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«Rock fürs Vaterland», ein Flyer lädt zum Konzert mit einschlägig bekannten Neonazi-Bands.  Bild: twitter

Neonazis rufen zum «Rock fürs Vaterland» am 1. August. Der Schweizer Nachrichtendienst ist alarmiert

Gleich zwei Flyer aus der rechtsradikalen Szene kursieren im Internet. Beide rufen zu Rechtsrock-Konzerten am Schweizerischen Nationalfeiertag auf. Eines wird in der Romandie stattfinden, das andere in Zürich. Der Nachrichtendienst hat die Events im Visier. 



Die Flugblätter tauchten in der rechtsextremen Szene auf, bald darauf publizierte sie die Berner Antifa auf Twitter: Aufrufe zu Konzerten am 1. August mit einschlägig bekannten Neonazi-Bands. 

In Zürich ist die Schweizer Rockband «Amok» aus dem Neonazi-Netzwerk-Umfeld «Blood and Honour» angekündigt. Die vier Mitglieder der Band sind wegen Widerhandlungen gegen die Rassismus-Strafnorm vorbestraft. Auf ihrem ersten Album «Verbotene Wahrheit» leugneten sie unter anderem den Holocaust und drohten dem Journalisten und Politiker Hans Stutz mit dem Tod, der für seine Recherchen in der rechtsextremen Szene bekannt ist. 2015 brachten «Amok» ihr neustes Album «Das Lumpenpack von Bern» heraus. 

Auch eingeladen sind auch die Musiker «Die Lunikoff-Verschwörung». Die bekannte Rechtsrockband aus dem Raum Berlin wurde von Michael Regener (Nickname «Lunikoff») gegründet – eine Kultfigur der Neonazi-Szene. Seine letzte Band «Landser» wurde in Deutschland als kriminelle Vereinigung eingestuft. Das Berliner Kammergericht verurteilte den Sänger 2003 zu drei Jahren und vier Monaten Haft. Weiter in Zürich angekündigt sind die Bands Flathead FH:33 aus Grossbritannien und Kommando S3 aus Deutschland.  

Stadtpolizei Zürich hat Kenntnis von dem Flyer

Zum genauen Ort des Events ist nichts bekannt. «Weitere Infos folgen», steht auf dem Flyer. Geworben wird für die Konzerte bis ins Blood-and-Honour-Forum nach Schweden. Dort wird das Plakat als «Upcoming Event» publiziert. 

Samuel Althof von der Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention zeigt sich angesichts des Flyers überrascht. «In den letzten Jahren war es relativ ruhig in der Szene», sagt er. Althof relativiert auch: «Es ist Teil des Extremismus-Problems, dass die Flyer und Veranstaltungen möglichst gross und beeindruckend oder erschreckend wirken sollen», sagt er. Ob tatsächlich grosse Neonazi-Gruppen aus dem Ausland einreisen würden, sei fraglich. «Manchmal sind das am Ende Veranstaltungen mit nicht mehr als rund 80 Leuten.»

Die Stadtpolizei Zürich ist jedenfalls alarmiert. Sie hat Kenntnis von dem angekündigten Event. «Der Flyer ist uns bekannt und entsprechende Abklärungen sind eingeleitet», sagt Stapo-Sprecher Adrian Feubli gegenüber watson. 

Schweizer Nachrichtendienst kooperiert mit Polizeien

Auch der zweite Anlass, der gemäss watson-Recherchen in der Romandie stattfinden soll, blieb den Strafverfolgungsbehörden nicht verborgen. Hier ist für den 1. August ein Event mit der französischen Band «Wolfsangel» angekündigt. Die Wolfsangel ist ein Jagdgerät, das früher zum Fang von Wölfen eingesetzt wurde. Das Symbol wird von Rechtsextremisten und Neonazis in aller Welt benutzt. Auftreten werden zudem die portugiesische Band «Blood In Blood Out», «Frakass» aus Frankreich und «Honor» aus Polen. 

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Bild: twitter

Dem Nachrichtendienst des Bundes sind diese Fakten bekannt. «Der NDB steht mit den entsprechenden kantonalen Polizeikorps in Kontakt», sagt die Kommunikationsverantwortliche Isabelle Graber. 

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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Sigmund Freud
21.07.2015 18:33registriert December 2014
Was bitte schön haben Hass, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt und Leugnung des Holocausts mit den drei Waldstätten, der modernen Schweiz oder mit Schillers Willi Tell zu tun ?
Richtig! Gar nichts. Wenn diese Kriminellen ihr Land also wirklich so sehr lieben, sollten sie nicht dir Regierung durch den Dreck ziehen, die eigene Geschichte verstehen und am Geburtstag der Schweiz (der zwar an einem anderen Datum ist) feiern und nicht poltern.
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Zetomir
21.07.2015 20:19registriert June 2015
ich kann leider nicht Tuba spielen... :(
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stadtzuercher
21.07.2015 21:42registriert December 2014
Ich schätze da gibts noch einige SVP-Gemeindepräsidenten, die sich wohl nicht wehren würden, fänden diese Konzerte in ihren Gemeinden statt.
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