Schluss mit zu spät gelösten Tickets – Neues System soll ÖV-Reisende automatisch einloggen
Das Privileg, keinen Gedanken an ein gültiges Ticket verschwenden zu müssen, blieb bis jetzt denjenigen vorenthalten, die sich ein Generalabonnement oder ein Monatsabo leisten konnten. Alle anderen dürften sich wohl bereits einmal in der Situation befunden haben, ein Ticket zu spät oder in letzter Sekunde vor der Abfahrt gelöst zu haben. Während die Easy-Ride-Funktion einem die exakte Eingabe von Start und Ziel abnimmt, erlöst sie einen nicht davon, diese rechtzeitig vor der Abfahrt zu aktivieren. Das könnte sich in Zukunft ändern.
Check-in soll überflüssig werden
Die Dachorganisation aller öffentlichen Verkehrsbetriebe der Schweiz, die Alliance SwissPass, gibt gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen bekannt, ein neues Ticketing-System testen zu wollen. Mit dem niedlich klingenden Namen «Bibo», was für «Be in – Be out» steht, soll dieses automatisch erkennen, wenn Reisende ein öffentliches Verkehrsmittel betreten und dann ein Ticket aktivieren. Das System berechnet automatisch den Preis für die zurückgelegte Strecke, basierend auf dem automatisch ermittelten Ein- und Ausstiegspunkt der Nutzenden. All dies, ohne dass die Reisenden aktiv eine Fahrt lösen müssen.
Funktionieren soll das System mithilfe sogenannter Beacons, also kleiner Signal-Sender, die erkennen, wenn Personen mit der App ein- oder aussteigen. «Das gesamte Rollmaterial der SBB ist bereits mit den nötigen Bluetooth-Installationen ausgestattet», sagt SBB-Digital-Business-Leiter Parand Rohani gegenüber dem SRF. Dies gelte jedoch noch nicht für internationale Züge wie ICE, TGV und wenige weitere Spezialfälle, ergänzt ein Sprecher der Alliance Swisspass.
Testphase wird über Einführung entscheiden
Getestet wird das neue System ab Ende April in einem zweimonatigen Feldversuch. Dabei werden rund 3000 ÖV-Nutzerinnen und -Nutzer «Bibo» auf dessen Alltagstauglichkeit testen. Die SBB geben bereits bekannt, das System in ihre SBB-Mobile-App integrieren zu wollen, sollte der Test erfolgreich verlaufen. Die Kundenorganisation Pro Bahn begrüsst das neue System ebenfalls, vorausgesetzt, dass etablierte Varianten wie Easy-Ride oder auch der klassische Verkauf am Ticketautomaten oder Schalter den ÖV-Reisenden erhalten bleiben. Ob und wann die neue Ticket-App lanciert wird, hängt auch von der Testphase ab, genaue Aussagen dazu kann die Alliance Swisspass aktuell nicht treffen.
Datenschutzrechtlich aktuell keine Bedenken
Solche technischen Neuerungen gehen meist auch mit einer Mehrzahl von erhobenen Kundendaten einher. Ein Sprecher der Alliance Swisspass bekräftigt gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone SDA, dass keine Daten an Dritte weitergegeben würden. Von Seiten der Schweizerischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten bestehe grundsätzlich kein Problem mit dem neuen System, wie diese gegenüber SRF auf Anfrage erklären. Diese würden das Projekt eng begleiten und könnten, falls nötig, beratend oder aufsichtsrechtlich in die Entwicklung und Lancierung des neuen Bibo-Systems eingreifen. (jul)
