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Run auf den Äscher im Appenzell: Wie viele Touristen verträgt der schönste Ort der Welt? 

Fluch oder Segen? Seit US-Newsportale die Bergbeiz Äscher hypen, steht sie auf der To-do-Liste immer mehr amerikanischer, aber auch asiatischer Touristen. 



Das Berggasthaus Äscher wird von Jahr zu Jahr internationaler. Seit Newsportale und US-Schauspieler wie Asthon Kutcher das Berggasthaus als «interessantestes Restaurant der Welt» und «besten Ort der Erde» rühmen, pilgern Gruppen von US-Amerikanern und auch immer häufiger Asiaten zum Restaurant unter dem Fels im Alpstein. 

National Geographic

Die National Geographic Society wurde am 13. Januar 1888 von 33 Männern in den USA gegründet. Zweck der Vereinigung war und ist, geografische Kenntnisse der Allgemeinheit nahezubringen. Neun Monate nach der Gründung erschien das erste National-Geographic-Magazin. 1905 erfand der Chefredakteur Gilbert Hovey Grosvenor den eigentlichen Fotojournalismus, für den das Magazin mit spektakulären Farbfotografien noch heute bekannt ist. Das «National Geographic» gewann zahlreiche Preise, im Jahr 1982 hatte es eine Auflage von fast 11 Millionen Exemplaren. (feb)

Ein Ende des Hypes ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Dass der Äscher das Titelbild des «National-Geographic»-Buches «Places of a Lifetime» schmückt, welches ab 27. Oktober in die Buchhandlungen kommt, verleiht der Bekanntheit des Äschers noch einmal einen Schub.  

«Heute kommen sie sogar mit Rollkoffern»

Ist diese Entwicklung gefährlich? Sind zu viele Gäste, immer mehr Touristen, irgendwann zu viel? Pächterin Nicole Knechtle freut sich primär über die stetig steigenden Besucherzahlen des Restaurants und der Übernachtungen. Dass dies störend werden könnte, glaubt sie nicht. Mehr als voll könne das Gasthaus ja nicht sein, meint sie. «Auffallend ist aber, dass tatsächlich immer mehr Ausflügler mit Halbschuhen, Handtaschen und gar Rollkoffern vorbeikommen», sagt Knechtle. 

Das Berggasthaus Äscher.

Der Äscher ist bei schlechtem Wetter gut besucht. bild: watson

Fotograf Peter Böhi ist für die rasch wachsende Berühmtheit des Äschers mitverantwortlich. Viele ausländische Portale benutzten sein Bild, wenn sie über den Äscher berichteten und es ist auch seine Fotografie, die «National Geographic» für das Titelbild ausgewählt hat. 

Aus der Wanderung wurde ein Spaziergang 

Böhi verfolgt die Entwicklung mit gemischten Gefühlen: Er befürchtet, der Äscher könnte – ähnlich wie die Kapellbrücke oder das Jungfraujoch – bald von Touristen überschwemmt werden. Der Wanderweg von der Ebenalp über das Wildkirchli zum Äscher sei schon jetzt nicht mehr wie früher. Was vor noch nicht allzu langer Zeit noch eine Wanderung gewesen sei, sei jetzt ein Spaziergang. «Jeden Stein hat man aus dem Weg geräumt», sagt Böhi. Er hoffe, dass das Ursprüngliche, das Natürliche nicht noch weiter verloren gehe. 

Daniela Bär von Schweiz Tourismus glaubt hingegen nicht, dass der Zauber des Äschers verlorengeht: «Bis aus einem Hype ein störender Massenandrang wird, braucht es einiges mehr als das weltweite Echo», sagt sie. 

Rösti mit Ketchup 

Beispiele wie die Schnee-Affen im japanischen Jigokudani in der Nähe von Nagano zeigen jedoch, dass zu viel Tourismus schädlich sein kann. Bilder der in heissen Quellen badenden Tiere eines «National-Geographic»-Reporters machten den Ort berühmt und seither strömen die Massen zu den Affen. Die heissen Quellen sind längst von künstlichen Betonbecken umfasst, die Affen werden angefüttert, der ursprüngliche Charme ist verlorengegangen. 

epa04030360 Japanese Macaque monkeys soak in the warmth of mountain hotsprings at Jigokudani Monkey Park, in Yamanouchi, central Japan, 19 January 2014. The Japanese Macaques (Macaca fuscata), also referred to as Snow Monkeys, live freely in this area that is covered by snow one third of the year. Jigokudani is the only known place in the world where monkeys bathe in natural hot springs. As a habit, they come down from the mountains where they spend the night and bath during the day. The monkeys can be viewed live on the internet.  EPA/KIMIMASA MAYAMA

Im Winter hocken die Affen freiwillig in die heissen Quellen. Damit sie es auch immer Sommer tun, wird Futter ins Wasser geworfen.  Bild: KIMIMASA MAYAMA/EPA/KEYSTONE

Auf dem Äscher will man dem entgegenwirken, indem man möglichst wenig verändert. Die Menükarte gibt es jetzt auf englisch, und wenn Amerikaner fragen, erhalten sie auch Ketchup zur Rösti. Allerdings nur mit dem Hinweis, dass sie ohne besser schmecke, sagt die Äscher-Pächterin Knechtle. 

Lese morgen den letzten Teil der Äscher-Trilogie. Fotograf Peter Böhi sagt im Interview, was ihm durch den Kopf ging, als er das Foto seines Lebens schoss. Hier geht es zu Teil 1

Das Haus am Fels

Zum Berggasthaus Äscher führen verschiedene Wege. Bei der einfacheren Route nimmt man die Luftseilbahn von Wasserauen AI hoch zur Ebenalp. Von dort sind es über das Wildkirchli rund 20 Minuten zum Äscher, der auf 1454 Metern über Meer liegt. Die anspruchsvollere Variante führt von Wasserauen hoch zum Seealpsee, von dort zum Äscher und schliesslich über das Wildkirchli auf die Ebenalp. Drei Stunden müssen dafür eingerechnet werden. Im Äscher gibt es Übernachtungsmöglichkeiten für 45 Gäste. Im Preis von 45 Franken ist das Frühstück inbegriffen. Das Gasthaus ist von 1. Mai bis zum 1. November geöffnet. Seit 28 Jahren führt das Haus die Familie Knechtle, seit zwei Jahren heissen die Pächter Nicole und Bernhard Knechtle. (feb)  

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    Alle Leser-Kommentare
  • herschweizer 06.10.2016 10:18
    Highlight Highlight Den Schaden sollte man National Geographic in Rechnung stellen oder die Preise verzehnfachen...
  • Merida 16.08.2015 11:24
    Highlight Highlight Vor ca. 30 Jahren wäre mein Vater auf dieser Wanderung (zwischen Äscher und Seealpsee) fast abgestürzt. Die ganze Familie war mit Wanderschuhen ausgerüstet und wir waren regelmässig in den Bergen.

    Ich frage mich, ob es eine wünschenswerte Entwicklung ist, wenn immer mehr Touristen in Halbschuhen im Alpstein oder auf anderen Bergen unterwegs sind... (Siehe Pilatus)
  • Tatwort 15.08.2015 19:01
    Highlight Highlight Und für jene Wochenend-"Bergsteiger", welche National Geographic nur vom Hörensagen kennen und deshalb das Äscher nie besucht hätten, weist watson darauf hin... und damit auch ja der hinterletzte Städter es weiss, wird noch dezent darauf hingewiesen, dass die Steine aus dem Weg geräumt wurden.
    Danke, watson. Danke.
    • philipp meier 16.08.2015 20:40
      Highlight Highlight als ob alle, die auf dem land wohnen, berggänger wären 😉

      btw: es gibt nicht wenig städter, die solche beschreibungen abschrecken, weil sie lieber eine richtige wanderung unternehmen, als nur ein bisschen in den bergen spazieren zu gehen.

      ich kann jedoch mitfühlen. ich kenne ein ähnliches bijou ganz i.d.nähe von zürich und bin froh, dass es keine hype drum gibt (obwohl es auch mit einem spaziergang zu erreichen ist;)
    • Don Huber 17.08.2015 09:37
      Highlight Highlight Philipp komm sag welches bijou ist es in Zürich ?? :-)
    • Tatwort 17.08.2015 09:47
      Highlight Highlight Bijou? Nähe von Tsüri? Spaziergang? Damit kann nur der Fressbalken gemeint sein!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dubliner 15.08.2015 14:22
    Highlight Highlight "Der schönste Ort der Welt"? Ernsthaft?!
  • tomdance 15.08.2015 12:54
    Highlight Highlight Wtf? Der Wirt soll auf Umsatz verzichten, damit wir Wohlstandskinder die Berghütte nicht mit anderen Touris teilen müssen? Gahts no? Wer etwas gegen eine volle Berghütte hat geht entweder nicht hin oder kauft sie. Alle anderen geniessen die Aussicht.
    • gjonkastrioti 15.08.2015 19:13
      Highlight Highlight Darum geht es nicht. Niemand hat etwas gegen Touristen. Allerdings ist für gewisse Touristen (auch Schweizer) das Besuchen des Ortes eher ein Abhacken als ein Geniessen. Für die Betreiber fallen durch diese fehlende Anpassung Arbeiten an wie die Modernisierung des WCs, Verbesserung der Zugänge und Anpassung der Menukarte an Veganer und Glutenintolerante. Das ist alles harmlos. Sobald allerdings neue Zusatzanbauten oder Aussichtsplattformen folgen, besteht die Gefahr, dass der Ort genau das verliert, was ihn ursprünglich für Touristen attraktiv gemacht hat: Die Natürlichkeit und Urtümlichkeit.
    • tomdance 15.08.2015 21:47
      Highlight Highlight @acame: Mir ist es egal, ob jemand nur die Destination abchecken will oder ob der Alltag vergessen werden soll. Und gegen eine Modernisierung der WC's habe ich nichts. Das ist wohl eher im Sinne der Umwelt. Und was eine Ausbau betrifft: hier gibt es Gesetze. Deshalb finde ich diese leichte Alarmstimmung einfach nur unnötig.
  • Caturix 15.08.2015 12:46
    Highlight Highlight Zitat: Beispiele wie die Schnee-Affen im japanischen Jigokudani in der Nähe von Nagano ... seither strömen die Massen zu den Affen. Die heissen Quellen sind längst von künstlichen Betonbecken umfasst, die Affen werden angefüttert, der ursprüngliche Charme ist verlorengegangen.

    Ich glaube die Apenzeller muss man nicht anfüttern. Und der Beton bedeckt sowieso bald das ganze Land.
  • stadtzuercher 15.08.2015 11:11
    Highlight Highlight "Daniela Bär von Schweiz Tourismus glaubt hingegen nicht, dass der Zauber des Äschers verlorengeht: «Bis aus einem Hype ein störender Massenandrang wird, braucht es einiges mehr als das weltweite Echo», sagt sie. "
    -
    Gewisse Zeitgenossen würden skruppellos alles vermarkten und ausverkaufen, wenns mehr Rendite und Cash bringt. Die Organisation Schweiz Tourismus gehört dazu.
    • Androider 15.08.2015 13:03
      Highlight Highlight Was Daniela Bär eigentlich sagen wollte: "Ach, im Prinzip ist es uns scheissegal, hauptsache die Touristen geben schön viel Geld aus." ^^

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