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Hass-Anrufe und -Briefe gegen Zürcher Pfefferspray-Opfer Sümer: «Ich will, dass die Drohungen endlich aufhören»

Ob die Staatsanwaltschaft im Fall Sennur Sümer ein Verfahren eröffnet, ist noch immer nicht entschieden. Die 44-jährige Mutter, die von einem Polizisten mit Pfefferspray attackiert wurde, bekommt seit dem Vorfall unangenehme Anrufe und Briefe. Auch deshalb verzichtet sie auf eine Anzeige. 
25.09.2015, 11:5525.09.2015, 13:17

«Gehen Sie zurück in die Türkei, aber schnell. Leute wie sie brauchen wir hier nicht». Das ist eine der harmloseren Drohungen, die Sennur Sümer in den letzten Wochen über sich ergehen lassen musste. Per Telefon, aber auch mit Briefen, wurde sie beschimpft. Die anonymen Anrufer und Schreiber sind der Meinung, sie stelle sich seit der Pfefferspray-Attacke vom 5. September nach der Flüchtlingskundgebung in Zürich als Opfer dar. Sie würde besser den Mund halten, statt gegen die Polizei zu klagen. Sie solle dankbar sein, dass sie in der Schweiz leben dürfe. 

Auszüge aus Briefen, die Sennur Sümer bekommen hat.<br data-editable="remove">
Auszüge aus Briefen, die Sennur Sümer bekommen hat.

Sümer machen die Angriffe zu schaffen. «Ich persönlich kann damit umgehen, aber ich möchte meine Familie schützen,» sagt sie knapp drei Wochen nach dem Vorfall. Deshalb reiche sie – egal, was Polizei und Staatsanwaltschaft entscheiden – keine Anzeige ein. Ihre Familie sei für sie das Wichtigste und diese brauche jetzt einfach Ruhe. Sie wolle, dass das Ganze endlich aufhöre. Sie habe keine Energie mehr. 

Sümer findet das Verhalten der Polizei weiterhin inakzeptabel und hofft, dass diese nach dem Fall die richtigen Lehren zieht. «So etwas darf nicht mehr vorkommen», sagt Sümer. 

Die 44-jährige Sennur Sümer ist türkisch-schweizerische Doppelbürgerin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Bremgarten AG. &nbsp;<br data-editable="remove">
Die 44-jährige Sennur Sümer ist türkisch-schweizerische Doppelbürgerin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Bremgarten AG.  

Sümer kämpft weiter für die Flüchtlinge

Ihre Handlung bereut sie trotz allem nicht. «Ich war an der Demonstration weil ich auf die aktuelle Flüchtlingssituation aufmerksam machen wollte und wenn davon etwas bei der Bevölkerung angekommen ist, hat sich mein Einsatz gelohnt», sagt Sümer. Sie werde sich weiterhin für Flüchtlinge einsetzen, weil sie am eigenen Leib erfahren habe, wie es sich anfühle, auf der Flucht zu sein. Sümer flüchtete im Jahr 2001 aus der Türkei in die Schweiz. Am letzten Wochenende war Sümer in Aarau am «Aufstand der Anständigen». Dort hat sie gegen Fremdenfeindlichkeit und für eine offene Schweiz demonstriert, das sind ihre grossen Anliegen. 

Nach der Solidaritätskundgebung für Flüchtlinge am 5. September auf dem Zürcher Helvetiaplatz kam es zu einem umstrittenen Polizei-Einsatz. Dabei ging die Stadtpolizei Zürich mit Gummischrot gegen die Demonstranten vor. Sümer stellte sich vor die Polizisten in Vollmontur und streckte beide Hände in die Höhe. Plötzlich machte ein Polizist einen Ausfallschritt und besprühte sie mit Pfefferspray.

Die Stadtpolizei Zürich hat eine Untersuchung angeordnet. Ob die Staatsanwaltschaft ein Verfahren eröffnen wird, bleibt weiter offen. 

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34 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Louie König
25.09.2015 12:09registriert Juni 2014
All diejenigen, die ihr nun Hassbotschaften zukommen lassen, sind meiner Meinung nach ganz erbärmliche Menschen. Mag sein, dass die Demo nicht bewilligt war, aber der Angriff dieses Polizisten ist weit von Verhältnismässigkeit entfernt. Die Frau stellt keine akute Gefahr für die Polizisten dar und zeigt, dass sie nicht bewaffnet ist. Natürlich sind Polizisten in einer solchen Situation einem enormen Druck ausgesetzt, aber ich finde, dass besonders Polizisten diesem Druck standhalten können müssen, sonst sind sie nicht für diese Arbeit geeignet.
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INVKR
25.09.2015 12:39registriert Januar 2015
Zumindest zeigt sie ihr Gesicht, anders als diese erbärmlichen anonymen Feiglinge, die wahrscheinlich im echten Leben ganz kleinlaut sind.
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Kastigator
25.09.2015 12:20registriert April 2014
Tja, jahrzehntelange SVP-Hetze trägt halt Früchte. Irgendwie müssen sich die vielen investierten Millionen ja auszahlen.
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