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Musik

Rock-Pionier Hardy Hepp ist tot

Hardy Hepp
Hardy Hepp 2020 zuhause in seinem Atelier in Wallenwil.Bild: Andrea Stalder

Er hat den Rock in die Schweiz gebracht: Pionier Hardy Hepp ist tot

Sein Einfluss auf die Entwicklung des Schweizer Rock und Pop kann nicht überschätzt werden. Nun ist der Musiker und Maler im Alter von 81 Jahren gestorben.
28.01.2026, 11:0328.01.2026, 11:06
Stefan Künzli / ch media

Hardy Hepp war überall und mittendrin. Am Puls der Zeit hat er die aufstrebende Pop- und Rockmusik aus nächster Nähe verfolgt und mitgeprägt. Er war aber mehr als ein Musiker – ein Original und Lebemann, Überlebenskünstler und Katalysator, Mischler und ein lebendes Zeitdokument.

Damals, in den bewegenden 1960er-Jahren, als vieles infrage gestellt und an den gesellschaftlichen Säulen gerüttelt wurde, war er der bestinformierte Mann auf dem Platz, Plattenverkäufer im Globus und bei Jecklin, der erste DJ der Stadt Zürich und später auch Moderator von «Hits à Gogo», der ersten Popsendung im Schweizer Fernsehen.

Der am 13. Mai 1944 in Rüti geborene Heinrich Hepp war Dreh- und Angelpunkt der Zürcher Szene, der grosse Antreiber und Anreisser. Erst recht, als er 1966 in das Haus zum Raben zog, in eine 6-Zimmer-Wohnung im ehemaligen Hotel am Hechtplatz 1. Dort wirkte er 15 Jahre lang als eine Art Kommunen-Obmann der legendären WG wirkte und Love, Peace und Happiness predigte. Alle waren da, in der wohl ersten WG der Schweiz: Jürg Marquard, Christoph Marthaler, Walty Anselmo, Pepe Lienhard, Freddy Burger, Dodo Hug und und und.

Ein Hippie, aber kein 68er

Hardy Hepp war ein Rädelsführer, ein Rebell, ein Hippie, ein 67er, aber kein 68er. «Ich wehrte mich gegen die linke Instrumentalisierung», betonte er immer wieder. Und sowieso – sein Traum war die Musik. Mit dem Gitarristen Walty Anselmo brach er 1966 auf, um die Welt zu erobern. Er sang im Vorprogramm des berühmten Zürcher Konzerts der Rolling Stones und wurde gnadenlos ausgebuht. Er war Sänger und Gründungsmitglied von Krokodil, einer der ersten und bedeutendsten Schweizer Bands in den Geburtsstunden der Rockmusik. Er stand mit den ganz Grossen auf der Bühne und feierte weit über die Schweizer Landesgrenzen hinaus Erfolge. Trotzdem ging die Rechnung nie auf.

Das grosse Geld lockte in Deutschland. Der berühmte deutsche Produzent Siggi Loch wollte ihn berühmt machen und richtete üppig an. Hepp arbeitete mit den besten Leuten aus der deutschen Unterhaltungsbranche. «So gut wie Udo Jürgens singe ich allemal», sagte Hepp selbstbewusst. Doch plötzlich landete er in der Schlager-Schublade und wurde mit Angeboten und Forderungen überhäuft. Er zog die Notbremse.

Unglaublich: Er hat einen Millionendeal ausgeschlagen

Und wieder war es Siggi Loch, der Hardy Hepp mit einem Millionendeal lockte. Hepp nahm in den USA mit erstklassigen Jazz- und Studiomusikern das Album «Hardly Healed» auf, doch den Plattenbossen von Warner missfiel das Resultat. Sie boten dem Sänger eine Million an, wenn er statt seinen Songs irgendwelche Verlagssongs singen würde. Er lehnte ab. «Ich bin keine knetbare Masse,» sagte er zu dieser Episode. Danach galt er als nicht markttauglich.

Doch aufgeben war für einen Hepp keine Option. Er schrieb Filmmusik für Xavier Koller  («Das gefrorene Herz», 1979 und «Der schwarze Tanner, 1985), spielte in wechselnden Formationen mit Grössen wie Andreas Vollenweider, Max Lässer, Fredy Studer, Christiy Doran und der Grammy-Gewinnerin Anita Kerr. Veröffentlichte ehrgeizige Alben, die kommerziell erfolglos blieben. Er produzierte «Grüezi wohl, Frau Stirnimaa» von den Minstrels, der Mundartmusik stand er aber lange skeptisch gegenüber. Erst mit dem Heppchor, einem Frauenchor, fand er in den 90er-Jahren eine eigene Form. Der Durchbruch blieb dennoch aus.

Massenveranstaltungen reizten Hepp im Laufe der Jahre immer weniger, weshalb er sich zum Kunstmaler entwickelte und sich mit seiner Frau Hanna in eine ehemalige Seidenfabrik im thurgauischen Wallenwil zurückzog, wo er bis zuletzt lebte.

Er stand sich oft selbst im Weg

Der liebenswerte Querkopf stand sich im Laufe seiner Karriere oft selbst im Weg. War zu unbequem, reagierte zu wenig diplomatisch. Mit seiner impulsiven Art konnte er viele Leute vor den Kopf stossen. «Er war immer ‹fadegrad›, unverblümt. Passte ihm etwas nicht, rief er aus. Aber nie ohne Grund», schrieb Pepe Lienhard in Hepps letztjähriger Biografie «Mein Leben als Musiker und Maler». Mit seiner Art habe er sich viele Wege verbaut. «Wenn es irgendwo einen Fettnapf gab, sprang er mit beiden Beinen hinein», so Lienhard.

Doch Hepps Beitrag, seine Leistung für die Entwicklung von Pop und Rock in der Schweiz kann nicht überschätzt werden. Er war schon länger krank, hatte Probleme mit der Leber. Trotzdem ging er bis zuletzt auf Lesetour, obwohl er zusehends schwächer wurde. «C’est la vie. Mir schterbed glii», pflegte er dazu zu sagen. Nun ist Hardy Hepp am 26. Januar im Alter von 81 im Spital in Frauenfeld gestorben.

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