bild: watson
Im Wallis wird der Abschuss eines geschützten Tieres gefordert
«Das Gebiet wurde geräumt.» Diese Aussage eines Walliser Jägers, der anonym bleiben wollte, bringt eine wachsende Besorgnis in Teilen des Kantons zum Ausdruck: Der jüngste Anstieg der Luchspopulation geht auf Kosten der Gämsen- und Rehbestände. Bezüglich eines möglichen Regulierungsabschusses erklärte der Mann:
Jean-Frédéric Sierro, Präsident des Jagdverbands Diana Romande, bestätigt, dass «im Wallis aufgrund des Rückgangs des Wildbestands in bestimmten Gebieten Stimmen laut werden». Er räumt ein, dass «ein gewisser Wunsch» bestehe, die «Diskussion» über einen Regulierungsabschuss zu eröffnen.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Diese Spannungen sind Teil eines umfassenderen Trends steigender Luchsbestände im Wallis. Während die Art in den 2010er-Jahren vom Aussterben bedroht war, erlebt die Raubkatze laut den neuesten verfügbaren Daten nun eine deutliche Erholung im Kanton. Dies sei eine beispiellose Entwicklung seit über einem Jahrzehnt, berichtet Raphaël Arlettaz, Professor für Naturschutzbiologie an der Universität Bern:
Seit 2020 hat sich der Trend umgekehrt. Im Winter 2024–2025 gab es 30 unabhängige Luchse und 8 Würfe – ein Rekord seit Anfang der 2010er-Jahre –, die mindestens 11 Jungtiere hervorbrachten, so Arlettaz.
In diesem Kanton, in dem Luchse lange Zeit gewildert wurden, stösst diese Erhöhung nicht überall auf Zustimmung – insbesondere nicht unter einigen Jägern. Die kantonalen Behörden haben diese Praxis dennoch bekämpft und verurteilt. Jean-Frédéric Sierro, Präsident von Diana Romande, stellt unmissverständlich klar: «Der Luchs ist eine streng geschützte Art. Als Diana Romande, Mitglied von ChasseSuisse [dem nationalen Dachverband JagdSchweiz, Anm. d. Red.], unterliegen wir dem Bundesrecht. Hier gibt es keinen Diskussionsspielraum. Es ist nicht Sache eines Jagdverbandes, darüber zu entscheiden – diese Entscheidung obliegt den kantonalen Jagdbehörden.»
Nationalrat Benjamin Roduit (Die Mitte) bestätigte gegenüber watson, dass «auf kantonaler Ebene» schon Diskussionen über einen Regulierungsabschuss stattfinden.
Bei der letzten Versammlung des Kantonalen Walliser Jägerverbandes (KWJV) erklärte der Politiker: «Diskutiert wurde der Schaden, den der Luchs verursacht hatte. Es besteht die Bereitschaft, Massnahmen zu ergreifen. Der Kanton Wallis möchte mit Zustimmung des Bundesamtes für Umwelt ein Pilotprojekt für einen Regulierungsabschuss in einer Zielregion durchführen.»
Roduit betont, dass im März 2026 auch auf Bundesebene eine Motion zur «Anpassung des Konzepts Luchs Schweiz» eingereicht wurde:
Die Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere (DJFW) lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme ab und berief sich auf die Stiftung KORA, welche ihres Zeichens für das Monitoring der Grossraubtier-Populationen verantwortlich ist:
James Derivaz, Präsident des Kantonalen Walliser Jägerverbandes (KWJV), konnte sich zu dem Thema nicht äussern. «Dafür ist die Jagd-Dienststelle [DJFW, Anm. d. Red.] zuständig und in keiner Weise der KWJV», so die Begründung.
Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) scheint diese Einschätzung zu bestätigen: «Dem BAFU liegen derzeit keine Informationen über potenzielle Luchsabschüsse im Kanton Wallis vor.» Das BAFU erinnert an einen Fall in Goumoëns im Kanton Waadt, wo das kantonale Umweltamt Direction générale de l'environnement (DGE) die Tötung eines als «problematisch» eingestuften Luchses angeordnet hatte.
Rechtlicher Rahmen grösstenteils unverändert
Wie Benjamin Roduit hervorhebt, ist dies nicht die erste Diskussion zur Luchs-Regulierung: Eine entsprechende Motion wurde bereits 1999 vom ehemaligen Nationalrat Hubert Lauper (CVP, Vorgängerpartei der Mitte) eingereicht. Ein Vierteljahrhundert später ist die Debatte wieder aufgeflammt.
Der Bund hatte 2022 das Jagdgesetz (JSG) und die dazugehörige Jagdverordnung (JSV) überarbeitet. Diese Änderungen traten im Februar 2025 in Kraft. Sie betreffen vor allem die Regulierung des Wolfs. Der Status des Luchses, einer streng geschützten Art, bleibt bisher unverändert. Im März 2024 reichte der Berner Parlamentarier Lorenz Hess (Die Mitte) jedoch ein Postulat zur Untersuchung der «Luchsbestände in der Schweiz bezüglich Nutztier- und Jagdregalschäden» ein.
Dies ist ein Zeichen dafür, dass der politische Druck zu dieser Thematik seit mehreren Monaten zunimmt. Es bleibt abzuwarten, ob die Forderungen erfüllt werden.
