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Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel kritisiert Dichtestress-Vorwürfe in Zügen

Ex-SBB-Chef über Dichtestress-Thematik: «Kann dieses Gejammer nicht mehr ernst nehmen»

13.05.2026, 08:0913.05.2026, 08:09

Der frühere SBB-Chef Benedikt Weibel hat laut der «NZZ» im Zusammenhang mit dem Unterhaltsrückstand der SBB von 9,5 Milliarden Franken fehlenden Mut der Bahnführung kritisiert. Es wäre Aufgabe der SBB gewesen, die «Notbremse zu ziehen», sagte er im Interview.

Der ehemalige SBB-Chef Benedikt Weibel. Aufgenommen am 30. Juni 2014 beim Medienhaus der Aargauer Zeitung in der Telli in Aarau.
Benedikt Weibel war von 1993 bis 2006 Chef der SBB.Bild: THE

Die SBB hätten es versäumt, auf das Ungleichgewicht zwischen Ausbau und Unterhalt hinzuweisen. «Das braucht Mut, weil vor allem die Kantone und viele Parlamentarier liebend gerne immer noch mehr Ausbauprojekte verlangen, um bei der Bevölkerung zu punkten», sagte Weibel in dem am Mittwoch veröffentlichten Gespräch.

Das habe dazu geführt, dass heute zu viele Projekte geplant seien, die sich nicht mehr alle rechtzeitig realisieren liessen. Projekte wie der Durchgangsbahnhof Luzern oder das Herzstück Basel würden gemessen an den hohen Kosten keinen ausreichenden Nutzen bringen. «Das Wichtigste ist, dass die SBB dem Unterhalt ab sofort oberste Priorität geben», sagte Weibel. Man sehe, wie die Situation in Deutschland sei. Und: «Hat der Investitionsrückstand erst einmal ein bestimmtes Mass erreicht, lässt er sich kaum mehr aufholen.»

Dichtestress: «Ein hochgeschaukeltes Problem»

Mit Blick auf die Debatte vor der Abstimmung über die 10-Millionen-Initiative der SVP relativierte Weibel zudem Klagen über «Dichtestress» im Verkehr und fehlende Sitzplätze in Zügen. «Ich kann dieses Gejammer nicht ernst nehmen», sagt er. So finde er im Zug fast immer einen Sitzplatz. Das Problem werde hochgeschaukelt, zudem gebe es auch ohne neue Ausbauten noch grosses Potenzial. Ein Grossteil des Verkehrs sei nicht durch Erwerbsarbeit bedingt, sondern durch Freizeitaktivitäten.

Durch die Digitalisierung der Bahn liessen sich bestehende Infrastrukturen zudem besser nutzen, etwa mit Fahrassistenzsystemen. «Die Digitalisierung der Bahn kostet jedoch Milliarden und stellt hohe Anforderungen an das Projektmanagement. Erst wenn der Fahrplan für die Digitalisierung steht, sollte die Schweiz weitere Ausbauprojekte planen», sagte Weibel weiter. (dab/sda)

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juergen
13.05.2026 08:45registriert Juli 2025
Klar sind die Züge voll. Aber ganz ehrlich, das ist doch auch das Ziel, oder nicht? Jeder der mit dem Zug fährt, verzichtet damit auf das Auto.
Bezüglich fehlende Sitzplätze:
Ich fahre jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit. Was mir oft auffällt, viele Leute parkieren ihren Koffer oder ihre Tasche auf dem benachbarten Sitzplatz. Aber anstatt zu fragen ob der Platz evtl. noch frei ist, laufen die meisten Leute frustriert weiter. Wieso?
Klar ist es eine Unart, sein Gepäck auf, anstelle unter den Sitzen zu platzieren. Aber come on, fragen kann man ja trotzdem..!
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Chuchichäschtli
13.05.2026 08:25registriert März 2022
Wobei man hier anmerken muss dass Herr Weibel sehr wahrscheinlich ein gratis GA erster Klasse auf Lebzeiten hat.
In dieser Situation würde ich auch immer einen freien Sitzplatz finden.
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who cares?
13.05.2026 09:40registriert November 2014
Halbleere Züge sind nicht kostendeckend. Es ist also gut, dass die Züge gut ausgelastet sind. Als 2. Klasse Stosszeitenpendler auf einer stark besuchten Strecke finde ich jedenfalls immer einen Sitzplatz. Man muss sich halt ein bisschen auf den Zug verteilen und nicht gleich dort einsteigen, wo man auf den Perron kommt. <15 Minuten Fahrt braucht keine garantierten Sitzplätze, so wird es in allen Grossstädten ausserhalb der Schweiz gehandhabt. In den Metros stehen 80% der Leute, Sitzplätze sind vorwiegend für jene, die es benötigen. Klassisches Schweizer Mimimi
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