Schweiz
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Jean-Rene Fournier (CVP/VS) waehrend einer Abstimmung zum Voranschlag 2014 am Donnerstag. 12. Dezember 2013 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Nicht vier, aber zwei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub: Dafür hat sich der Ständerat am Donenrstag entschieden. Bild: KEYSTONE

Liveticker

Ständerat lehnt Volksinitiative für 4 Wochen Vaterschaftsurlaub ab – er will nur 2 Wochen



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Christoph Bernet
Christoph Bernet
Räuber&Liebhaber
Propeller
Flavio Meier
Scaros_2
Live-Berichterstattung zu Ende
von Christoph Bernet
Mit dem Entscheid des Ständerates zum Vaterschaftsurlaub ist auch dieser Liveticker zu Ende. Das Thema dürfte die Schweiz allerings noch länger beschäftigen – erst geht es in den Nationalrat, dann wird es aller Voraussicht nach zu einer Volksabstimmung kommen. Fürs Erste sagen wir nun aber herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit!
User Räuber&Liebhaber erinnert sich an seinen einen Tag Vaterschaftsurlaub
von Räuber&Liebhaber
Es war ein schöner Tag. Ich erinnere mich gerne daran. Im Büro ist das Bild auch aufgestellt <3
«Volksvertreter oder Wirtschaftsvertreter?», fragt sich User Propeller
von Propeller
Teilweise frage ich mich ja schon, wer das Volk vertritt. Sind das wirklich Volksvertreter oder Wirtschaftsvertreter? Wenn der gesetzliche Rahmen vorhanden ist, wird die Diskussion nach kurzer Zeit ersticken und wenige Jahre später fragt man sich, wie dies früher überhaupt möglich war. Oder hört ihr euren AG über den WK motzen?
Für User Flavio Meier braucht es Veränderungen
von Flavio Meier
Wir sind eine Pioniergeneration in Sachen Vaterschaftszeit. Die Zeiten haben sich geändert. Warum kommt das bei der Politik nicht an?

Ich habe das Glück einen guten Arbeitgeber zu haben wo Vaterschaftszeit Standard ist. Ebenfalls konnte ich mein Pensum auf 80 Prozent reduzieren, aber damit das mehr Väter tun können braucht es auch von der Politik her unbedingt Veränderungen. Es kann doch so nicht weitergehen
11:27
Der Gegenvorschlag ist durch, die Initiative wird abgelehnt
Mit 26 zu 16 Stimmen spricht sich der Ständerat für den Gegenvorschlag aus, der einen zweiwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub verlangt. Die Volksinitiative empfiehlt er mit 29 zu 14 Stimmen bei einer Enthaltung ab.zur Ablehnung. Keine Chance hat die parlamentarische Initiative von FDP-Ständerat Andrea Caroni für einen «Do it yourself»-Vaterschaftsurlaub. Er erhält lediglich 7 Ja-Stimmen.
11:21
Jetzt wird abgestimmt
Mit 27 zu 16 Stimmen tritt der Ständerat auf das Geschäft ein. Nun geht es um die inhaltliche Abstimmung.
11:20
Finanzierung, Organisation und Grundsatzfrage für Berset zu wenig präsent
Bundesrat Alain Berset betont, auch der Bundesrat sei dafür, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Er habe aber andere Prioritäten in der Familienpolitik gesetzt, die nach Ansicht der Regierung eine grössere positive Wirkung als der Vaterschaftsurlaub. Berset ist der Meinung, die Frage der Finanzierung der heute diskutierten Vorschlägen, aber vor allem auch deren organisatorischen Herausforderungen speziell für die KMUs, seien etwas kurz gekommen. Auch die Grundsatzfrage, ob es beim Vaterschaftsurlaub eine staatliche oder eher eine sozialpartnerschaftliche Lösung brauche, sei wenig präsent gewesen. Es gehe hier und heute nicht um die Prinzipienfrage, ob es eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie brauche. Es gehe um die Wege hin zu diesem Ziel und das Timing.
11:14
Sozialminister Alain Berset hat das Wort
Zum Ende der Debatte äussert sich als zuständiges Regierungsmitglied Alain Berset. Als SP-Mann dürfte er die ablehnende Haltung des Bundesrats gegenüber Volksinitiative und indirektem Gegenvorschlag eher con­t­re cœur vertreten. Er sei der Debatte mit grossem Interesse gefolgt und stelle fest, dass fast alle Redner, auch jene der Kommissionsminderheit, grundsätzlich für eine – wenn auch unterschiedlich ausgestaltete – Mutter- und Vaterschaftsurlaub oder Elternurlaub von insgesamt mindestens 16 Wochen ausgesprochen haben.
Bundesrat Alain Berset spricht waehrend der Fragestunde an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 17. Juni 2019 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
11:08
Anita Fetz (SP) unterstützt «alles»
Die abtretende Ständerätin von Basel-Stadt, Anita Fetz (SP), gibt ausgerechnet SVP-Mann Peter Föhn in einem Punkt recht: KMUs könnten sich nicht die grosszügigen Vaterschaftsurlaubs-Lösungen leisten, welche internationale Grosskonzerne ihren Angestellten teilweise bereits heute schon bieten. Doch Föhns Folgerung aus dieser Feststellung, deshalb einen bezahlten Vaterschaftsurlaub abzulehnen, sei kreuzfalsch. Gerade die KMUs profitierten davon, wenn es eine staatliche Lösung gebe, die ihnen auch bei der Finanzierung unter die Schultern greife. Sie werde deshalb die Initiative mit vier, den Gegenvorschlag mit zwei Wochen und auch die von den FDP-Ständeräten erwähnte Idee eines Familienurlaubs unterstützen, falls diese in einer akzeptablen Form in den Rat kommen solle.
Die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz beantragte erfolglos, den Staat mit der Herausgabe der E-ID zu betrauen. (Archivbild)
11:00
SVP-Mann rückt KMUs in den Fokus
Nun ist das Wort am Schwyzer SVP-Ständerat Peter Föhn, der im Herbst nicht zur Wiederwahl antritt. «Es gibt nicht nur Grosskonzerne, nicht nur Verwaltungsangestellte, nicht nur den Finanz- und Chemieplatz Schweiz. Es gibt auch KMUs, Familien- und Kleinstbetriebe», sagt Föhn. Es gehe nicht nur um finanzielle Fragen. Gerade in kleinere Betrieben seien die organisatorischen Herausforderungen eines gesetzlichen Vaterschaftsurlaubs. Gute Arbeitgeber würden sich mit guten Arbeitnehmenden immer auf beidseitig akzeptable Lösungen einigen: «Es geht um Eigenverantwortlichkeit.» Den Vätern im Ständerat, die vorher mit ihren eigenen Erlebnissen zum Teil für den Gegenvorschlag oder die Initiative geworben haben, sagt Föhn, sie müssten auch im eigenen Leben konsequent sein und etwa auf Hobbys verzichten, um an der Kinderbetreuung und dem Familienleben teilnehmen zu können.
ZUM SDA-VORAUSBERICHT ZU DEN EIDGENOESSISCHEN WAHLEN IM KANTON SCHWYZ STELLEN WIR IHNEN AM FREITAG, 26. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Peter Foehn (SVP-SZ) spricht waehrend einer Debatte im Staenderat, am Dienstag, 2. Dezember 2014 waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
10:47
Dieser welsche FDP-Mann unterstützt die Initiative
Im Gegensatz zu seinen Deutschschweizer Parteikollegen Dittli, Caroni, Eder und Wicki spricht sich der Neuenburger FDP-Ständerat Raphaël Comte sowohl für den indirekten Gegenvorschlag als auch für die Volksinitiative aus. Er verweist auf den vierwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub, den Staatsangestellte im Kanton Neuenburg gemäss eines Beschlusses des Kantonsparlaments vom Januar 2019 erhalten. Laut Comte brauche es manchmal einen «Elektroschock», um etablierte gesellschaftliche Rollenaufteilungen aufzubrechen. Diese Schockwirkung wäre bei einem vierwöchigen Vaterschaftsurlaub grösser als bei den zwei Wochen gemäss Gegenvorschlag. Den Befürwortern eines Elternurlaubs sagt Comte, das sei ein erstrebenswertes Ziel. Der Vaterschaftsurlaub verhindere den Elternurlaub allerdings nicht. Er könne auch als Zwischenschritt auf dem Weg dahin dienen.
So verlaufen die Frontlinien
von Christoph Bernet
Die Debatte im Ständerat zeigt: Es gibt grob gesagt vier Lager in der Frage des Vaterschaftsurlaubs. Die SP-Ständerätinnen und Ständeräte, die sich bisher geäussert haben, empfehlen die Volksinitiative für einen vierwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaubs zur Annahme und sprechen sich – in zweiter Präferenz – für den Gegenvorschlag eines zweiwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaubs. Die CVP-Ständeräte betonen, die Volksinitiative hätte zu hohe finanzielle und organisatorische Belastungen für die Unternehmen zur Folge. Ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub hingegen sei ein guter Kompromiss und ein überfälliger Schritt hin zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Väter und Mütter. Die FDP-Ständeräte lehnen die Initiative aufgrund ihrer finanziellen Folgen rundherum ab. Sie sprechen sich aber auch gegen den Gegenvorschlag aus. Dies tun sie gemäss ihren Voten, weil dieser im Gegensatz zu dem von ihnen geforderte, in der Kommission aber nicht mehrheitsfähigen 16-wöchigen flexibel einteilbaren Elternurlaub eine «traditionelle Rollenaufteilung »zementiere. Noch nicht geäussert haben sich Ständeräte, die jegliche Änderung ablehnen und für keine neue Lösung Hand bieten. Gemäss den Votanten aus der Sozialkommission des Ständerats gibt es aber auch diese. Dabei dürfte es sich um die im Ständerat lediglich mit 5 Köpfen vertretene SVP handeln.
10:26
Erste Frau spricht zum Vaterschaftsurlaub
Mit Liliane Maury Pasquier (SP, GE) ergreift nach neun männlichen Votanten m Ständerat mit seinem Frauenanteil von 15 Prozent erstmals eine Rednerin. Sie weist auf den langfristigen Effekt eines Vaterschaftsurlaubs hin. Die verstärkte Teilnahme am Familienleben unmittelbar nach der Geburt ermögliche, dass die Väter auch später eine grössere Rolle bei der Kinderbetreuung übernehmen.
Staenderaetin Liliane Maury Pasquier, SP-GE, und Praesidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, spricht an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 25. September 2018 im Nationalrat in Bern. Am 25. Juni 2018 hat die Parlamentarische Versammlung des Europarates (PEVR) Frau Staenderaetin Liliane Maury Pasquier, SP-GE, zu ihrer Praesidentin gewaehlt.(KEYSTONE/Anthony Anex)
10:16
FDP-Männer betonen gleichwertige Rollenaufteilung
Die freisinnigen Ständeräte Philipp Müller (AG) und Hans Wicki (NW, Bild) argumentieren, ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub und ein vierzehnwöchiger Mutterschaftsurlaub zementiere das traditionelle Familienbildes und die Rollenaufteilung zwischen den Elternteilen. Nur ein Modell, welches den Frauen die Wahlfreiheit lasse, dann zur Arbeit zurückzukehren, wenn sie es sich wünschen, respektiere die Gleichberechtigung wirklich.
ARCHIVBILD - ZUM FDP-BUNDESRATSKANDIDATEN HANS WICKI STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Hans Wicki, FDP-NW, spricht an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 8. Maerz 2017 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
10:06
SP-Rechsteiner: «Elternurlaub ist anzustrebendes Ziel»
Der St. Galler Sozialdemokrat Paul Rechsteiner erwähnt den Frauenstreik, die grösste politische Demonstration seit vielen Jahrzehnten als Hinweis darauf, dass bei der Gleichstellung der Geschlechter endlich wieder einen Schritt nach vorne brauchen. An die freisinnigen Befürworter des 16-wöchigen Elternurlaubs gerichtet sagt Rechsteiner, ein Elternurlaub sei ein anstrebenswertes Ziel, «aber er muss entsprechend ausgestattet werden». Dabei müsse man von Monaten und nicht von Wochen sehen. Ein Elternurlaub der aber auf Kosten der Minimaldauer des Mutterschaftsurlaubs gehe, sei nicht akzeptabel. Der Vaterschaftsurlaub sei ein bescheidener Schritt zur Weiterentwicklung des Sozialstaates. Dieser sei nicht gebaut und müsse stets den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst werden.
Paul Rechsteiner, SP-SG, spricht zur Kleinen Kammer an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 4. Juni 2019 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
10:00
FDP-Eder: «Sind nicht gegen Vaterschaftsurlaub»
Der Zuger Freisinnige Joachim Eder betont, die Kommissionsminderheit, welche den indirekten Gegenvorschlag ablehnt, sei nicht grundsätzlich gegen einen bezahlten Vaterschaftsurlaub. Leider habe man für das Modell des 16-wöchigen Elternurlaubs keine Mehrheit gefunden. Dieses hätte eine wahrlich gleichgestellte Aufteilung der Erziehungs- und Betreuungsarbeit zwischen Mann und Frau ermöglicht. Man sei weiterhin bereit, Hand zu bieten für eine solche flexible Lösung, die auch jenen Frauen entgegenkomme, die vor Ablauf des 14-wöchigen Mutterschaftsurlaubs wieder an die Arbeit zurückkehren möchten. Doch einem zwei- oder vierwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub könne man vor allem aus finanziellen Überlegungen nicht zustimmen.
9:52
Caroni: «Ferien mit Kleinkindern sind sowieso nicht erholsam»
Der Ausserrhodener Ständerat Andrea Caroni (FDP) stellt seine parlamentarische Initiative für einen «Do it yourself»- Vaterschaftsurlaub vor. Er will Vätern den festen Anspruch einräumen, ihre gesetzlich zugesichterten vier- oder fünfwöchigen Ferien direkt nach der Geburt beziehen zu dürfen. Er selber habe nach der Geburt seiner zwei Kindern intensive Tage und Wochen an der Seite seiner Partnerin verbracht, betont Caroni. Dies ohne bezahlten Vaterschaftsurlaub. Doch er sehe nicht ein, weshalb es hier eine staatlich Lösung brauche. Väter könnten ihre Ferien direkt nach der Geburt des Kindes beziehen. Wenn ihn junge Väter sagten, «aber meine fünf Wochen Ferien sind doch zur Erholung da», da müsse er ihnen entgegnen: «Ferien mit Kleinkindern sind auch später im Jahr der Geburt nicht erholsam».
User Scaros_2 hat kein Verständnis
von Scaros_2
Ich habe bei solchen Diskussion wirklich Mühe wie man sich so stur verhalten kann wenn parallel festgestellt wird, dass die Schweiz an letzter Stelle bei solchen Positionen ist. Als Standort ist man Innovativ wenn man auch die Rahmenbedingungen an ein globales Bedürfniss anpasst und nicht auf diesen wenigen 16 Wochen verharrt.

Ein Novum wäre es, wenn man den WK abschafft weil dieser in der heutigen Zeit keine Relevanz mehr hat, die Gelder aus diesem Posten umbucht und eine richtige Elternzeit einführt. Aber sowas schaffst du nicht in der Schweiz umzusetzen und das ist schon frustrierend.
9:40
SP-Berberat: «Die Geschichte wiederholt sich leider»
Für die Kommissionsminderheit, die sich für eine Annahme der Volksinitiative für einen vierwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub ausspricht, ergreift der Neuenburger SP-Ständerat Didier Berberat das Wort. Er bedauert, dass die immer gleichen Kreise mit den immer gleichen Argumenten gegen vernünftige, finanziell akzeptable sozialstaatliche Massnahmen ausspricht. Der Sozialdemokrat liest dem Bundesrat ordentlich die Leviten. Dass jener weniger als eine Woche nach dem Frauenstreik weiterhin keine bezahlten Vaterschaftsurlaub wolle, zeige, dass «der Bundesrat nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist.» Kein Verständnis zeigt Berberat auch dafür, dass der Bundesrat zwar bereit gewesen sei, eine Milliarde Franken aus der Bundeskasse für olympische Winterspiele auszugeben, aber ein bezahlter Vaterschaftsurlaub sei ihm zu teuer. Berberat weist darauf hin, dass alle Nachbarstaaten der Schweiz entweder einen Vaterschafts- oder einen Elternurlaub kennen und sich gemäss Umfragen eine deutliche Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer für einen Vaterschaftsurlaub ausspricht.
ARCHIV --- ZU DEN EIDGENOESSISCHEN WAHLEN VOM SONNTAG, 20. OKTOBER 2019, STELLEN WIR IHNEN BILDMATERIAL ZUM THEMA RUECKTRITTE IM STAENDERAT ZUR VERFUEGUNG --- Staenderat Didier Berberat, SP-NE, spricht an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 2. Maerz 2016, in Bern. (KEYSTONE/ Peter Schneider)
9:31
Und darum lehnt FDP-Dittli den bezahlten Vaterschaftsurlaub ab
Für die Minderheit gegen den indirekten Gegenvorschlag argumentiert FDP-Ständerat Josef Dittli in erster Linie finanzpolitisch. Die wachsenden Lohnnebenkosten – auch wenn die zusätzliche Belastung im einzelnen Fall überschaubar erscheinen möge –belasteten die Unternehmen finanziell. Der Vaterschaftsurlaub sei nur einer von vielen sozialstaatlichen Ausbauwünschen, die die Lohnnebenkosten immer stärker in die Höhe trieben. Hinzu komme bei einem bezahlten Vaterschaftsurlaub gerade bei kleineren Unternehmen die organisatorischen und betrieblichen Schwierigkeiten.
9:25
Jetzt spricht ein Anhänger des 16-wöchigen Elternurlaubs
Für die Kommissionsminderheit äussert sich der Urner Ständerat Josef Dittli (FDP). Er gehört jenen Ständeraten an, welche sich für den Ansatz der FDP ausgesprochen hat, statt zusätzlich zum Mutterschafts- einen Vaterschaftsurlaub einzuführen, auf einen so genannten Elternurlaub vom 16 Wochen zu setzen. Dieser wäre so ausgestaltet gewesen: Vater und Mutter hätten gemeinsam Anspruch auf 16 Wochen bezahlten Elternurlaub. Die ersten 8 Wochen nach der Geburt hätte zwingend die Mutter beziehen müssen. Die restlichen 8 Wochen hätten die Eltern nach eigenem Willen aufteilen können. Gemäss Dittli wäre das «eine echte Innovation» gewesen. Wenn sich heute Mütter vor Ablauf der 14 Wochen gesetzlich zugesicherten Mutterschaftsurlaub für eine vorzeitige Rückkehr an die Arbeitsstelle entscheiden, verfallen die nicht genutzten Wochen. Das wäre beim Minderheitsvorschlag nicht der Fall gewesen, argumentiert Dittli. In seinem Einleitungsvotum hatte Kommissionsprecher Erich Ettlin (CVP) allerdings darauf hingewiesen, dass eine solche Regelung im Widerspruch zu einem Abkommen der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über den Schutz der Mütter widersprechen würde, das die Schweiz ratifiziert hat.
Josef Dittli, FDP-UR, spricht zur Kleinen Kammer an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 18. Juni 2019 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
9:18
Und so sieht Caronis Idee aus
Als letztes der drei gemeinsam beratenen Geschäften stellt Komissionsprecher Ettlin die parlamentarische Initiative von Andrea Caroni (FDP, AR) vor. Dieser will wie bereits erläutert Vätern den festen Anspruch einräumen, ihre gesetzlich zugesicherten Ferien von vier oder fünf Wochen direkt nach der Geburt zu beziehen. Eine Mehrheit der Kommission lehnt den Vorstoss jedoch ab. Sie ist der Meinung, dass in der Praxis den Vätern diese Möglichkeit bereits heute in den meisten Fällen vom Arbeitgebern gewährt würde.
9:14
So viel würde die Volksinitiative kosten
Jetzt erörtert Kommissionssprecher Erich Ettlin (CVP)die «Volksinitiative für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub». Diese sieht einen vierwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub (20 Arbeitstage), die flexibel innerhalb eines Jahres nach der Geburt bezogen werden können. Das entspricht laut Berechnungen 420 Millionen Franken pro Jahr. Dieser Betrag entspricht einem EO-Beitragssatz von 0,11 Prozent, der Beitragssatz der EO also von gegenwärtig 0,45 auf 0,56 Prozent angehoben werden. Die Initianten streichen hervor, dass heutige Väter sich wünschen, von Anfang an eine Rolle zu spielen im Leben ihrer Kinder. Die heutige gesetzliche Regelung führe dazu, dass Mütter bereits einen oder zwei Tagen nach der Geburt trotz den seelischen und körperlichen Nachwirkungen einer Niederkunft bereits alleine die Verantwortung für das Kind tragen müssten, weil die Männer wieder zur Arbeit müssen. Ein Vaterschaftsurlaub hingegen würde eine partnerschaftlichere Aufteilung der Familienbetreuung ermöglichen. Männer erhielten die Möglichkeit, sich väterliche Kompetenzen anzueignen und besser in die Kindererziehung miteinbezogen. Kindern würde es ermöglicht, eine engere Beziehung zum Vater aufzubauen. Diese Wirkungen würden weit über die vierwöchige Zeit des bezahlten Vaterschaftsurlaub – oder über das Jahr, über welche die 20 bezahlten Urlaubstage bezogen werden können – eine Wirkung entfalten.
9:04
Das sind die Eckwerte des Gegenvorschlags
Für die zuständige Sozialkommission erörtert Ständerat Erich Ettlin (CVP, OW) den indirekten Gegenvorschlag. Mit einem zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs von zwei Wochen könnten beide Elternteile ihre familiären Pflichten besser mit der Arbeitstätigkeit vereinbaren. Ein vierwöchiger Urlaub hingegen würde eine zu grosse finanzielle Belastung darstellen und Unternehmen vor nicht zumutbare organisatorische Herausforderungen stellen. Die Eckwerte des Gegenvorschlags sind folgende: Väter sollen Anspruch auf zehn Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub erhalten. In dieser Zeit sollen sie – wie beim Mutterschaftsurlaub – 80 Prozent ihres Lohnes in Form von Tagesgeldern ausbezahlt erhalten. Finanziert werden soll auch der Vaterschaftsurlaub via die Erwerbsersatzordnung (E=)
Erich Ettlin, CVP-OW, spricht an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 20. September 2016 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
8:56
Es geht los
Ständerats-Vizepräsident Hans Stöckli (SP, BE) eröffnet die Debatte. Es werden drei Geschäfte gemeinsam diskutiert: Die Volksinitiative für einen vierwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub, der indirekte Gegenvorschlag der Ständeratskommission für einen zweiwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub und eine parlamentarische Initiative von Ständerat Andrea Caroni (FDP , AR, Bild). Er will Vätern einen festen Anspruch geben, auf Wunsch ihre gesetzlichen Ferien in einem gewissen Zeitraum um die Geburt eines Kindes herum zu beziehen. Damit würde in Caronis Argumentation die Notwendigkeit eines zusätzlichen, bezahlten Vaterschaftsurlaubs wegfallen.
Andrea Caroni, FDP-AR, spricht waehrend der Debatte um das Aktienrecht, waehrend der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 19. Juni 2019 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Noch geht es um andere Geschäfte
Die Sitzung des Ständerats hat um 08.15 Uhr begonnen. Vor dem Vaterschaftsurlaub stehen noch fünf Motionen und Interpellationen auf der Tagesordnung. Es geht zunächst um eine Motion und eine Interpellation zum Rahmenabkommen mit der EU, um neue «Bestimmungen zur Überprüfung der Rückerstattung unrechtmässig erworbener Vermögenswerte», um das «Bundesgesetz über die im Ausland erbrachten privaten Sicherheitsdienstleistungen» sowie einen in Saudi-Arabien festgehaltenen schweizerisch-libanesischen Doppelbürger.
So grosszügig sind die Schweizer Firmen beim Vaterschaftsurlaub
Stell dir vor, du bekommst ein Kind und musst am nächsten Tag bereits wieder im Büro sitzen oder auf der Baustelle schuften, während du mit deinen Gedanken ganz woanders bist. Laut dem Gesetz kein Problem. Aber wie handhaben Schweizer Firmen die Papiferien?


Hier findest du die grosse watson-Auswertung:



(Stand: April 2018)
Zum Vergleich: 7 Dinge, die dir wie die Geburt auch einen Freitag einbringen
Es klingt absurd: Weil sich 1974 drei Bezirke einer Volksabstimmung für eine Abspaltung vom Kanton Bern entschieden, kriegen die Jurassier bis heute einen freien Tag. Genau wie du, wenn du Vater wirst!

Hier gibt es weitere Beispiele:

Darum geht es
Sollen frischgebackene Väter vier Wochen Urlaub kriegen? Heute berät der Ständerat über eine entsprechende Volksinitiative – und einen Gegenvorschlag, der zwei Wochen vorsieht. Der Bundesrat will jedoch davon nichts wissen: Die Landesregierung möchte weiterhin nur einen Tag Vaterschaftsurlaub. Der Bunderat anerkennt zwar das Anliegen, sieht aber in erster Linie Sozialpartner, Kantone und Gemeinden in der Pflicht.




Die Initiative ist im Juni 2017 eingereicht worden. Urheber sind die Organisationen Travail.Suisse, männer.ch, Alliance F und Pro Familia Schweiz. Sie verlangen, dass der Vaterschaftsurlaub wie der Mutterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung (EO) finanziert wird.
Der Bundesrat ist gegen einen gesetzlich verankerten Vaterschaftsurlaub. (Symbolbild)
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Vaterschaftsurlaub: So sieht es in den Nachbarländern aus

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