Schweiz
Krankenkasse

Alain Berset erklärt, wieso die Prämien steigen und wer daran Schuld hat

Bundesrat Alain Berset spricht waehrend einer Medienkonferenz des Bundesrates zur aktuellen Situation im Zusammenhang mit dem Coronavirus, am Mittwoch, 12. Januar 2022, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunz ...
Sorgt bei manchen für Kopfzerbrechen: der Anstieg der Krankenkassenprämien.Bild: keystone

Berset äussert sich zur Kostenexplosion bei den Krankenkassen – die 7 wichtigsten Aussagen

Die Krankenkassenprämien steigen wohl auch nächstes Jahr – und das nicht zu kurz. Noch-Gesundheitsminister Alain Berset nimmt nun Stellung dazu.
08.09.2023, 09:5908.09.2023, 15:27
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Ende Monat gibt es Gewissheit: Dann wird nämlich Gesundheitsminister Alain Berset bekannt geben, um wie viel die Krankenkassenprämien ansteigen werden. Im Gespräch mit den Zeitungen von Tamedia erklärt Berset, weshalb die Prämien steigen, und weist die Schuld daran von sich.

Wie stark steigen die Prämien?

Ende Monat gibt der Gesundheitsminister die neuen Krankenkassenprämien für das Jahr 2024 bekannt. Noch will Berset keine konkreten Zahlen nennen, aber:

«Die Kosten sind höher als erwartet. Alle merken, es sieht nicht gut aus.»

Wieso ist der Anstieg heftiger als erwartet?

Die Kosten seien im letzten und diesem Jahr stärker gestiegen als erwartet. Daher habe es nach einer Nachkorrektur verlangt.

2022 sei ausserdem auch für die Anlagemärkte ein katastrophales Jahr gewesen, die Krankenversicherer hätten 1,8 Milliarden Franken auf den Märkten verloren. Berset bilanziert:

«Es geht also überall in die falsche Richtung.»

Wieso hat Berset nichts dagegen getan?

Die Schuld weist Berset von sich. Es sei durchaus gelungen, in seinen zwölf Jahren als Gesundheitsminister das Kostenwachstum zu dämpfen. Der Durchschnitt der Prämienerhöhungen sei geringer als in den zwölf Jahren zuvor. Er meint:

«Der Bundesrat hat alles gemacht, was er im Rahmen seiner Kompetenzen kann.»

Wie geht man gegen die Kostenexplosion vor?

Jetzt sei es wichtig, dass die Belastung durch die steigenden Prämien nun gelindert werden könne. Berset sieht dabei vor allem zwei Ansätze: die effektive Kostenbekämpfung und Prämienverbilligungen.

Doch bei beiden sieht Berset nicht sich oder sein BAG in der Verantwortung. Sondern das Parlament und die Kantone.

«Die Gesundheitsversorgung ist in der Hoheit der Kantone, und die Einflussmöglichkeiten des Bundesrats haben ihre Grenzen.»

Was sagt Berset zum Tabubruch von Rickli?

Die Zürcher Gesundheitsministerin, Natalie Rickli (SVP), schlug kürzlich vor, die obligatorische Krankenkasse abzuschaffen und löste damit heftige Reaktionen aus. Ob Berset erschrocken sei, wollten die Interviewenden wissen. Nein, man erschrecke nicht mehr so schnell. Berset macht aber klar, dass er von der Idee nichts hält:

«Würden wir sie abschaffen, hätten wir eine Zweiklassenmedizin. Wollen wir das wirklich in der Schweiz?»

Muss nicht einfach mal jemand durchgreifen?

Braucht es einfach jemanden, der stärker durchgreift? Liegt es an der Person? Berset verneint, wichtig seien vor allem mehr Transparenz und mehr Effizienz. Aber:

«Ich glaube nicht an eine Revolution. Man muss in einer direkten Demokratie realistisch sein.»

Welche Ratschläge hat Berset für seinen Nachfolger?

Berset will keine Ratschläge erteilen. Man brauche viel Energie, Ausdauer und Mut. Das sei nicht immer angenehm, dafür «sehr, sehr spannend».

«Wer sich eine schöne Zeit wünscht, sollte nicht das Departement des Innern leiten.»

(jaw)

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382 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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sheshe
08.09.2023 10:11registriert November 2015
"Die Krankenversicherer hätten 1,8 Milliarden Franken auf den Märkten verloren"

Sorry, aber das ist Unternehmerisches Risiko und dafür möchte ich nicht aufkommen müssen!
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Katerchen
08.09.2023 10:15registriert März 2023
Weil die Krankenkassen sich an der Börse verzockt haben, müssen wir nun höhere KK Prämien zahlen???
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Nickname kann nicht mehr geändert werden
08.09.2023 10:15registriert Juni 2023
"die Krankenversicherer hätten 1,8 Milliarden Franken auf den Märkten verloren"

Also verzocken die Krankenkassen die von uns bezahlten Prämien. Klar werden sie alle aktiv gegen eine Einheitskasse sein, sonst fehlt ihnen noch das Spielgeld.
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382
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