Schweiz
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Neuer Bericht belastet Waadtländer Staatsrätin Dittli weiter

«Illegale Forderungen»: Neuer Bericht belastet Waadtländer Staatsrätin Dittli weiter

12.01.2026, 13:4912.01.2026, 13:49

Die Waadtländer Staatsrätin Valérie Dittli wird in einem Bericht des Grossen Rates scharf kritisiert. Dieser deckt «mangelhaftes Management, Misstrauen gegenüber der Verwaltung und unzureichend begründete Entscheidungen» auf. Ausserdem habe Dittli ihre Kompetenzen überschritten und das Kollegialitätsprinzip gebrochen.

La conseillere d'Etat vaudoise Valerie Dittli parle lors de la conference de presse de presentation du projet de budget 2026 de l'Etat de Vaud ce mercredi, 24 septembre 2025 a Lausanne. (KEY ...
Die Waadtländer Staatsrätin Valérie Dittli.Bild: keystone

Diese Probleme hätten «die institutionelle Funktionsweise geschwächt und das Personal beeinträchtigt». Das heisst es in einem am Montag präsentierten Bericht der Delegation der Aufsichtsbehörden des Grossen Rates, die die Untersuchung zu den Problemen innerhalb des Finanzdepartements durchgeführt hat, das früher von Dittli geleitet wurde.

Diese Delegation war im März eingesetzt worden, um Klarheit über den Bericht Studer zu erhalten. Auch dieser hatte mehrere Missstände innerhalb der Waadtländer Steuerbehörde festgestellt.

Die Aufsichtsdelegation beschreibt eine Staatsrätin, die für solche Aufgaben «unzureichend vorbereitet» war, sowie Kommunikationsprobleme und «unangemessene» oder sogar «illegale Forderungen». Einige Mitarbeitende hätten stark gelitten. Ob es Mobbing gewesen sei oder nicht, sei nicht an der Delegation zu beurteilen. Viele Aspekte seien die «Konsequenz ihrer politischen Unerfahrenheit», hiess es auf die Frage eines Journalisten.

Kein Aufruf zu Rücktritt

Dittli habe Kompetenzen überschritten und das Kollegialitätsprinzip «gebrochen», stellte der Bericht der Aufsichtsdelegation weiter fest. Der Bericht enthält 24 Empfehlungen und wird am 20. Januar im Grossen Rat diskutiert werden. Es sei am Parlament, die richtigen Schlüsse zu ziehen: «Wir appellieren nicht an einen Rücktritt von Valérie Dittli,» wurde betont.

Valerie Dittli, conseillere d'Etat vaudoise, arrive lors d'une conference de presse au sujet des mesures prises suite a l'analyse au sein du DFA ce vendredi, 21 mars 2025 a Lausanne. le ...
Valérie Dittli wurde 2022 in die Waadtländer Regierung gewählt.Bild: KEYSTONE

Die ursprünglich aus dem Kanton Zug stammende Dittli war 2022 für die Mitte-Partei überraschend in die Waadtländer Regierung gewählt worden. Damals war sie erst 30-jährig. Am 21. März 2025 wurde Dittli mit sofortiger Wirkung die Verantwortung für die Finanzen und Steuern entzogen worden, nachdem eine externe Untersuchung des früheren Neuenburger Regierungsrates Jean Studer Missstände in ihrem Departement aufgezeigt hatte.

Dieser Bericht zeigte insbesondere eine «schwer beeinträchtigte Zusammenarbeit» zwischen Dittli und ihrer Generaldirektorin für Steuern, Marinette Kellenberger, auf. Dieses schlechte Einvernehmen erstrecke sich «über die beiden Protagonisten hinaus» und beeinträchtige «das gute Funktionieren des Staates», so die Schlussfolgerung des Studer-Berichts. Die in diesem Bericht kritisierte Steuerchefin Kellenberger ging vorzeitig in Pension. (dab/sda)

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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Neruda
12.01.2026 14:08registriert September 2016
Auch wenn Dittli evtl. zu unerfahren war um die Kantonsverwaltung zu führen, hat sie tatsächlich erhebliche Missstände in der Verwaltung aufgedeckt. Zuvorderst die illegale, zu tiefe Besteuerung der Reichen! Und wenn ich dann lese "Misstrauen gegenüber der Verwaltung", dann kann ich nur noch lachen 😄 Logisch misstraut sie einer korrupten Steuerchefin, die illegale Deals mit Reichen vereinbart! Da hat Dittli im Gegensatz zu ihren Amtskollegen eindeutig moralische Integrität gezeigt! Ein weitere Kritikpunkt von ihr war das traditionell arrogante Verhalten der Verwaltung gegenüber dem Bürger.
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El_Chorche
12.01.2026 14:13registriert März 2021
So hätte es wohl auch geklungen, wenn vor der Brandkatastrophe im Wallis einer der dortigen Entscheidungsträger auf lückenlose Kontrollen bestanden hätte.

- Kompetenzen überschritten --> die will uns reinreden!
- Kollegialitätsprinzip gebrochen --> sie deckt nicht unser Nichtstun
- politischen Unerfahrenheit --> das haben wir noch nie so gemacht
- Misstrauen gegenüber der Verwaltung --> wieso müssen wir jetzt Quittungen vorlegen?

Verdächtig.
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jojo12
12.01.2026 14:21registriert März 2017
Es scheint mir doch, dass da eine junge Frau ein illegales Steuersystem aufgedeckt hat und das korrigieren wollte. Die bisherigen Arbeitenden in diesem System so weitermachen wollten wie bisher. Langsam scheinen mir da die mächtigen Mischler der Waadt sehe verdächtig. Sie hatten der unerfahrenen wohl diesex Departement gegeben, in der Hoffnung, dass sie nichts merkt.
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