Schweiz
Romandie

Im Wallis wird der Abschuss des geschützten Luchs gefordert

Tir du Lynx en Valais? La questions est posée.
Angesichts der Zunahme der Luchspopulation im Wallis könnte die Art nun die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich ziehen.
bild: watson

Im Wallis wird der Abschuss eines geschützten Tieres gefordert

Im Wallis fordern mehrere Interessengruppen ein Pilotprojekt zur Regulierung des Luchsbestands. Der Kanton Waadt hat bereits erste Schritte unternommen: Dort wurde die Tötung eines Tieres genehmigt, das wiederholt Vieh angegriffen hatte.
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23.05.2026, 06:4023.05.2026, 06:40
Sven Papaux

«Das Gebiet wurde geräumt.» Diese Aussage eines Walliser Jägers, der anonym bleiben wollte, bringt eine wachsende Besorgnis in Teilen des Kantons zum Ausdruck: Der jüngste Anstieg der Luchspopulation geht auf Kosten der Gämsen- und Rehbestände. Bezüglich eines möglichen Regulierungsabschusses erklärte der Mann:

«Der Antrag des Kantons an den Bund wird in Kürze erfolgen.»

Jean-Frédéric Sierro, Präsident des Jagdverbands Diana Romande, bestätigt, dass «im Wallis aufgrund des Rückgangs des Wildbestands in bestimmten Gebieten Stimmen laut werden». Er räumt ein, dass «ein gewisser Wunsch» bestehe, die «Diskussion» über einen Regulierungsabschuss zu eröffnen.

Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Diese Spannungen sind Teil eines umfassenderen Trends steigender Luchsbestände im Wallis. Während die Art in den 2010er-Jahren vom Aussterben bedroht war, erlebt die Raubkatze laut den neuesten verfügbaren Daten nun eine deutliche Erholung im Kanton. Dies sei eine beispiellose Entwicklung seit über einem Jahrzehnt, berichtet Raphaël Arlettaz, Professor für Naturschutzbiologie an der Universität Bern:

«Im Wallis gab es nur noch fünf bis acht eigenständige Luchse, und es gab lediglich zwei Nachzuchten – in den Jahren 2014 und 2017.»
Raphaël Arlettaz

Seit 2020 hat sich der Trend umgekehrt. Im Winter 2024–2025 gab es 30 unabhängige Luchse und 8 Würfe – ein Rekord seit Anfang der 2010er-Jahre –, die mindestens 11 Jungtiere hervorbrachten, so Arlettaz.

In diesem Kanton, in dem Luchse lange Zeit gewildert wurden, stösst diese Erhöhung nicht überall auf Zustimmung – insbesondere nicht unter einigen Jägern. Die kantonalen Behörden haben diese Praxis dennoch bekämpft und verurteilt. Jean-Frédéric Sierro, Präsident von Diana Romande, stellt unmissverständlich klar: «Der Luchs ist eine streng geschützte Art. Als Diana Romande, Mitglied von ChasseSuisse [dem nationalen Dachverband JagdSchweiz, Anm. d. Red.], unterliegen wir dem Bundesrecht. Hier gibt es keinen Diskussionsspielraum. Es ist nicht Sache eines Jagdverbandes, darüber zu entscheiden – diese Entscheidung obliegt den kantonalen Jagdbehörden.»

Nationalrat Benjamin Roduit (Die Mitte) bestätigte gegenüber watson, dass «auf kantonaler Ebene» schon Diskussionen über einen Regulierungsabschuss stattfinden.

Bei der letzten Versammlung des Kantonalen Walliser Jägerverbandes (KWJV) erklärte der Politiker: «Diskutiert wurde der Schaden, den der Luchs verursacht hatte. Es besteht die Bereitschaft, Massnahmen zu ergreifen. Der Kanton Wallis möchte mit Zustimmung des Bundesamtes für Umwelt ein Pilotprojekt für einen Regulierungsabschuss in einer Zielregion durchführen.»

Benjamin Roduit, Mitte-VS, stellt eine Frage, an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 4. Maerz 2025 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Mitte-Nationalrat Benjamin Roduit.bild: Keystone

Roduit betont, dass im März 2026 auch auf Bundesebene eine Motion zur «Anpassung des Konzepts Luchs Schweiz» eingereicht wurde:

«In jüngster Zeit zeigt sich auf unseren Alpen neben der bereits angespannten Situation mit dem Wolf vermehrt auch der Luchs als Schadensverursacher. Mehrere Alpen sahen sich im vergangenen Sommer gezwungen, ihre Tiere notfallmässig vorzeitig abzualpen, da wiederholt Nutztiere gerissen wurden. In einzelnen Fällen tötete ein Luchs innerhalb weniger Tage eine zweistellige Anzahl Schafe.»
Die Motion von Nationalrat Thomas Knutti (SVP)

Die Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere (DJFW) lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme ab und berief sich auf die Stiftung KORA, welche ihres Zeichens für das Monitoring der Grossraubtier-Populationen verantwortlich ist:

«Wir warten auf die Ergebnisse mehrerer Datenanalysen, insbesondere jener zum Luchs-Monitoring in der Region (deterministisches Monitoring). Daher behalten wir uns eine Positionierung und die erwägten Handlungswege vor, abhängig von den Ergebnissen, die für eine fundierte Beurteilung der Lage notwendig sind.»

James Derivaz, Präsident des Kantonalen Walliser Jägerverbandes (KWJV), konnte sich zu dem Thema nicht äussern. «Dafür ist die Jagd-Dienststelle [DJFW, Anm. d. Red.] zuständig und in keiner Weise der KWJV», so die Begründung.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) scheint diese Einschätzung zu bestätigen: «Dem BAFU liegen derzeit keine Informationen über potenzielle Luchsabschüsse im Kanton Wallis vor.» Das BAFU erinnert an einen Fall in Goumoëns im Kanton Waadt, wo das kantonale Umweltamt Direction générale de l'environnement (DGE) die Tötung eines als «problematisch» eingestuften Luchses angeordnet hatte.

Rechtlicher Rahmen grösstenteils unverändert

Wie Benjamin Roduit hervorhebt, ist dies nicht die erste Diskussion zur Luchs-Regulierung: Eine entsprechende Motion wurde bereits 1999 vom ehemaligen Nationalrat Hubert Lauper (CVP, Vorgängerpartei der Mitte) eingereicht. Ein Vierteljahrhundert später ist die Debatte wieder aufgeflammt.

Der Bund hatte 2022 das Jagdgesetz (JSG) und die dazugehörige Jagdverordnung (JSV) überarbeitet. Diese Änderungen traten im Februar 2025 in Kraft. Sie betreffen vor allem die Regulierung des Wolfs. Der Status des Luchses, einer streng geschützten Art, bleibt bisher unverändert. Im März 2024 reichte der Berner Parlamentarier Lorenz Hess (Die Mitte) jedoch ein Postulat zur Untersuchung der «Luchsbestände in der Schweiz bezüglich Nutztier- und Jagdregalschäden» ein.

Dies ist ein Zeichen dafür, dass der politische Druck zu dieser Thematik seit mehreren Monaten zunimmt. Es bleibt abzuwarten, ob die Forderungen erfüllt werden.

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Der Eurasische Luchs mit seinem Stummelschwanz, den langen Hinterbeinen und Pinselohren ist das drittgrösste Raubtier Europas nach Bär und Wolf. Ausgewachsen ist er ungefähr so gross wie ein Schäferhund.
quelle: keystone / laurent gillieron
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«Ich bin total gegen Wolfsabschüsse»: Jäger hat klare Meinung
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