Schweiz
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Der Schweizer Künstler Gottfried Honegger ist mit 98 Jahren gestorben



Der Schweizer Bildhauer und Maler Gottfried Honegger ist tot. Er starb am Sonntag Nachmittag in seinem Zuhause in Zürich. Seine Pflegerin bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur sda eine entsprechende Meldung des «Tages-Anzeigers». Honegger wurde 98 Jahre alt.

Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch hat in einer Stellungnahme Honeggers grosse Verdienste um die Stadt Zürich gelobt. Namentlich für Kinder und Jugendliche habe er sich eingesetzt, ganz nach seinem Motto «Wir müssen wieder sehen lernen».

ZUM TOD DES SCHWEIZER KUENSTLERS GOTTFRIED HONEGGER STELLEN WIR IHNEN AM SONNTAG, 17. JANUAR 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Der Schweizer Kuenstler Gottfried Honegger, aufgenommen in seinem Atelier in Zuerich, am Mittwoch, 30. Mai 2012. Honegger feiert am 12. Juni 2012 seinen 95. Geburtstag. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Gottfried Honegger lebte für die Kunst.
Bild: KEYSTONE

«Noch vor wenigen Monaten hat er verschiedenen Schulhäusern in Zürich Werke geschenkt mit dem Ziel, dass junge Menschen Kunst um sich haben und so sensibilisiert werden, ihre Umwelt wahrzunehmen», teilte Mauch am Sonntag mit.

Honeggers Liebe zu Zürich

Dass Honegger sich politisch eingemischt habe, mitunter auch heftig, sei eine natürliche Folge seiner Liebe zu Zürich gewesen, so Mauch in einem Communiqué. «Er hat sich zeitlebens für eine lebenswerte und kulturell lebendige Stadt Zürich eingesetzt».

Gottfried Honegger zählte international zu den wichtigsten Vertretern der konkret-konstruktiven Kunst. «On doit construire le monde» lautete eine seiner Prämissen. «Kunst will nicht länger von ihrer Umgebung getrennt sein, sie will Teil der Wand, des Raums, des Alltags werden», schrieb er 1993. Architektur und Kunst seien gleichermassen dazu da, «eine neue Gesellschaft zu bauen».

In vielen Ländern, vor allem in Deutschland, Frankreich und der Schweiz, ist Honeggers Werk präsent: im öffentlichen Raum ebenso wie in Privat- und Museumssammlungen. Ein Highlight ist die im Sommer 2004 im südfranzösischen Mouans-Sartoux eröffnete «Fondation Albers-Honegger». Sie beherbergt die Sammlung Gottfried Honeggers und eröffnet am 24. Januar unter dem Titel «alpha oméga» eine Ausstellung mit seinen Werken.

ZUM 95. GEBURTSTAG DES KUENSTLERS GOTTFRIED HONEGGER  STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG, 5. JUNI 2012, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Eine Skulptur des Schweizer Kuenstlers Gottfried Honegger thront oberhalb der Einfahrt zum Parkhaus Opera, am Montag, 4. Juni 2012, in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Diese Skulptur von Gottfried Honegger steht bei der Oper in Zürich.
Bild: KEYSTONE

In Frankreich und der Schweiz erfuhr der Künstler seine wichtigsten Ehrungen: 1985 wurde er französischer «Chevalier de l'Ordre des Arts et des Letters». 1987 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Zürich. Im gleichen Jahr wurde in Zürich auf seine Mitinitiative hin das Haus für konstruktive und konkrete Kunst, das heutige Haus Konstruktiv, eröffnet.

Rothko und die Konkreten

Geboren wurde Gottfried Honegger am 12. Juni 1917 in Zürich. Er lernte Schaufensterdekorateur, ging als Designer und Grafiker auf Wanderschaft. 1939 übersiedelte er nach Paris, wo seine ersten Bilder und Zeichnungen entstanden.

Ende der 50er Jahre zog Honegger nach New York, wo er den abstrakten Expressionisten Mark Rothko und Sam Francis sowie Exponenten der Hard-edge-Malerei wie Al Held begegnete. Gleichzeitig beschäftigte er sich mit den Pionieren der konstruktiven und konkreten Kunst.

Hin zur Skulptur 

Um 1960 zurück in Paris und Zürich malte Honegger weiter an seinen quadratischen, monochromen weissen oder roten New Yorker Bildern. Er begann mit dem Computer zu arbeiten und interessierte sich für wissenschaftliche Forschung. Dem Nobelpreisträger Jacques Monod widmete er seine erste grosse Skulptur.

«Die Skulptur im öffentlichen Raum, eingespannt in die Koordinaten der Architektur», hat Honegger in der Folge mehr und mehr beschäftigt. Schliesslich nannte er sich nicht mehr Maler sondern Plastiker. Er liebte Granit, Stahl, Holz, Eisen – Materialien also, die Widerstand leisten, die Handarbeit fordern.

So ist er auch als geometrischer Künstler der Volkskunst verbunden geblieben, der Holzschnitzerei, der Stickerei, dem Scherenschnitt, dem Graffiti. (sda)

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