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Luxus-Parking fürs Velo: Die SBB verlangen Geld für die besten Plätze

In Luzern, Zürich, Basel und Solothurn startet ein Pilot-Projekt: Veloparkplätze direkt am Bahnhof können per App kostenpflichtig gemietet werden. Die Kritik: Zahlreiche Gratis-Parkplätze gehen verloren.
24.09.2019, 07:0125.09.2019, 06:35

Bei den Velo-Pendlern zählt jede Minute: Auf den Drahtesel schwingen, an den Bahnhof radeln und möglichst nah beim Perron parkieren. Die attraktiven Veloparkplätze sind jedoch knapp – einen freien Ständer zu finden wird immer schwieriger.

Am Bahnhof Luzern starten die SBB zusammen mit dem Start-up smartmo deshalb heute Dienstag ein Pilot-Projekt. Direkt vor dem Haupteingang wurden die herkömmlichen Gratis-Parkplätze weggeräumt und für das neue Parking-System Platz gemacht: Mit der App kann einer der 50 Veloständer gemietet werden.

Doch die Deluxe-Parkplätze sind nicht gratis. Zurzeit kostet eine Stunde 65 Rappen und jede weitere 5 Rappen. Für die Reservierung zahlt man zudem 66 Rappen und für jede weitere Stunde 6 Rappen. Ausserdem können Velofahrer bei den neuen Abstellplätzen ihre E-Bikes aufladen und in einer Box den Helm deponieren.

Ab Oktober wird auch an anderen Bahnhöfen in der Schweiz das Bezahl-System eingeführt: Zürich HB und Stadelhofen, Uster, Solothurn sowie in Basel auf dem Areal Wolf.

Am Bahnhof Luzern startet das neue Parking-System.
Am Bahnhof Luzern startet das neue Parking-System.bild: watson

Veloparkplatz-Innovation hin oder her: Es gibt Kritik am Projekt. Der SP-Grossstadtrat-Politiker und Mitglied des Vereins «umverkehR» Nico van der Heiden ist skeptisch. «Das zeigt die Zweiklassengesellschaft-Mentalität: Otto Normalverbraucher muss weit weg parkieren und die, die es sich leisten können, geniessen den Premium-Parkplatz.» Die SBB wollten ganz einfach Einnahmen generieren. Abgesehen von der Kommerzialisierung bedauert van der Heiden ausserdem den Parkplatz-Verlust: «Die neuen Ständer brauchen viel Platz, es wird nun definitiv weniger Velo-Abstellplätze haben.» Wie viele Parkplätze durch das neue Parking-System wegfallen, sagen die SBB nicht.

Auch die Jungen Grünen können die Veränderung nicht nachvollziehen: «Jede Verschlechterung für Velofahrende ist ein absolutes No-Go. Dass das gerade im Jahr der Klimastreiks noch passiert, ist fragwürdig», sagt Samuel Zbinden, Geschäftsleiter der Jungen Grünen Schweiz und Luzerner Kantonsrat-Mitglied.

Die Veloparkplätze sind in Luzern ab Dienstag buchbar.
Die Veloparkplätze sind in Luzern ab Dienstag buchbar. bild: screenshot / watson

Die SBB als Besitzerin des Areals weist die Kritik zurück: «Es hat genügend Gratis-Parkplätze in unmittelbarer Bahnhofsnähe», sagt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi. Einige Velofahrer würden ihre Fahrräder am liebsten direkt auf dem Perron parkieren, aber das gehe natürlich nicht.

Der Verband der Velofahrenden Pro Velo Schweiz sieht neue Chancen: «Das neue Parking-System könnte eine weitere Zielgruppe ansprechen. E-Bike-Fahrer beispielsweise, die ihr Fahrrad sicher wissen wollen und dieses sonst nicht am Bahnhof lassen würden», sagt Claudia Bucher von Pro Velo Schweiz.

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134 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Holiduli
24.09.2019 07:18registriert Oktober 2015
Die Kästen brauchen enorm viel Platz. Da hätten vermutlich 2 bis 3 Fahrräder Platz, wo jetzt einer dieser Kästen steht. Mir scheint, ein geschlossener Raum mit einem Eingang inkl. zentralem Bezahlsystem wäre effizienter und platzsparender.
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Scaros_2
24.09.2019 07:18registriert Juni 2015
Es ist halt wie bei allem. Irgendwann gehen einem die Ideen aus wie man Geld erwirtschaften kann. Es wird einem eingeredet, es braucht Wachstum und am schluss sagen einem "Experten" von EY, KPMG etc. dass sowas doch eine gute Idee ist, weil es immer irgendwelche Kunden gibt die für etwas, was eigentlich schon immer Gratis ist bezahlen wird. Und es stimmt.

Aber damit vergrault man gleichzeitig auch gewisse Leute.
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Wooshkaa
24.09.2019 11:37registriert September 2019
Also am normalen Arbeitstag von ca. 11 Stunden mit Reservierung kostet das 2,41 CHF pro Tag, 235 Arbeitstage im Jahr und 566 CHF. Plus das SBB-Ticket, das sich ohne Zweifel jedes Jahr erhöhen wird ... nehme ich mein Auto wieder zur Arbeit ?
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