Schweiz
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Das ist der pikante Whatsapp-Chat, an den sich Pierre Maudet nicht erinnern kann

Beim juristischen Verfahren, das gegen den Genfer FDP-Staatsrat läuft, kommt es zu einer neuen Wendung. Chat-Protokolle zeigen, wie Pierre Maudet mit seinem Copain Simon Brandt über die beste Finanzierungsart eines Festabends diskutierte. Das wirft Fragen auf.

Benjamin Weinmann / ch media



ARCHIVBILD ZUR MELDUNG, DASS DAS GENFER KANTONSPARLAMENT MAUDETS RUECKTRITT FORDERT --- Le conseiller d'Etat genevois Pierre Maudet reagit durant l'assemblee generale extraordinaire du PLR Geneve ce mardi 15 janvier 2019 a Geneve. (KEYSTONE/Valentin Flauraud)

FDP-Staatsrat Pierre Maudet muss sich unangenehmen Fragen stellen. Bild: KEYSTONE

In den vergangenen Monaten war Pierre Maudet so präsent wie seit langem nicht mehr. Der FDP-Staatsrat, der dem Wirtschaftsdepartement der Kantonsregierung vorsteht, nutzte die Gunst der Corona-Stunde, um sich als gewiefter Macher und Vertreter der Gewerbler in Erinnerung zu rufen (CH Media berichtete). Zudem entdeckte er seine Angriffslust wieder und scheute sich nicht, auch Ratskollegen öffentlich zu kritisieren. Dabei ging beinahe vergessen, dass der 42-Jährige noch immer im Fokus juristischer Untersuchungen steht, einerseits wegen seiner gesponserten Abu-Dhabi-Luxusreise, andererseits wegen der Spendenaffäre in Zusammenhang mit der Hotelgruppe Manotel.

Nun holt ihn seine Vergangenheit erneut ein. Vergangene Woche wurde Maudet von der Staatsanwaltschaft bezüglich seiner Feier zum 40. Geburtstag vom 6. März 2018 befragt. Diese wurde von Manotel mitfinanziert. Der Zeitung «Le Temps» liegen die Protokolle der Anhörung vor. Dazu gehören auch pikante Chat-Auszüge zwischen Maudet und seinem Parteikollegen Simon Brandt.

«Ich kümmere mich darum»

Die Gespräche fanden am 3. September 2018 statt, kurz nachdem die Immunitätsaufhebung des Staatsrats beantragt wurde, als es für Maudet also definitiv ernst galt. Zwei Tage später würde Maudet zugeben, bezüglich der Abu-Dhabi-Reise gelogen zu haben. Die Manotel-Spende war bis dahin allerdings noch nicht bekannt.

Gleich zu Beginn kommt Maudet auf die Feier vom 6. März zu sprechen. In der Folge bittet Brand Maudet um einen genauen Betrag, den es zu verrechnen gelte. Danach werden verschiedene Optionen diskutiert, auf welchen Namen die Rechnung laufen und wer sie bezahlen solle. Brandt schreibt zudem, dass er möglicherweise gewisse «sichere Mitglieder» des Komitees warnen müsse. Nicht alle Zusammenhänge und Verweise im Whatsapp-Protokoll sind klar. Doch es zeigt, dass sich Maudet und Brandt der heiklen Lage bewusst waren und im Nachhinein fieberhaft nach der besten Finanzierungsart suchten.

So schreibt Maudet: «Wenn dir wohl dabei ist, gewisse sichere Mitglieder zu kontaktieren, ist das die beste Lösung.» Brandt antwortet, es sei ihm nicht wohl dabei, aber «angesichts der Situation» werde er dies tun. «Ich kümmere mich heute Morgen darum und melde mich wieder bei dir.» - «Ok.»

«Der Schatzmeister hält es für zu riskant»

Brandt meldet sich wieder: «Der Schatzmeister hält es für zu riskant, es so zu tun.» Brandt schlägt erneut vor, dass er Maudet die Rechnung mit einer letzten Mahnung auf seinen Namen lautend schickt. Er könne die Rechnung bei einem gewissen «Philippe» abholen, direkt bezahlen, und Maudet könne ihm (Brandt) dann den Betrag zurückbezahlen.

Brandt schlägt noch eine weitere Möglichkeit vor. «Man könnte sagen, dass Manotel dir angeboten habe, an Stelle der Partei für das Fest zu bezahlen.» Dies würde zeigen, dass Maudet eine Spende abgelehnt habe. In diesem Zusammenhang erwähnt Brandt einen Betrag von 25'000 Franken, der an Manotel zurückbezahlt worden sei. Maudet findet die Idee allerdings «pas bon». «Besser wäre es gewesen, die Spende akzeptiert und den Abend damit bezahlt zu haben. Wir bleiben beim bisherigen Plan.»

Noch bevor er die Gesprächsprotokolle präsentierte, fragte Staatsanwalt Yves Bertossa Maudet beim Verhör, ob er mit Simon Brandt oder «Philippe» über die Finanzierung seiner Geburtstagsfeier gesprochen habe. Maudets Antwort: «Nein, ich glaube nicht.» Mit den Auszügen konfrontiert, die das Gegenteil beweisen und Vertuschungsversuche nahelegen, sagt Maudet laut «Le Temps», dass er sich nicht mehr daran erinnern könne.

Er wisse nicht, worauf sich Simon Brandt im Chatprotokoll beziehe, als er von «sicheren Mitgliedern» sprach. Es falle ihm auch schwer, darüber zu spekulieren, da er sich nicht mehr an das Gespräch erinnere. Er könne sich vorstellen, dass es um zusätzliche Kosten für Kampagnen-Broschüren ging. Aber eben: Er kann sich nicht mehr daran erinnern. (bzbasel.ch)

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30Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pudel im Rudel 30.06.2020 19:38
    Highlight Highlight Schade, jetzt dürfen wir nicht mehr über die Österreicher und ihren Strache lachen.
  • MStgr 30.06.2020 18:33
    Highlight Highlight Als ehrlicher Mensch wird man nur bestraft.. ich glaube ich sollte mal damit aufhören. Wie das am einfachsten geht hab ich ja nun u.a. bei Lauber und Maudet gesehen.
  • Christian Mueller (1) 30.06.2020 18:05
    Highlight Highlight Ich würde in die nächste Stellenbeschreibung oder ins nächste Wahlbüchlein schreiben: Voraussetzung: Durchschnittliches Erinnerungsvermögen.
  • Sälüzäme 30.06.2020 17:08
    Highlight Highlight Wenn er (zu hohen) Spesenabrechnung macht kann er sich aber an jeden Rappen zum aufschreiben errinnern, schon interessant.

    Das die FDP ihn stütz damit er die 8 Jahre ablügen - äh absitzen - kann um dadurch erst die volle Rente von ca. 90'000 pro Jahr zu erhalten, macht beide nicht sympathischer, die Partei und Maudet.

    Ob das der wirkliche Wille vom Wähler und Steuerzahler ist?
  • petrolleis 30.06.2020 17:03
    Highlight Highlight In meinen Augen gibt es 2 Möglichkeiten:
    Korrupt oder senil...
    In beiden Fällen ist er nicht tragbar...
  • N. Y. P. 30.06.2020 16:57
    Highlight Highlight Macht und/oder Geld korrumpiert.

    Maudet, Blatter, Infantino, Beckenbauer, Lauber und noch 66%* aller Politiker auf der Welt.

    *vermutlich zu tief angesetzt.

    Lobbyismus bei uns in der Schweiz hat meiner meiner Meinung nach auch schon ein Geschmäckle. Aber ist ein anderes Thema.
  • Inflatio 30.06.2020 16:40
    Highlight Highlight Temporärer Gedächnisverlust ist eine Grundvoraussetzung, wenn man in die Politik will oder Mänatscherli bei einer Grossbank werden will.
  • Baccaralette 30.06.2020 15:38
    Highlight Highlight Offenbar grasiert neben Corona noch ein weiterer Virus, der das Erinnerungsvermögen von Politikern und anderen hohen Tieren befällt......
  • Lazydavie 30.06.2020 15:36
    Highlight Highlight Riesenskandal. Lügen bis ausgesessen und dann ist gut. Er kann sich nicht mehr daran erinnern? WTF!?!? Lügen kann er ja bewiesenermassen. Wirklich nicht zu glauben. Korrupt bis auf die Knochen und trotzdem noch im Sattel.
  • @BlackStar 30.06.2020 15:11
    Highlight Highlight Wie lange dauern diese Untersuchungen nun schon?
    Da hiess es doch ganz zu Anfang, dass alles klar ist und Herr Maudet sofort abtreten müsse.
    Bis heute ist noch immer keine Anklage gegen ihn erhoben worden. Entweder die Anschuldigungen stimmen nicht oder die Staatsanwaltschaft hat keine stichhaltige Beweise.
    Bitte berichtet wieder über diesen Herrn, wenn es endlich klare Beweise gibt.
  • bastardo 30.06.2020 14:21
    Highlight Highlight Und ob ihr es glaubt oder nicht: Auch euer/eure Lieblingspolitiker/in hat (zumindest ein bisschen) Dreck am Stecken. Macht korumpiert, egal, bei welcher Partei du bist.
    • petrolleis 30.06.2020 17:04
      Highlight Highlight Alle weg bitte!!!
      Egal wer!
      Senil oder korrupt brauchen wir nicht in der Regierung...
  • De-Saint-Ex 30.06.2020 14:13
    Highlight Highlight Politiker ist ja ein wahrer Traumjob! Bombenentlöhnung, grandiose Rente... und null Verantwortung. Tja, hätte ich das mal in Erwägung gezogen...
    • ein bekiffter Holländer 30.06.2020 15:21
      Highlight Highlight Wieso nicht jetzt? Für Politiker besteht keine Altersbeschränkung?
      Seinen Träumen sollte man folgen...
    • petrolleis 30.06.2020 17:08
      Highlight Highlight Ja und ☝️ du (deine Kommentare) machst einen guten Eindruck 😅
  • Paddiesli 30.06.2020 14:05
    Highlight Highlight Leute, wie Maudet oder Lauber, die sich einfach "nicht mehr erinnern", sollten aufhören, sich derart an ihren Job zu klammern mit fadenscheinigen Ausreden. Abstossend!
  • Heini Hemmi 30.06.2020 13:54
    Highlight Highlight Offenbar hat er bei BA Lauber gut aufgepasst: Wenn‘s heikel wird, macht man einfach eine partielle Amnesie geltend - und schon ist man aus dem Schneider!
  • Erieri 30.06.2020 13:44
    Highlight Highlight Maudet, Lauber, haben alle in den oberen Etagen Gedächtnisverlust? Un die arbeiten noch ???
  • TanookiStormtrooper 30.06.2020 13:42
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte bleibe beim Thema und beachte die Kommentarregeln.
  • mon tuno 30.06.2020 13:29
    Highlight Highlight Schon als er als Bundesratskandidat gehandelt wurde war mir der Herr irgendwie suspekt. Bauchgefühl oder Zufall?
    • bastardo 30.06.2020 14:13
      Highlight Highlight Vielleicht bist du ein Medium. Hast du's mal auf einem Gauklerfestival probiert?
    • mon tuno 30.06.2020 20:23
      Highlight Highlight Enttarnt. Ich bin die Inkarnation.
    • Lazydavie 01.07.2020 08:40
      Highlight Highlight von Uriella?
  • iss mal ein snickers... 30.06.2020 13:24
    Highlight Highlight Schon hart wieviele Politiker an einer partielle Amnesie leiden...die Ärmsten...eventuell würde mal eine Untersuchung bei einem Neurologen helfen? Ironie off
    • bärn 30.06.2020 13:45
      Highlight Highlight Nicht nur Politiker, auch Bundesanwälte inkl. deren Crew. Aber vielleicht würde man sie besser zu Urologen schicken, die dann feststellen, dass diese keine Eier haben und endlich zurücktreten
  • Jonas der doofe 30.06.2020 13:14
    Highlight Highlight Ich kann mich nicht daran erinnern...
    .... Das krasse ist doch, dass er damit bestimmt durchkommt. Machen ja auch Bundesanwälte so.
    Nichts neues in Genf
  • MarGo 30.06.2020 13:13
    Highlight Highlight Und so jemand hat seinen Job noch immer?
    hmm... manche sind eben doch "gleicher" als andere...
    • bokl 30.06.2020 13:25
      Highlight Highlight Amtsenthebung ist nicht möglich und daran wie man selber zurücktritt, kann er sich nicht erinnern ...
    • NullAchtFünfzehn 30.06.2020 15:13
      Highlight Highlight Es ist, MarGo, wie bokl sagt.
      Die Staatsverfassung von Genf sieht ein Amtsenthebungsverfahren nicht vor.
      Eventuell ging man beim Verfassen der Verfassung davon aus, dass nur Ehrenmänner (damals wahrscheinlich nur Männer) in den Staatsrat gewählt würden oder dass ein Staatsrat, dem Verfehlungen nachgewiesen wurden, zumindest vor Scham selbst zurücktreten würde. Falsch gedacht!
    • petrolleis 30.06.2020 17:10
      Highlight Highlight Einfach die ganze FDP abwählen... Problem gelöst...

Grenchen: Infizierte Person ging trotz Isolation in Ausgang – 280 Personen in Quarantäne

Am Donnerstagabend wurden rund 280 Personen im Umfeld zweier Veranstaltungen in Grenchen unter Quarantäne gestellt. Eine positiv auf Corona getestete Person hatte trotz Isolation an Veranstaltungen teilgenommen. Der Kanton prüft nun rechtliche Schritte.

Eine positiv auf COVID-19 getestete Person hat vergangenes Wochenende die Isolationsmassnahmen missachtet und zwei Veranstaltungen im Raum Grenchen besucht, teilt der Kanton am Freitag mit. Die Isolationsmassnahme der betreffenden Person sei im Vorfeld kontrolliert worden und es habe kein Anhaltspunkt für ein unkooperatives Verhalten bestanden.

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