Schweiz
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SBB-Chef Meyer tritt ab: «Die aktuelle Situation ist ein Albtraum»



Mitten in der Corona-Krise hat SBB-Chef Andreas Meyer seinen letzten Arbeitstag. Die aktuelle Situation mit gesundheitlichen Bedrohungen, Unsicherheit und weitgehendem Lockdown auch im öffentlichen Verkehr sei ein «Albtraum», sagte Meyer im Interview mit dem «Blick».

Die SBB hätten Nachfragerückgänge von 80 bis 90 Prozent. «Selbst in Hauptverkehrszeiten trifft man in manchen Wagen nur eine oder zwei Personen an.»

Andreas Meyer, CEO SBB, informiert ueber die neusten Entwicklungen aus der Sicht des oeffentlichen Verkehrs in der Krise um die Pandemie des Coronavirus, am Donnerstag, 19. Maerz 2020 in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Andreas Meyer stand 13 Jahre an der Spitze der SBB. Bild: KEYSTONE

Als Reaktion auf die Corona-Krise wurde das Angebot im öffentlichen Verkehr stark heruntergefahren. Ob es eine weitere Reduktion geben wird, ist laut Meyer noch unklar «Wir werden die Situation genau beobachten und haben vorbehaltene Entscheide getroffen. Sollte ein weiterer Schritt nötig sein, müssten wir die Fernverkehrslinien weiter ausdünnen.»

>> Liveticker: Die Coronavirus-Situation in der Schweiz

Das Angebot sei derzeit um rund 25 Prozent reduziert. «Unter eine Schwelle von rund 50 Prozent können wir im Personen- und Güterverkehr nicht gehen. Weil viele Verbindungen nicht mehr funktionieren würden und die Landesversorgung damit nicht mehr sichergestellt werden könnte.»

Gemischte Bilanz

Einige Zeit in Anspruch nehmen werde die Wiederaufnahme von Streckenabschnitten, die wegen der Corona-Krise vorübergehend eingestellt wurden, gab Meyer im Interview mit der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» zu bedenken. Er hoffe aber, den Zeitplan einhalten zu können für die Eröffnung des Ceneri-Basistunnels und die Einführung der Bombardier-Doppelstockzüge noch dieses Jahr.

Zugute hält er sich die Steigerung des Reiseverkehrs, den Ausbau des Immobiliensektors und die Sanierung der SBB-Cargo-Pensionskasse. Verbesserungswürdig sei allerdings die Pünktlichkeit der Züge, gab Meyer zu. Die Probleme in diesem Bereich seien klar lokalisiert und deren Lösung auf gutem Weg.

Auswirkungen auf Mobilitätsverhalten

Meyer ist überzeugt, dass die aktuelle Situation Auswirkungen auf das Arbeits-, Lern- und Mobilitätsverhalten haben wird. «Sobald wir uns wieder frei bewegen können, wird es insbesondere im Freizeitbereich einen Nachholbedarf geben.»

Er hoffe, dass viele Menschen jetzt merkten, wie viele gute Möglichkeiten es gebe, die stark belasteten Züge zu Stosszeiten zu meiden. «Man kann zum Beispiel eine oder zwei Stunden später zur Arbeit fahren. Oder eine Hochschule sagt, dass sie gewisse Angebote von nun an digital anbiete.»

Ein grosses Fragezeichen sei die wirtschaftliche Entwicklung, sagte Meyer. «Es wird nach der Solidarität für das Überleben auch noch einen Pakt zwischen Unternehmen, Mitarbeitenden und dem Staat brauchen, um Arbeitsplätze zu retten und Lieferketten sicherzustellen. Eine Herkulesaufgabe.»

Der Dienstag ist Andreas Meyers letzter Arbeitstag. Am Mittwoch übernimmt sein Nachfolger, der Freiburger Vincent Ducrot, den Chefsessel bei den SBB. (sda)

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lightning makes you Impotent (LMYI) 31.03.2020 19:16
    Highlight Highlight Da sind wir für einmal der gleichen Meinung, Herr Meyer und ich: «Die aktuelle Situation ist ein Albtraum»!
  • Yimmii 31.03.2020 15:14
    Highlight Highlight So und jetzt wie in Luxemburg gratis ÖV einführen!
    Da der Bund die Ausfälle eh übernimmt und auch vorher die Bahn etc. nicht Kostendeckend waren.
    • blueberry muffin 31.03.2020 15:55
      Highlight Highlight Vorallem wieder verstaatlichen.
  • Stefan Morgenthaler-Müller 31.03.2020 14:03
    Highlight Highlight Andreas Meyer hat Verantwortung übernommen.
    • Meyer Andrej 31.03.2020 14:55
      Highlight Highlight In wiefern, bitte Infos!
    • THEOne 31.03.2020 14:59
      Highlight Highlight sarkasmus?
    • Stefan Morgenthaler-Müller 31.03.2020 15:09
      Highlight Highlight Er ist zurückgetreten.
  • Rethinking 31.03.2020 13:11
    Highlight Highlight „Er hoffe, dass viele Menschen jetzt merkten, wie viele gute Möglichkeiten es gebe, die stark belasteten Züge zu Stosszeiten zu meiden.„

    Nun dies müssten vor allem die Geschäftsleitungen merken...

    Sie sind es die die Bürozeiten flexibilisieren, Home Office zulassen, Hierarchien abschaffen und moderne Organisationsmethoden einführen könnten...

    Nur tun dies viele halt nicht....Hierarchie ist zu schön, wenn man oben sitzt...
    • Weltbürgerin 31.03.2020 18:16
      Highlight Highlight Nicht zwingend... Kenne Dutzende Bürogummis die kein Homeoffice wollen, obwohl die Rahmenbedingungen bei ihnen stimme würden. Die ist aber nicht in jedem Fall so.
  • Rethinking 31.03.2020 13:06
    Highlight Highlight „Er hoffe aber, den Zeitplan einhalten zu können für die Eröffnung des Ceneri-Basistunnels und die Einführung der Bombardier-Doppelstockzüge noch dieses Jahr.“

    Irgendwie unlogisch. Dadurch dass viel weniger Züge fahren und weniger Personal benötigt wird, müsste man mehr Ressourcen und Zeitfenster für solche Projekte haben oder?
    • Brummbaer76 31.03.2020 14:45
      Highlight Highlight Im Tessin sind im Moment die Baustellen geschlossen. Das gilt auch für SBB Baustellen.
      Ebenso sind andere Baustellen der SBB geschlossen, weil die Vorgaben nicht eingehalten werden können.

      Sind sonst Baustellen offen, ist hier in den Kommentaren ein riesen geschrei. Nur die Baustellen der SBB sollten offen bleiben?
    • Tschowanni 31.03.2020 15:15
      Highlight Highlight Ich bin froh sind die Baustellen hier offen. So kann ich wenigstens arbeiten
    • Weltbürgerin 31.03.2020 18:18
      Highlight Highlight Wolge, wieso unlogisch? Schon mal überlegt, wie viele Einschränkungen es aktuell gibt, um eine Baustelle zu betreiben? Ist ein wenig komplizierter als Homeoffice.
  • Watsianer 31.03.2020 12:43
    Highlight Highlight Wenn schon HSG'ler Mentalität an den Tag gelegt werden soll - dann bitte auch von einem HSG Absolventen, dann stimmt wenigstens das Fachwissen. Bei Meyer war es offenbar ein stimmiges Komplettpaket aus Ignoranz und Arroganz gepaart mit Management Halbwissen.
  • Heb dä Latz! 31.03.2020 12:32
    Highlight Highlight Kommt der jetzt in die extra für ihn geschaffene Pfeifenabteilung im Verkehrshaus?
    • karl_e 31.03.2020 17:17
      Highlight Highlight Der ist gut. Hast meinen Tag gerettet!
  • mrmikech 31.03.2020 11:08
    Highlight Highlight Die meisten haben doch ein Abo? Das Geld kommt also eh in die gleiche mengen bei SBB aufs Konto?
  • Peter R. 31.03.2020 10:41
    Highlight Highlight Die SBB war schon vor der Coronakrise unter seiner Führung ein Alptraum.
    • Vintage 31.03.2020 10:54
      Highlight Highlight Schon gut Peter, lass es stecken.
    • Meyer Andrej 31.03.2020 11:43
      Highlight Highlight Es kann nur besser werden, jedenfalls schäme ich mich, den gleichen Namen wie er zu tragen. Immun auf Sicherheitsmängel, immun auf Mitarbeiterkritik, immun auf alles. Gleichzeitig hat er 4500 neue Laveris eingestellt und jährlich Abermillionen an Berater. Es ist eine Tragödie was hier abläuft, der Unfall von Baden kostete ihn schlussendlich den Kopf, dass er im 2020 gehen wollte, war in seinen Aussagen nie die Rede!
    • MarGo 31.03.2020 13:33
      Highlight Highlight @Robin
      neue deutsche Rechtschreibung aka "schreibt doch einfach wie ihr wollt" erlaubt leider mittlerweile beides... ;)
    Weitere Antworten anzeigen
  • hässig 31.03.2020 10:11
    Highlight Highlight Da hat wohl jemand angst um seinen zukünftigen lohn (und prämien) und macht sich deswegen lieber aus dem staub ;)
    • Vintage 31.03.2020 10:34
      Highlight Highlight So ein totaler Unsinn, haben sie sich in der Kommentarsparte verirrt. Ab, zurück zum Blick.
    • maddiepilz 31.03.2020 10:40
      Highlight Highlight Meyers Rücktritt war seit Monaten angekündigt.
    • Hierundjetzt 31.03.2020 10:50
      Highlight Highlight Nein. Lies bitte häufiger die Zeitung 😪
    Weitere Antworten anzeigen
  • Klirrfactor 31.03.2020 09:33
    Highlight Highlight "Er hoffe, dass viele Menschen jetzt merkten, wie viele gute Möglichkeiten es gebe, die stark belasteten Züge zu Stosszeiten zu meiden. «Man kann zum Beispiel eine oder zwei Stunden später zur Arbeit fahren."

    Ja Herr Meyer, das brauchen Sie nicht zu hoffen, das wissen die Pendler. Nur bringt es nix wenn der Arbeitgeber keine flexiblen Arbeitszeiten bietet. Es gibt genügend Unternehmen die sich gegen Home Office und Mobilität wehren.
    • Xriss 31.03.2020 10:33
      Highlight Highlight Da kann aber weder Andreas Meyer noch sonst jemand bei den SBB oder anderen ÖV-Betreibern etwas dafür. Ich bin aber mit Dir einverstanden, dass dies en gesellschaftliches Problem ist; die momentane Coronakrise könnte da durchaus einen positiven Impact haben. Plötzlich merken auch die Arbeitgeber, dass es mit Homeoffice ganz gut geht und sich ggf. sogar Geld sparen (Raum, Inventar etc.) lässt.
    • Scaros_2 31.03.2020 10:37
      Highlight Highlight Man kann nur hoffen, dass die derzeitige Situation das Stigma von Homeoffice resp. "Mobiles Arbeiten" entfernt oder abschwächt.

      Es zeigt sich nähmlich vielerorts - es geht trotzdem weiter.
    • kobL 31.03.2020 12:41
      Highlight Highlight Es sind aber nicht nur Arbeitgeber gefordert, sondern auch Arbeitnehmer, die dann auch wirklich die Stosszeiten meiden. Bei uns haben fast alle flexible Arbeitszeiten, trotzdem kommt die Mehrheit während den Stosszeiten zur Arbeit. Funktionieren wird es wohl erst, wenn es finanzielle Anreize gibt, die Stosszeiten zu meiden.
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