Schweiz
SBB

SBB: Ingenieur warnte im Januar 2018 vor schwerem Unfall mit Türe

Das Problem mit dem Einklemmschutz bei den Zugstüren war bereits Jahre vor dem tödlichen Unfall in Baden AG bekannt. (Archivbild)
Technische Mängel des SBB-Einklemmschutzes waren bereits vor dem tödlichen Unfall bekannt.Bild: KEYSTONE

Tödliche SBB-Türen: Ingenieur warnte bereits im Januar 2018 vor schwerem Unfall

01.09.2019, 08:3001.09.2019, 13:34

Am 4. August 2019 wurde ein SBB-Zugbegleiter von einer Wagentüre eingeklemmt, mitgeschleift und tödlich verletzt. Nun zeigen interne SBB-Dokumente: Es war schon lange bekannt, dass die Türen der EW-IV-Wagen nicht richtig funktionieren – und welche fatalen Folgen das haben kann. Dies berichtet der «Sonntagsblick».

Am 18. Januar 2018 stellte ein Systemingenieur der SBB einen 17-seitigen Änderungsauftrag mit dem Titel: «EW IV Einbau eines Türblattkontrollschalters». In der Beschreibung der geplanten Arbeiten heisst es: «Die ‹Geschlossen-Position› der Türe wird nicht überwacht und soll neu mit einer Änderung zuverlässig erkannt werden.

Durch den Einbau eines Türblattkontrollschalters soll die Position des Türblattes in geschlossenem Zustand zuverlässig erkannt werden. Dieser Schalter soll in die Grünschlaufe eingebunden werden und somit dem Lokführer anzeigen, ob alle Türen korrekt geschlossen sind.» Gemäss diesem Antrag sollten 300 EW-IV-Wagen angepasst werden. Wieso nicht gleich alle der insgesamt 493 Waggons, geht aus den Unterlagen nicht hervor.

Als Starttermin schlug der Ingenieur den 1. August 2018 vor. Die Kosten schätzte er auf insgesamt 360’000 Franken – pro Fahrzeug hätte die Reparatur demnach bescheidene 1200 Franken gekostet. Unmissverständlich warnt der Antragsteller vor den möglichen Folgen, falls die Arbeiten nicht vorgenommen würden: «Bei einer Nichtausführung gehen wir das Risiko ein, in Zukunft weiterhin mit offenen Türen zu fahren und dass während der Restlebenszeit des EW IV ein schwerwiegender Unfall geschieht.»

Trotz der klaren Warnung wurde die Anpassung monatelang hinausgezögert. Erst im Juli 2019 beginnen die SBB, die ersten EW-IV-Wagen mit einem zusätzlichen Schalter zur Türüberwachung auszurüsten. (mim)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
33 Schweizer Bahnhöfe aus dem letzten Jahrhundert
1 / 35
33 Schweizer Bahnhöfe aus dem letzten Jahrhundert
Solothurn, 24. September 1972. (Quelle: SBB Historic)
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Zugfahrt mit der Sicht aus dem Cockpit
Video: srf
Steff la Cheffe: «Andere haben sich grosse Sorgen um mich gemacht – zu Recht»
Die Berner Musikerin ist zurück und spricht über ihre Auszeit, wiederkehrende Stresssymptome und darüber, warum selbst bekannte Schweizer Acts kaum noch von ihrer Musik leben können.
Im Februar zog Chef la Cheffe die Reissleine. Kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums. Die 39-jährige Berner Musikerin litt an einer Erschöpfungsdepression mit Herzrasen und Schlaflosigkeit. Jetzt hat sie sich zurückgemeldet, veröffentlicht ihr Album «Stoff» nachträglich und will im Frühling auf Tour gehen.
Zur Story