Kurz vor der «Weltwoche»-Enthüllung: Richter fand versteckte Kamera in seiner Hecke
Beim Wohnhaus von Bundesrichter Yves Donzallaz im Wallis ist laut «Tamedia» eine versteckte Überwachungskamera entdeckt worden. Der Magistrat, der eine Liebesbeziehung mit einer Gerichtskollegin verheimlichte, habe die Kamera Anfang April gefunden, wenige Wochen vor dem Erscheinen eines ersten Artikels der «Weltwoche».
Zur Erinnerung: Ende April enthüllte «Weltwoche»-Journalist und ex-SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli eine Liebesbeziehung zwischen Donzallaz und van de Graaf. Er stützte sich bei seinem Artikel auf Bildbeweise.
Das Gerät sei in einer Hecke auf seinem Grundstück verborgen und auf den Hauseingang gerichtet gewesen, schreibt «Tamedia». Der Richter habe bei der Polizei Strafanzeige eingereicht und die Kamera den Behörden übergeben. Die Walliser Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud habe den Eingang der Anzeige bestätigt.
Jetzt stelle sich die Frage, ob die Bilder, auf die sich die «Weltwoche» beruft, von der entsprechenden Kamera stammen. Christoph Mörgeli sagte gegenüber «Tamedia», dass er keine Auskunft über Quellen gebe. (cma/sda)
Durch das Verschweigen ihrer Liebesbeziehung hätten Donzallaz und van de Graaf das Bundesgericht «sehenden Auges in eine institutionelle Krise schlittern lassen», sagte Meyer im am Freitag veröffentlichten Interview. Dies erfordere zwingend ihren sofortigen Rücktritt oder zumindest den Verzicht auf eine Wiederwahl im September 2026. Das Gesetz verbiete ausdrücklich eine «dauernde Lebensgemeinschaft» unter Mitgliedern des Bundesgerichts.
Die Verwaltungskommission unter Präsident François Chaix könne sich nach Ansicht Meyers nicht aus der Verantwortung ziehen, selbst wenn sie von der Beziehung nichts gewusst haben wolle. Die Kommission habe selbst mitgeteilt, ihr sei ein vertrautes Verhältnis zwischen Donzallaz und van de Graaf bekannt gewesen. Schon ein vertrautes Verhältnis könne die richterliche Unabhängigkeit tangieren und müsse deshalb näher abgeklärt werden, sagte Meyer. Die Mitglieder der Verwaltungskommission müssten Konsequenzen ziehen und einen Neuanfang ermöglichen. (sda)
