Schweiz
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epa07561031 Swiss Federal Attorney Michael Lauber attends a press conference at the Media Centre of the Federal Parliament in Bern, Switzerland, 10 May 2019. Federal Attorney Michael Lauber is criticised for informal meetings with FIFA head Gianni Infantino. The supervisory authority for the Federal Prosecutor's Office is opening a disciplinary investigation against Lauber.  EPA/PETER KLAUNZER

Bundesanwalt Michael Lauber während der Medienkonferenz im Medienzentrum des Bundeshauses. Bild: EPA/KEYSTONE

Kommentar

Im wichtigsten Punkt bleibt Lauber unglaubwürdig

jürg ackermann / bz

Die Aufsichtsbehörde hat gegen Bundesanwalt Michael Lauber ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Dieses könnte seine Wiederwahl gefährden.



Bundesanwalt Michael Lauber steckt in der Klemme. Nachdem bekannt worden war, dass die Aufsichtsbehörde ein Disziplinarverfahren gegen ihn einleitet, hätte die Pressekonferenz des Bundesanwalts zum Befreiungsschlag werden können. Doch sie wurde es nicht. Oder höchstens teilweise.

Laubers Auftritt zeigte zwar, mit wie viel Engagement und Leidenschaft er seinen Job macht, mit wie viel Kampfgeist und Herzblut er die Institution Bundesanwaltschaft schützen will – vor aus seiner Sicht ungerechtfertigten Angriffen. Doch die wichtigste Frage bleibt weiter unbeantwortet.

Wie kann es sein, dass sich Lauber in einem derart zentralen Dossier wie dem Fifa-Fall an ein Treffen mit einem der wichtigsten Player wie Gianni Infantino, Präsident des Weltfussballverbands, nicht erinnern kann? Nachdem Lauber vor einem halben Jahr öffentlich erklärt hatte, es habe nur zwei Treffen mit Infantino gegeben, gab es wohl kein Zurück mehr. Die Vermutung liegt nahe, dass die «Erinnerungslücke» eine allzu billige und durchsichtige Verteidigungsstrategie ist.

Dass sämtliche Beteiligte dieses ominöse dritte Treffen abstritten, bis Gegenbeweise auf dem Tisch lagen, spricht für sich. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, man muss auch keinen bösen Willen haben, um zu fragen, wie das sein kann. Ein solches kollektives Vergessen mag in der Theorie möglich sein, glaubwürdig ist es nicht.

Selbst verschuldet in einer Sackgasse

Lauber macht es sich nun sehr einfach, wenn er die Kritik als «absurd» und «heraufbeschworene institutionelle Krise» beschreibt. Es geht um viel mehr. Lauber hat sich im Fifa-Dossier selbst verschuldet in eine Sackgasse manövriert.

Dass die ehemaligen hochrangigen Fussball-Funktionäre Sepp Blatter und Theo Zwanziger, gegen die die Bundesanwaltschaft ermittelt, nun Ausstandsbegehren einreichen, mag sich letztlich als juristisches Geplänkel herausstellen. Dass allein schon der Vorwurf weiter im Raum steht, Lauber könnte in seinem prestigeträchtigsten Fall befangen sein, wiegt jedoch schwer.

Es liegt nun am Parlament, das demnächst über die Wiederwahl entscheidet, zu beurteilen, was es höher gewichtet: Laubers durchaus ansehnliche Bilanz in seinen sieben Jahren als Bundesanwalt oder seine kaum nachvollziehbaren Manöver im Fifa-Fall. Die Antwort dürfte vielen nicht einfach fallen.

Fifa soll unter politische Aufsicht gestellt werden

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Video: srf

Alle FIFA-Weltfussballer seit 1991

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    Alle Leser-Kommentare
  • Blitzesammler 11.05.2019 10:48
    Highlight Highlight Meistens ist es schlussendlich unwichtig welche Bilanzen jemand vorweisen kann oder wie ,,stark,, diese Person zu scheinen scheint. Leider gibt es zu viele Beispiele dazu was Macht und Geld aus jemandem machen können. Die Koruption ist in der Schweiz schon lange angekommen und kann und darf nur durch ein Versprechen wie ,,ich bin ehrlich,, nicht einfach aus der Welt geschafft werden. Die Verantwortung wächst mit der Macht. Daher muss es eine Transparente Untersuchung geben auch wenn ich daran zweifle, dass schlussendlich etwas unternommen wird. Egal ob schuldig oder nicht. Politik, halt!
  • Buff Rogene 11.05.2019 05:23
    Highlight Highlight Dazu passt ein nicht gerade schmeichelhaftes Bild, das in einem Bericht in der Nzz über Marty gezeichnet wird.

    https://nzzas.nzz.ch/hintergrund/andre-marty-pressesprecher-der-nicht-mehr-sprechen-will-ld.1479456
  • ETH1995 10.05.2019 23:51
    Highlight Highlight Wisst ihr was? Ich glaube Lauber! Keine Ahnung, weshalb! Er dünkt mich einfach integer! Für ihn ist ein Treffen mit Gianni nicht in der gleichen Grössenordnung wie für die meisten von uns. Zudem ist sein Terminkalender wohl deutlich gefüllter als unserer.
    Dass er wiederholt an die Presse geht, um klarzustellen, dass er nichts verheimlicht und nicht lügt, zeigt eins von folgendem:
    1. Er sagt die Wahrheit, und denkt, dass die Wahrheit in der CH etwas zählt
    2. Er ist vollkommen übergeschnappt und riskiert seinen guten Ruf noch viel mehr mit offener Lüge.

    Ich weiss nicht, für mich ist es Nr.1
    • Buff Rogene 11.05.2019 09:21
      Highlight Highlight Ok, ETH1995 -

      BA Lauber, Infantino-Spezi OStA Arnold und Informationschef Marty können sich allesamt erst dann an ein Treffen erinnern, als man durch Nachforschen herausfindet, dass und wo es stattgefunden hat. Nämlich im Schweizerhof, welcher schon seit Jahren in Besitz von Katar ist, in dem der Botschafter von Katar hausiert, dem Katar, in dem die nächste WM stattfindet.

      Im Nachgang zu diesem Treffen, das von Arnold eingefädelt wurde, sind von Infantino zu Arnold Gefälligkeiten im Wert von 20'000 Fr. geflossen.

      Und niemand erninnert sich an nichts.

      Ein Schuft, wer Böses dabei denkt.


    • ETH1995 11.05.2019 10:03
      Highlight Highlight Nein, kein schuft, wer böses denkt. Ich glaube schlicht nicht, dass Lauber befangen oder gar käuflich ist. Ich weiss, dass ich mit meiner Meinung alleine da stehe. Vielleicht bin ich ja einfach naiv.
    • Phrosch 11.05.2019 16:12
      Highlight Highlight ETH1985, dann hat er trotzdem ein Problem: sich überhaupt nicht an ein Treffen mit einer so entscheidenden Person wie Infantino erinnern zu können, kann er sich dann auch nicht leisten. Hätte er etwas in der Art von „Ja da war was, aber ich weiss nicht mehr genau“ gesagt, wäre das glaubwürdiger. Aber gar keine Erinnerung? Ich bitte Sie!
  • RatioRegat 10.05.2019 23:08
    Highlight Highlight Lauber muss weg.

    Dass er an seinem Posten festhält, zeugt davon, dass er ein Narzist ist, der diesem Amt nicht gerecht wird. Ihm ist seine eigene Person wichtiger als die ohnehin angeschlagene Glaubwürdigkeit der Bundesanwaltschaft.

    Er sollte seinen eigenen Wert nicht überschätzen und erkennen, dass auch wenn er noch so gut wäre, er der Bundesanwaltschaft mehr Schaden zufügt als wenn seinen Platz zugunsten einer integren Person räumen würde - selbst wenn diese Person seiner Einschätzung nach nicht so gut wäre wie er selbst.
  • Hierundjetzt 10.05.2019 22:59
    Highlight Highlight Lauber hat sich ins off „geschossen“ wäre sein Walliser Staatsanwalts-Freund nur nicht so gierig gewesen. Alles wäre seinen geplanten Gang gegangen.

    Selbstverständlich wird irgendeinmal die AB-BA die gewählten Telefonnummern und weitere Metdadaten von Laubers Geschäftshandy bei der Swisscom einholen. Diskret oder offiziell.

    Das mit der Erinnerungslücke wird ihm nicht mehr helfen.

    Es geht nur noch darum das er gewählt würde, damit sich alles in Luft auflösen wird.

    Wird es aber nicht.

    Wir sind Schweizer und mögen tricksereien auf dieser Stufe gar nicht
  • N. Y. P. 10.05.2019 22:52
    Highlight Highlight Es geht doch im Prinzip schon lange nicht mehr darum, ob er unschuldig ist oder nicht.

    Das Vertrauen in Bundesanwalt Lauber ist weg. Jetzt, nach dieser Pressekonferenz sowieso. Er ist unfähig, die Situation einzuschätzen, in der er sich befindet. Von Selbstreflexion keine Spur. Nichts.
  • NocheineMeinung 10.05.2019 22:50
    Highlight Highlight Wahrheit nach dem Verständnis des Juristen Lauber:
    Er sagt etwas; und so lange niemand das Gegenteil beweist, gilt seine Aussage als wahr. Jedes Gericht muss dies anerkennen. Und da nun niemand beweisen kann, dass er sich doch erinnern kann, also gilt eben die Unschuldsvermutung.

    Dumm nur, dass viele keine Juristen sind, sondern in dem Fall auf ihr Bauchgefühl hören, das sagt, was man glauben kann und was nicht (wissen tut man es ja nicht).

    Ich hoffe die Politiker werden bei der Wahl politisch und nicht juristisch entscheiden!
    • RatioRegat 10.05.2019 23:12
      Highlight Highlight Und: Es geht hier nicht um ein Strafverfahren, sondern um das Amt des höchsten Strafverfolgers. Dessen Integrität muss über alle Zweifel erhaben sein. Und das ist sie zweifellos nicht.
  • Randalf 10.05.2019 22:43
    Highlight Highlight
    K.O. - Tropfen oder was???

    Ich war auch schon sehr besoffen, aber so noch nie.

    Am Schluss wird er fein aus der Angelegenheit raus sein, sowie seine Kollegen auch, es gibt keine Ermittlung mehr (Verjährung) und alle sind glücklich und reicher.

    Das ist Weltfussball. He makes a butter world.🕺

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