Schweiz
Natur

Höhenangst und Höhenschwindel werden von Wanderern zu oft vernachlässigt

Lisengrat
Der Lisengrat beim Säntis: Hier solltest du schwindelfrei sein.

Dieses Problem hat rund ein Drittel der Bergwanderer – und viele unterschätzen es

Höhenangst oder Höhenschwindel sind verbreiteter als gedacht. Trotzdem spielen sie bei der Tourenplanung oft nur eine Nebenrolle. Das kann fatal enden.
07.05.2026, 09:2107.05.2026, 11:28

Fast 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung wandern regelmässig. Im Schnitt müssen jedes Jahr 40'000 Personen nach einem Wanderunfall ärztlich behandelt werden, 45 Menschen sterben. Um Unfälle zu vermeiden, ist vor allem eines entscheidend: Die gewählte Tour muss zu den eigenen Fähigkeiten passen.

Doch da «vergessen» Schweizerinnen und Schweizer meist einen Punkt: die Höhenangst oder den Höhenschwindel. Knapp ein Drittel der Bergwanderinnen und Bergwanderer in der Schweiz leidet unter Höhenangst oder Höhenschwindel. Bei der Tourenplanung spielt die Schwindelfreiheit jedoch oft nur eine Nebenrolle. Das zeigt eine neue Erhebung der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU.

schwindelfrei
Wer Höhenangst hat, geht hier besser nicht lang.bild: Reto fehr

Mehr Frauen als Männer betroffen

Die BFU hat Bergwandernde an über 20 Standorten in der Schweiz befragt. Das Ergebnis: Fitness (56 %) und Trittsicherheit (32 %) werden als entscheidende Voraussetzungen für Bergwanderungen genannt – Schwindelfreiheit hingegen deutlich seltener (18 %).

Dabei leidet knapp ein Drittel der Befragten selbst unter Höhenangst oder Höhenschwindel; bei Frauen sind es 32 %, bei Männern 23 %. Mit zunehmendem Alter steigt dieser Anteil.

So zeigt sich Höhenangst

Bist du auch betroffen? Schwindel, Schwitzen, Herzrasen, ein Engegefühl in der Brust oder sogar Atemnot: Das sind typische Anzeichen akuter Höhenangst. Die Koordination leidet, das sichere Vorwärtskommen ist beeinträchtigt und das Sturzrisiko steigt.

Lisengrat Säntis
Unterwegs auf dem Lisengrat Richtung Säntis. Da darfst du dir an manchen Stellen keinen Fehltritt erlauben.Bild: Reto Fehr

Das Gegenstück zur Höhenangst ist die Schwindelfreiheit. Sie ist eine zentrale Voraussetzung, um in den Bergen sicher zu wandern – und genauso wichtig wie Fitness und Trittsicherheit. Allerdings wird ihre Bedeutung häufig unterschätzt, wie die neuste Umfrage der BFU zeigt.

Wird zu wenig berücksichtigt

Die Erhebung zeigt zudem: Die meisten Wandernden berücksichtigen bei der Planung Faktoren wie Distanz, Höhenmeter, Schwierigkeit, Zeitbedarf und Wetter. Doch fast ein Drittel bezieht die Gefährlichkeit einer Route – etwa, wie exponiert das Gelände ist (d. h., ob man an Steilhängen oder Abgründen entlanggeht) – oder die aktuellen Verhältnisse vor Ort nicht ausreichend mit ein.

Nur 18 Prozent der Befragten nennen Schwindelfreiheit als wichtige Voraussetzung für eine Bergwanderung.

Leidest du auch unter Höhenangst?
An dieser Umfrage haben insgesamt 2341 Personen teilgenommen

Wenn es Zweifel gibt: Dreh um

Wer um seine Höhenangst weiss, sollte auf Wege ohne ausgesetzte Passagen ausweichen und sich nur schrittweise an anspruchsvolleres Gelände herantasten. Eine gute Orientierung bieten hier die gelb markierten Wanderwege, die in der Regel weniger durch sehr steiles, anspruchsvolles Gelände führen als die weiss-rot-weiss markierten Bergwanderwege.

Wer trotz Vorsicht an eine ausgesetzte Stelle gerät, sollte wenn möglich umkehren. Im Zweifel gilt: Umkehren ist kein Scheitern, sondern gutes alpines Verhalten.

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