«Illegale Forderungen»: Neuer Bericht belastet Waadtländer Staatsrätin Dittli weiter
Die Waadtländer Staatsrätin Valérie Dittli wird in einem Bericht des Grossen Rates scharf kritisiert. Dieser deckt «mangelhaftes Management, Misstrauen gegenüber der Verwaltung und unzureichend begründete Entscheidungen» auf. Ausserdem habe Dittli ihre Kompetenzen überschritten und das Kollegialitätsprinzip gebrochen.
Diese Probleme hätten «die institutionelle Funktionsweise geschwächt und das Personal beeinträchtigt». Das heisst es in einem am Montag präsentierten Bericht der Delegation der Aufsichtsbehörden des Grossen Rates, die die Untersuchung zu den Problemen innerhalb des Finanzdepartements durchgeführt hat, das früher von Dittli geleitet wurde.
Diese Delegation war im März eingesetzt worden, um Klarheit über den Bericht Studer zu erhalten. Auch dieser hatte mehrere Missstände innerhalb der Waadtländer Steuerbehörde festgestellt.
Die Aufsichtsdelegation beschreibt eine Staatsrätin, die für solche Aufgaben «unzureichend vorbereitet» war, sowie Kommunikationsprobleme und «unangemessene» oder sogar «illegale Forderungen». Einige Mitarbeitende hätten stark gelitten. Ob es Mobbing gewesen sei oder nicht, sei nicht an der Delegation zu beurteilen. Viele Aspekte seien die «Konsequenz ihrer politischen Unerfahrenheit», hiess es auf die Frage eines Journalisten.
Kein Aufruf zu Rücktritt
Dittli habe Kompetenzen überschritten und das Kollegialitätsprinzip «gebrochen», stellte der Bericht der Aufsichtsdelegation weiter fest. Der Bericht enthält 24 Empfehlungen und wird am 20. Januar im Grossen Rat diskutiert werden. Es sei am Parlament, die richtigen Schlüsse zu ziehen: «Wir appellieren nicht an einen Rücktritt von Valérie Dittli,» wurde betont.
Die ursprünglich aus dem Kanton Zug stammende Dittli war 2022 für die Mitte-Partei überraschend in die Waadtländer Regierung gewählt worden. Damals war sie erst 30-jährig. Am 21. März 2025 wurde Dittli mit sofortiger Wirkung die Verantwortung für die Finanzen und Steuern entzogen worden, nachdem eine externe Untersuchung des früheren Neuenburger Regierungsrates Jean Studer Missstände in ihrem Departement aufgezeigt hatte.
Dieser Bericht zeigte insbesondere eine «schwer beeinträchtigte Zusammenarbeit» zwischen Dittli und ihrer Generaldirektorin für Steuern, Marinette Kellenberger, auf. Dieses schlechte Einvernehmen erstrecke sich «über die beiden Protagonisten hinaus» und beeinträchtige «das gute Funktionieren des Staates», so die Schlussfolgerung des Studer-Berichts. Die in diesem Bericht kritisierte Steuerchefin Kellenberger ging vorzeitig in Pension. (dab/sda)
