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Erdrutsch in der Schweiz: A13 soll ab Juli wieder befahrbar sein

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Die beschädigte A13 bei Lostallo. Bild: keystone

Die A13 sollte im Juli laut Rösti wieder befahrbar sein – SBB setzen zusätzliche Züge ein

25.06.2024, 10:2625.06.2024, 12:33
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Verkehrsminister Albert Rösti will nach der Sperrung der A13 im Misox den Ferienreiseverkehr im Sommer unter anderem mit zusätzlichen Bahnverbindungen bewältigen. Die San-Bernardino-Route dürfte nach derzeitigem Kenntnisstand voraussichtlich im Juli in beiden Richtungen wieder einspurig befahrbar sein.

Rösti und Jürg Röthlisberger, der Chef des Bundesamts für Strassen (Astra), informierten am Dienstag an einer Medienkonferenz in Bern über das weitere Vorgehen.

Man müsse rasch eine Lösung finden, damit die Phase mit geringeren Kapazitäten möglichst gut bewältigt werden könne, so der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek).

Man gehe derzeit davon aus, dass es ungefähr eine Woche dauern werde, den Fluss Moesa wieder in sein Bett zurückzubringen. Erst danach könne die eigentliche Reparatur der Fahrbahnen beginnen.

Bundesrat Albert Roesti, links, und Juerg Roethlisberger, Direktor Bundesamt fuer Strassen, Astra, sprechen an einem Point de Presse ueber die Situation der gesperrten Nationalstrasse A13, am Dienstag ...
Bundesrat Albert Rösti und Jürg Röthlisberger, Direktor des Astra.Bild: keystone

Aufschüttungen geplant

Man gehe davon aus, dass durch Aufschüttungen bis im Juli eine Fahrbahn pro Fahrtrichtung erreichtet werden könne, erklärte Rösti. Dank der Bauarbeiten am Gotthard-Tunnel sei genügend Material vorhanden. Rösti schränkte aber ein, fix könne er sich nicht auf einen Zeitplan festlegen. Denn neuerliche Gewitter seien möglich.

Die SBB hätten zugesagt, am Wochenende, zusätzliche Nord-Süd-Verbindungen anzubieten, sagte er weiter. Auch im Güterverkehr werde es mehr Kapazitäten geben.

Jeder und jede könne durch das Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr seinen Beitrag leisten, betonte der Verkehrsminister. Zugleich kündigte er an, dass die ursprünglich geplanten Nachtsperrungen des Gotthard-Strassentunnels ab sofort entfielen.

Ein Personenzug der SBB faehrt ueber die Gotthard Bergstrecke, bei Wassen im Kanton Uri, am Samstag 21. Mai 2016. Wie es mit dem 15'003 Meter langen, 1882 eingeweihten, Eisenbahntunnel und der SB ...
Die SBB werden zusätzliche Züge auf der Gotthardstrecke einsetzen.Bild: KEYSTONE

Koordination mit ausländischen Stellen

Als wichtige Massnahme nannte der Uvek-Chef auch das Verkehrsmanagement. Bereits am Samstag seien die Verkehrsmeldungen so angepasst worden, dass rasch eine grossräumige Umleitung des Verkehrs erfolgt sei - insbesondere via die A2, aber auch via den Simplon und den Grossen Sankt Bernhard.

Er stehe zudem mit seinen Amtskollegen im Ausland in Kontakt, damit die Schweiz möglichst umfahren werde, fügte der Verkehrsminister an.

Bestehen bleiben die Sperrungen von Autobahneinfahrten auf die A2 im Kanton Uri in Zeiten mit grossem Verkehrsaufkommen. Diese sollen verhindern, dass Reisende Richtung Süden auf die Kantonsstrasse ausweichen und erst in Amsteg oder Göschenen UR auf die Autobahn fahren.

Der Kanton Uri werde einen Teil des Mehrverkehrs aufnahmen müssen, sagte Rösti dazu: «Aber wir wollen sicherstellen, dass die Dörfer vom einheimischen Verkehr weiterhin befahren werden können.»

Fahrverbote für Lastwagen bleiben

Eine grundsätzliche Aufhebung des Sonntags- und Nachtfahrverbots für Lastwagen lehnte Rösti ab: «Sonst würden wir den Verkehr regelrecht anziehen». Das Astra prüfe aber eine Aufhebung zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten.

Während eines Unwetters hatte der Fluss Moesa am Freitagabend nahe Lostallo GR ein Stück der Nationalstrasse A13 teilweise weggerissen. Seither ist die San-Bernardino-Route gesperrt. Bereits am Montag begannen die ersten Arbeiten. Auf der Kantonsstrasse durchs Tal sind derweil nur Zubringerfahrten gestattet, für den Transitverkehr ist sie zu.

Repair works on the highway A13 between Lostallo and Soazza destroyed by the force of the Moesa river, caused by heavy rain in the Misox valley, in Lostallo, southern Switzerland, on Monday, June 24,  ...
Die Aufräumarbeiten bei Lostallo haben begonnen.Bild: keystone

Gedenken an Opfer

Beim selben Unwetter hatte ein Murgang in der Ortschaft Sorte GR drei Häuser zerstört. Ein Mann verlor dabei sein Leben, zwei weitere Personen wurden am Dienstag noch immer vermisst.

Rösti sprach den Angehörigen des Mannes sein tief empfundenes Beileid aus und erinnerte an die Vermissten: «Leider ist das Schicksal unergründlich.»

Was die A13 angehe, habe man zugleich grosses Glück gehabt, sagte er. Dies, da sich keine Autos und auch kein Car auf dem betroffenen Abschnitt befunden hätten. (sda)

Das war die PK im Liveticker:

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11:00
Leistet der Bund für die betroffenen Gebiete auch anderweitig Soforthilfe?
Dafür sei der Kanton zuständig, so Rösti. Der Bundesrat könne aber aushelfen, wenn die kantonalen Mittel nicht ausreichten. Auch über das Bundesamt für Umwelt (BAFU) sei man involviert. Er habe nicht viel darüber gesagt, weil die Verantwortung vor allem beim Kanton liege. Es sei daher wichtig, dass man mit den zuständigen Regierungen im direkten Kontakt sei.

Die Pressekonferenz ist beendet.
10:54
Wer hat die Kompetenz bezüglich der Nacht- und Sonntagssperren?
Diese lägen beim ASTRA, antwortet Albert Rösti.
10:51
Im Juli hofft man auf Öffnung. Wann im Juli?
Man habe die Bilder von vor Ort gesehen, so Rösti. Es sei zu früh, zu sagen, wie lange es brauche, solange der Fluss nicht zurück im Bett sei. Man setze alles daran, dass es möglichst schnell gehe. «Ich spüre auch, dass das getan wird vor Ort.» Man wisse mehr, wenn der Fluss eingedämmt sei. «Es dauert sicher nicht Monate», so Rösti. Auch die Armee sei involviert, es seien genügend zivile Mittel vorhanden.
10:49
Was ist mit weiteren Ideen? Maut für ausländische Fahrzeuge zum Beispiel?
Jürg Röthlisberger ergreift das Wort. Die Frage sei, ob das wirkt. Man sei klar der Meinung, dass die Maut das Problem nicht löse.

Rösti will es auch dem Tessin nicht zumuten. Die Maut werde in breiten Kreisen abgelehnt, da man sich als abgeschottet von dem Rest der Schweiz betrachten würde.
10:45
Keine grundlegende Aufhebung des Sonntags- und Nachtfahrverbotes
Zur Aufhebung des Sonntags- und Nachtfahrverbotes: Dieser werde nicht grundsätzlich aufgehoben, da sonst der Europaverkehr regelrecht angezogen werden würde. Das ASTRA prüfe aber eine konzentrierte Aufhebung, aber er wisse noch nicht, ob das umgesetzt würde, so Rösti.

Albert Rösti dankt den Medien für das Interesse, denn es sei wichtig zu sehen, dass etwas gemacht werde.
Die Fragerunde ist eröffnet.
10:44
SBB fährt mit weiteren Zügen
Die SBB werde an den Wochenenden zusätzliche Züge einsetzen. Rösti ruft die Menschen dazu auf, dieses Angebot zu nutzen. Damit könne eine Verkehrsüberlastung verhindert werden. Auch im Güterverkehr gebe es zusätzliche Kapazitäten.
10:43
Sperrnächte im Gotthard aufgehoben
Man habe bereits am Samstag diverse Verkehrsanpassungen vorgenommen. Es gebe Leute vor Ort, die dafür sorgen, dass Verkehr flüssig laufe. Sperrnächte im Gotthard-Tunnel sind ab sofort aufgehoben, sagt Rösti. Südseitig habe man die Ausfahrtspur eröffnet, damit diejenigen, die über den Gotthardpass fahren, an den stehenden Fahrzeugen vorbeikommen. Der Kanton Uri wird ein Teil des Verkehrs aufnehmen müssen.
10:41
«Die Natur ist nicht beherrschbar»
«Die Natur ist nicht beherrschbar», fährt Rösti fort. Die Risiken hätten im Vorfeld nicht genügend abgeschätzt werden können. Ein kleiner Seitenbach habe sich zu einem wilden Wach gewandelt, weshalb die A13 auf etwa 200 Metern weggebrochen sei. Das ASTRA habe die Analyse gemacht und bereits mit den Aufräumarbeiten begonnen. Um den Fluss wieder einzudämmen, werde etwa eine Woche benötigt. Die Reparatur der Strasse könne erst dann begonnen werden.
Im Juli sollte eine provisorische Spur in beide Richtungen wieder verfügbar sein, so Rösti.
10:39
«Bund und Kantonen arbeiten eng zusammen»
Rösti bedankt sich bei den Blaulichtorganisationen, bei Freiwilligen und Mitarbeitenden des ASTRA. Der Direktor des ASTRA Jürg Röthlisberger habe sofort Massnahmen ergriffen, so Rösti. Für die Aufräumarbeiten sei der Kanton zuständig. Für die A13 sei hingegen der Bund verantwortlich. «Bund und Kantonen arbeiten eng zusammen», betont Rösti.
10:36
Erhebliches Glück bei der A13
Bundesrat Albert Rösti ergreift das Wort. Er wolle daran erinnern, dass noch immer zwei Menschen vermisst würden und ein Todesopfer zu beklagen sei. Er spricht im Namen des Bundesrats den Angehörigen sein aufrichtiges Beileid aus. Im Falle der A13 habe man grosses Glück gehabt, dass keine Autos betroffen gewesen seien.
10:34
Die Pressekonferenz hat mit Verspätung begonnen
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72 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Opossum2
25.06.2024 11:54registriert Januar 2022
Aus meiner Sicht ist dem Bedürfnis der Öffentlichkeit Genüge getan. Alle sind informiert, wie die Situation ist, wie lange sie ungefähr andauern wird und welche Alternativen zur Verfügung stehen. Sowohl der Private als auch der Berufsverkehr können mit dieser Information nun machen, was sie wollen, es muss niemand völlig unerwartet in einen Stau geraten.
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Spellbinder
25.06.2024 11:00registriert September 2017
«Es dauert sicher nicht Monate», so Rösti.

Sprich es dauert mehrere Monate.
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