Schweiz verfehlt das 2011 festgelegte Bildungsziel immer mehr
In der Schweiz erreichen noch 90,1 Prozent aller 25-Jährigen einen Abschluss auf der Sekundarstufe II. Das zeigt der neuste Bildungsbericht Schweiz, der alle vier Jahre vorgelegt wird. Ziel wäre, dass 95 Prozent aller 25-Jährigen einen solchen Abschluss aufweisen.
Noch im Jahr 2016 hätten 91,5 Prozent aller 25-Jährigen einen Abschluss auf der Sekundarstufe II erreicht, teilten der Bund und die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) am Montag mit. Das heisse aber auch, dass diese Quote auf einem seit Jahren stabil hohen Niveau verbleibe.
Das sei mit Blick auf die Arbeitsmarktfähigkeit der 25-Jährigen wichtig. Unter dem Titel Sekundarstufe II werden in der Schweiz nachobligatorische Bildungsgänge wie gymnasiale Maturitätsschulen, Fachmittelschulen und berufsbildende Ausbildungsgänge zusammengefasst.
Berufsbildung in Romandie schwächer verankert
Seit dem Jahr 2010 erarbeitet die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) alle vier Jahre einen Bildungsbericht Schweiz. Sie tut dies im Auftrag des Bundes und der EDK und hat den neusten Bericht am Montag in Bern Bundespräsident Guy Parmelin und dem Walliser Staatsrat Christophe Darbellay übergeben.
Parmelin ist Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), Darbellay präsidiert derzeit die EDK.
An der Medienkonferenz erklärte Darbellay die sinkende Abschlussquote mit der in der Westschweiz immer noch als zu wenig attraktiv geltenden Berufsbildung. In den Westschweizer Kantonen betrage die Quote zwischen 85 und 92 Prozent, in der Deutschschweiz zwischen 92 und 96 Prozent.
Der unterschiedliche Wert der Berufsbildung zeige sich in seinem Heimatkanton Wallis, sagte Darbellay weiter: Im französischsprachigen Monthey erreiche die Quote der 25-Jährigen mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II 82 Prozent, in Visp im Oberwallis 98 Prozent. Dort sei die Berufsbildung stark.
«Wir müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten, damit die Eltern verstehen, dass die Berufsbildung unter Umständen der bessere Weg ist», sagte Bundespräsident Parmelin.
Noch nicht zufrieden sind Bund und Kantone auch mit der Zahl der Studienabbrüche: «Aktuell verharrt die Quote auf konstant hohem Niveau», schreiben sie. «Rund 24 Prozent der Studienanfängerinnen und -anfänger erreichen bis acht Jahre nach Beginn keinen Bachelorabschluss an einer universitären Hochschule.»
Auswertung des Berichts folgt erst noch
In einer ersten Einschätzung des neuen Bildungsberichts betonten Parmelin und Darbellay, dass die gemeinsamen bildungspolitischen Ziele langfristig angelegt seien. Ob zusätzliche Massnahmen oder neue Zielsetzungen erforderlich sind, soll nun auf Grundlage des neuen Berichts geprüft werden.
Der Bericht ist rund 400 Seiten stark und bündelt nach Angaben der Besteller das aktuelle Wissen zum Schweizer Bildungssystem über alle Bildungsstufen hinweg. Bund und Kantone tragen gemäss Bundesverfassung gemeinsam die Verantwortung für den Bildungsraum Schweiz. Während die obligatorische Schule in der Kompetenz der Kantone liegt, sind die Zuständigkeiten im nachobligatorischen Bereich zwischen Bund und Kantonen aufgeteilt. (pre/sda)
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