Schweiz
Konzernverantwortungsinitiative

Mit Interview Werbung gemacht: TX Group klagt gegen KVI

Un drapeau en faveur de l'initiative multinationales responsables (Konzern-verantwortungs initiative) est visible sur un balcon d'une habitation le mardi 13 octobre 2020 a Lausanne. Le 29 no ...
Die Konzernverantwortungsinitiative wurde am 29. November 2020 abgelehnt.Bild: KEYSTONE

Mit Interview Werbung gemacht: TX Group klagt gegen Konzernverantwortungs-initiative

Die Waadtländer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Verantwortliche des Initiativkomitees wegen eines angeblich missbräuchlich verwendeten Interviews von Dick Marty in «Le Matin Dimanche».
04.06.2022, 09:5505.06.2022, 20:23
Christian Mensch / ch media
Mehr «Schweiz»

Es ist eine Herzensangelegenheit für Dick Marty. Der Tessiner Alt-Ständerat (FDP) ist Co-Präsident des Komitees der Konzernverantwortungsinitiative und deren Aushängeschild. Sein Wort hat Gewicht und grossen Interviews, die «Le Matin» (TX Group) und die «Schweizer Illustrierten» (Ringier) im Vorfeld der Volksabstimmung mit ihm führten, konnte er seinen Standpunkt auf den Punkt bringen.

Das Komitee war von den Publikationen derart angetan, dass sie die Beiträge im Originallayout als Flyer nachdrucken und mit seinen Koordinaten als neues Impressum zehntausendfach verteilen liess.

Darüber waren die herausgebenden Medienkonzerne «not amused». In einer gemeinsamen Medienmitteilung vom 11. November 2020 verurteilten TX Group und Ringier «die missbräuchliche und irreführende Verwendung ihrer Inhalte und Marken durch das Komitee der Konzernverantwortungsinitiative». Rechtliche Schritte würden geprüft, schrieben die Mediengruppen. Nun zeigt sich: Die TX Group hat Strafanzeige gestellt.

«Missbräuchlich» oder «aus der Luft gegriffen»

TX Group bestätigt, dass «aufgrund der nicht autorisierten Verwendung» des Interviews Anzeige gegen Unbekannt eingereicht worden sei. Auch das Komitee bestätigt die Anzeige. Geschäftsleiterin Rahel Ruch erklärt, TX Group werfe ein Verstoss gegen das Urheber- und das Markenrecht vor. Aus ihrer Sicht seien die Vorwürfe jedoch «aus der Luft gegriffen».

Das Komitee ist sich zwar keiner Schuld bewusst, habe sich aber dennoch «öffentlich und schriftlich» bei der TX Group entschuldigt, sagt Ruch. Es sei deshalb «etwas irritierend, dass TX Group nie das Gespräch mit uns gesucht hat und nur noch per Anwalt kommuniziert». Die TX Group entgegnet, «bis heute wurden wir im Hinblick auf eine gütliche Einigung nicht kontaktiert». Da das Strafverfahren laufe, wolle man sich aber nicht weiter zu diesem Fall äussern.

Ringier hatte es beim öffentlich bekundeten Missbrauchsvorwurf belassen. Rechtliche Schritte wurden nicht eingereicht, sagt Sprecherin Johanna Walser, auch sei keine Vereinbarung mit den Initianten getroffen worden. Der Ringier-Konzern hat allerdings auch nicht die gleiche Vorgeschichte wie die TX Group.

Die Vorgeschichte mit dem «Faktencheck»

Anfang 2020 sind sich die Befürworter der Konzernverantwortungsinitiative und die TX Group schon einmal ins Gehege gekommen. Dies, nachdem die TX Group mit dem Gegnerkomitee einen Werbedeal mit «Contextual Targeting» eingegangen war. Dieser beinhaltete, dass zu jedem online gestellten, redaktionellen Beitrag der TX-Zeitungen ein «Faktencheck» aufploppte. In dieser Werbeschaltung legten die Initiativgegner jeweils ihre Argumente dar, ohne sich jedoch als Urheber der als neutral daherkommenden Botschaften erkenntlich zu zeigen.

Die «Republik» machte die Praxis nicht nur öffentlich, der Journalist des Beitrags reichte auch gleich eine Beschwerde beim Presserat ein. Die TX Group argumentierte in ihrer Stellungnahme, der Presserat sei für eine solche Klage gar nicht zuständig und zudem sei der «Faktencheck» als Werbung erkennbar.

Presserat kritisiert die TX Group

Der Presserat hiess die Beschwerde jedoch gut, da die Werbung nicht eindeutig als solche zu erkennen gewesen sei, auch wenn die Bannerwerbung nachträglich als Anzeige überschrieben worden ist. Ins Stammbuch des TX-Konzerns schrieb der Presserat zudem: «Demokratiepolitisch besonders bedenklich ist dieses Verwischen von Grenzen zwischen redaktionellen Inhalten und politischer Werbung.» Die mangelnde Transparenz schade nicht nur der Glaubwürdigkeit des Mediums, sondern auch der demokratischen Willensbildung.

Dass nun ausgerechnet mit einem TX-Interview Werbung für die Konzernverantwortungsinitiative gemacht worden ist, muss bei den TX-Verantwortlichen besonders sauer aufgestossen sein. Doch wie sagte doch Dick Marty im Interview gegenüber «Le Matin» zu den eigenen Marketingmethoden: «Sie sind einfallsreich und werden von einem Team junger Leute vorgeschlagen, die grossartig sind.» (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
«Basler Zeitung» geht an Tamedia
1 / 8
«Basler Zeitung» geht an Tamedia
Christoph Blocher (links) und Pietro Supino, Verwaltungsratspräsident der Tamedia AG (rechts) sprechen an einer Medienkonferenz zur Übernahme der «Basler Zeitung» durch die Tamedia in Basel am Mittwoch, 18. April 2018. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
quelle: keystone / georgios kefalas
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Ein globales Thema in den Händen weniger Branchenriesen
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
7 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
James McNew
04.06.2022 10:58registriert Februar 2014
Mein Gott, was hat dieser Millionenkonzern bloss für Probleme…
3217
Melden
Zum Kommentar
7
Das Studium an der Uni Zürich ist geschafft – diese 9 Dinge werde ich nicht vermissen
Sechseinhalb Jahre bin ich an der Universität Zürich ein und aus gegangen. Jetzt ist alles vorbei, das Masterzeugnis da, der Uni-Abschluss amtlich. Vieles vom Studentenleben bleibt mir sehr positiv in Erinnerung. Die folgenden 9 Dinge aber definitiv nicht.

Tatsächlich, es ist geschafft. Mit 26 Jahren habe ich entschieden, auf zweitem Bildungsweg an der Universität Zürich ein Studium in Angriff zu nehmen. Sechseinhalb Jahre später habe ich meinen Master in Politikwissenschaften und Germanistik in der Tasche.

Zur Story