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Jositsch zittert: Zieht er gegen Jacqueline Badran den Kürzeren?

Daniel Jositsch, SP-ZH, spricht waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 10. Dezember 2024 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Sitzt für den Kanton Zürich im Ständerat: Daniel Jositsch.Bild: keystone

Jositsch zittert: An der SP-Delegiertenversammlung geht es um seine politische Zukunft

Daniel Jositsch stellt sich an einer ausserordentlichen Versammlung dem Verdikt der Zürcher Delegierten. Darf er ein viertes Mal als Ständerat kandidieren? Konkurrenz erhält er von Jacqueline Badran.
28.05.2026, 10:0728.05.2026, 10:07

Daniel Jositsch will für eine vierte Amtszeit als Zürcher Ständerat kandidieren. Für diese Kandidatur wurde eigens eine ausserordentliche Delegiertenversammlung einberufen, an der die Delegierten über eine Nomination entscheiden. Diese findet am Donnerstagabend um 19 Uhr statt. Um als Kandidat nominiert zu werden, genügt das einfache Mehr.

Schon bevor die Delegierten ihr Verdikt gefällt haben, bringt sich Jacqueline Badran in Stellung. Sollte Jositsch nicht nominiert werden und die Delegierten sie als Ständerätin portieren, sie stünde bereit. Das sagt die SP-Vizepräsidentin gegenüber dem Zürcher Lokalmedium Tsüri.

Daniel Jositsch, SP-ZH, links, diskutiert mit Jacqueline Badran, Nationalraetin SP-ZH, vor Beginn der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 8. September 2025 im Staenderat in Bern. (KEY ...
Schielt Jacqueline Badran auf den Sitz von Daniel Jositsch? Im Vorfeld der Ausserordentlichen Delegiertenversammlung hat sie sich in Stellung gebracht.Bild: KEYSTONE

Strafrechtsprofessor Jositsch ist innerhalb der SP längst nicht mehr unumstritten. Immer wieder weicht er in wesentlichen Fragen von der SP-Parteilinie ab.

So hat Jositsch das sogenannte Klimaseniorinnen-Urteil des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte kritisiert, das von der Schweiz Nachbesserungen in der Klimapolitik verlangt. Oder er hat zusammen mit den bürgerlichen Parteien dafür gesorgt, dass die UNWRA, das Hilfswerk für Palästina der Vereinten Nationen, keine weiteren Gelder mehr bekommt.

Viele Genossen und Genossinnen haben zudem Jositschs Verhalten während der Bundesratswahlen 2022 und 2023 nicht vergessen. Bei der Nachfolge um den Sitz von Bundesrätin Simonetta Sommaruga geisselte er den Entscheid der SP-Parteispitze, auf ein reines Frauenticket zu setzen, als diskriminierend.

Ein Jahr später, als es um die Nachfolge von SP-Bundesrat Alain Berset ging, erhielt Jositsch diverse Stimmen aus dem bürgerlichen Lager und verzichtete auf eine öffentliche Erklärung, er stehe nicht zur Wahl.

Andernseits wurde Jositsch 2015, 2019 und 2023 im bürgerlichen Kanton Zürich in den Ständerat gewählt – und das alle drei Mal im ersten Wahlgang. Für Jositsch ist das einer der Hauptargumente, weshalb die SP auch ein viertes Mal auf ihn setzen sollte: Er ist fähig, bis weit ins bürgerliche Lager Stimmen zu holen.

Allerdings: Das gilt für Badran auch. Sie war die bestgewählte SP-Nationalrätin bei den vergangenen Parlamentswahlen im Jahr 2023 und unangefochtene Panaschierkönigin. Das bedeutet: Keine andere Politikerin und kein anderer Politiker wurde so oft auf parteifremden Listen aufgeschrieben, also zum Beispiel auch von Mitte-, FDP- oder SVP-Wählenden gewählt.

Dementsprechend steigt nun der Druck auf Jositsch. Seine Nomination ist alles andere als sicher. Eine in der Partei bestens vernetzte Person wagt gegenüber watson keine Prognose:

«Die Chancen stehen 50:50»

Die SP Kanton Zürich hat 216 Delegierte, die sich aus den Bezirksparteien und Sektionen sowie den Unterorganisationen (Juso, SP Frauen, SP 60+, SP Migrant:innen, Kantonsratsfraktion) speisen. Damit Jositsch als Ständerat nominiert wird, genügt das einfache Mehr.

Ob er im Fall einer Nichtnomination dennoch als unabhängiger Kandidat seinen Sitz zu verteidigen gedenkt, hat Jositsch offen gelassen.

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    83 Kommentare
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    Bruno Wüthrich
    28.05.2026 10:36registriert August 2014
    Ich weiss nicht, ob es schlau ist, Badran anstelle von Jositsch zu nominieren. Natürlich, Jositsch ist ein eigenständig denkender Mensch. Einer, der sich nicht zu 100 Prozent mit der Linie und den Vorgaben seiner Partei identifiziert und diese auch nicht immer befolgt. Gerade dies macht ihn ja bis weit ins bürgerliche Lager wählbar. Natürlich ist ihm Badran ebenbürtig. Ihre hemdsärmeligen Auftritte machen auch sie über die Parteigrenzen hinweg wählbar. Aber die SP muss sich fragen, ob es wirklich sinnvoll ist, zwei derartig gute Wahllokomotiven gegeneinander auszuspielen.

    Das kommt nicht gut.
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    Tobias W.
    28.05.2026 11:01registriert Januar 2017
    Ich fände es gut, wenn Jositsch anstelle anderer im Bundesrat wäre, und Badran im Ständerat.

    Meinetwegen auch umgekehrt.

    Mit der SP habe ich es sonst nicht so. Aber die beiden gehören zu den besten und wichtigsten Politikern in der Schweiz. Beide super!!
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    zimtlisme
    28.05.2026 10:47registriert Mai 2015
    Toitoitoi, Frau Badran!💪🏼
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