelang ihm, diesen zu überwältigen und bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Es war Jano, der durch die unverschlossene Tür ins Haus marschiert war.

In Rheinfelden bereits verurteilt

Nach der Festnahme sass der alte Mann zuerst in U-Haft, inzwischen ist er im vorzeitigen Strafvollzug. Denn ums Gefängnis kommt Jano nicht herum, war er doch bereits am 15. Juli von der Staatsanwaltschaft Rheinfelden wegen Einschleichdiebstählen zu sechs Monaten unbedingt verurteilt worden. Der Strafbefehl wurde an Janos Adresse in der Slowakei geschickt. Dieser hatte ihn aber noch nicht erreicht, war er damals doch nach Abschluss der Untersuchungen zunächst nach Frankreich gefahren.

Von dort wollte Jano mit seinem Auto dann via Deutschland nach Hause fahren – mit «unbeabsichtigtem» Abstecher nach Wettingen. «Ich wollte Deutschland ja gar nicht verlassen. Ich hatte überhaupt nicht gemerkt, dass ich über die Grenze gefahren und in der Schweiz war», versicherte Jano dem Einzelrichter Bruno Meyer. Im Mai dieses Jahres aber war Jano von der Schweiz mit einer zweijährigen Einreisesperre belegt worden.

«Ich möchte mich entschuldigen, ich wollte nichts Unrechtes tun.»

Wegen versuchten Diebstahls, Hausfriedensbruchs und der rechtswidrigen Einreise sollte Jano laut Staatsanwalt diesmal mit 12 Monaten Gefängnis bestraft werden. Seine amtliche Verteidigerin sprach Klartext. Ihr Mandant sei kein unbeschriebenes Blatt und unbelehrbar. «Er ist ein Kleinkrimineller, seit Jahren spezialisiert auf Einschleichdiebstähle. Nicht zuletzt weil er auf Medikamente angewiesen ist, geht er – um die bescheidene Rente aufzubessern – immer wieder aufs Neue den Weg des geringsten Widerstandes.»

Richter spricht von tragischem Fall

Da Jano die Einreise in unser Land fahrlässig begangen, sich keinen gewaltsamen Zutritt in das Haus in Wettingen verschafft und eigentlich gar nicht gewusst habe, was er dort überhaupt wollte, sei eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten angemessen.

Mit seinem Schlusswort wandte Jano sich an Hausbesitzer S., welcher der Verhandlung als Zuschauer beiwohnte: «Ich möchte mich entschuldigen, ich wollte nichts Unrechtes tun.»

Bruno Meyer sprach Jano gemäss dem Strafbefehl schuldig, reduzierte die Strafe aber auf 8 Monate. Dazu gesellen sich allerdings die sechs Monate aus Rheinfelden. Mit den Worten: «Ihr Fall ist tragisch und ich kann Ihnen auch kein Rezept geben, wie sie ihre Rente auf legalem Weg aufbessern können», liess der Richter den 78-jährigen von einem Polizeibeamten zurück in die JVA Lenzburg führen. (aargauerzeitung.ch)

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