Eiersuche an Weihnachten: Eierknappheit macht sich bei Migros und Coop bemerkbar
Die Migros-Filiale an der Berner Marktgasse ist zwischen den Festtagen voll, das Eierregal hingegen praktisch leer. Nur ein paar bunte, gekochte Eier sind übrig geblieben. Ein Zettel klärt auf: «Aufgrund der Eierknappheit sind nicht genügend Eier geliefert worden.»
Immerhin: Die nächste Lieferung werde am Nachmittag erfolgen, heisst es auf dem Papier weiter. Diese ist dann tatsächlich eingetroffen, ebenso wie jene vom nächsten Tag. Doch nicht im gewünschten Umfang, wie vor Ort zu erfahren ist. Ähnliches wird aus der Migros in Wil SG berichtet. Dort fehlten kurz vor und nach Weihnachten die hart gekochten Eier. Später konnten die Regale wieder aufgefüllt werden.
Mit der beklagten «Eierknappheit» ist die Migros nicht allein. Das Phänomen betrifft die ganze Detailhandelsbranche. So war auch bei Coop im Telli-Einkaufszentrum in Aarau das Eierregal zwischen den Festtagen fast leer, wie eine Leserin zu berichten weiss. Und auch in der Coop-Filiale in Murgenthal AG waren zwischenzeitlich keine hart gekochten Eier mehr zu finden.
Gesunde Alternative zu Fleisch – und günstiger
Die Gründe für die zeitweilige Leere im Regal sind vielfältig. Da ist zum einen die erhöhte Nachfrage nach heimischen wie auch importierten Eiern. Diese sei in den vergangenen zwei Jahren überdurchschnittlich angestiegen, sagt Migros-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. Seit Herbst 2024 könne die Produktion den Bedarf nicht mehr vollständig decken, insbesondere nicht um die Feiertage wie Ostern oder eben Weihnachten. «Die Verfügbarkeit kann jedoch von Filiale zu Filiale variieren.» Wie viele Läden diesmal betroffen waren, kann die Migros-Sprecherin nicht beziffern.
Die Situation sei aber nicht kritisch, wie Huguenin-dit-Lenoir ergänzt. Es sei nur «vereinzelt» zu Kürzungen gekommen – namentlich bei Schweizer Bio-Eiern und jenen Eiern, die der Detailhandelskonzern unter dem Label «Aus der Region» verkauft.
Den gesteigerten Konsum erklärt Huguenin-dit-Lenoir damit, dass Eier als «eine alternative tierische Proteinquelle zum Fleisch» und als «gesunde» Produkte angesehen würden. «Zudem sprechen Eier überdurchschnittlich stark preissensible Kundinnen und Kunden an.»
Selbstversorgungsgrad von an die 65 Prozent
Der Selbstversorgungsgrad mit inländischen Eiern liegt in der Schweiz bei 60 bis 65 Prozent, wie Daniel Würgler erklärt, der Präsident der Genossenschaft der Schweizer Eierproduzenten Gallosuisse, welche die Interessen von rund 720 Betrieben mit Lege- und Aufzuchthennen vertritt. Die saisonal stark schwankende Nachfrage sei von Oktober bis Ostern am höchsten. Die Periode vor Weihnachten sei «immer sehr intensiv». Somit könne es gut sein, dass sich ein Regal einmal leert. «Unsere Legehennen produzieren jedoch jeden Tag frische Eier und die Regale werden somit auch immer wieder aufgefüllt.»
Das Angebot lässt sich um die Festtage auch nicht einfach punktuell hochfahren. «In der Produktion arbeiten wir mit Lebewesen, die nicht auf Knopfdruck mehr oder weniger produzieren», sagt Würgler.
Und auch grundsätzlich könne die Produktion angesichts der «aktuellen Auflagen und Vorschriften» nicht einfach ausgedehnt werden, wie der Gallosuisse-Präsident noch anfügt. Ein Projekt zum Ausbau der Eierproduktion sei eine grosse Entscheidung und brauche drei bis sechs Jahre – von der «Idee bis die ersten Tiere eingestallt» werden können.
