Schweiz
Grüne

Pläne von Regula Rytz: Der erste Schritt zum Schweizer Gratis-ÖV?

Adolescents kid around with their smart phone while commuting in the city train between Zurich and Zug, Switzerland, on June 16, 2015. (KEYSTONE/Christof Schuerpf)

Jugendliche albern mit dem Smartpho ...
Fahren Junge bald noch glücklicher im öffentlichen Verkehr? Sie sollen ein GA für 1000 Franken erhalten, wenn es nach den Grünen geht.Bild: KEYSTONE

«Die Pläne von Rytz gehen in die richtige Richtung»: Der erste Schritt zum Gratis-ÖV?

Die grüne Idee des 1000-Franken-GA für Junge bis 25 Jahre stösst selbst bei Bürgerlichen auf gutes Echo. Nationalrat Cédric Wermuth, Kandidat für das SP-Co-Präsidium, strebt mittelfristig einen Systemwechsel an.
22.01.2020, 05:2022.01.2020, 05:20
Othmar von Matt / ch media

Er selber gehöre zu den Privilegierten, gesteht Nationalrat Lorenz Hess (BDP). Als Parlamentarier erhält er das Generalabonnement gratis. Davon profitieren auch seine beiden Töchter. «Sie kommen in den Genuss eines verbilligten GA», sagt er. Statt für 2650 Franken (16 bis 25 Jahre) können sie das GA zum Vorzugspreis von 925 Franken beziehen. Weil sie im gleichen Haushalt eine erwachsene Person mit Basis-GA haben.

Dieses System habe «soziale Ungerechtigkeiten» zur Folge, sagt selbst Hess. Er vertritt die Motion von Ex-Nationalrat Hans Grunder: Jugendliche bis 16 Jahre sollen den ÖV gratis nutzen können. Der Vorschlag sei radikaler als das 1000-Franken-GA, sagt Hess.

«Die Jugendlichen werden damit für den ÖV sensibilisiert. Gleichzeitig wäre das eine Entlastung für die Eltern.»

Cédric Wermuth arbeitet auf Systemwechsel hin

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Cédric Wermuth strebt einen Systemwechsel an.Bild: KEYSTONE

Die Pläne, den ÖV für Junge billiger zu machen, scheinen im Mitte-Links-Lager mehrheitsfähig. «Die Pläne von Rytz gehen in die richtige Richtung», sagt Nationalrat Cédric Wermuth, wohl bald Co-Präsident der SP.

Als Co-Präsident der SP Aargau hatte Wermuth 2016 die Forderung aufgestellt, Kanton und Gemeinden sollten den ÖV im Aargau gratis zur Verfügung stellen. Eine Vision, die er noch heute vertritt.

«Fernziel ist der Systemwechsel.»

Sein Parteikollege Fabian Molina hatte im Frühling 2019 die Forderung aufgestellt, der Bund solle allen Jungen unter 25 Jahren ein Gratis-GA schenken.

Für Wermuth ist klar, dass pragmatische Schritte einen Systemwechsel vorbereiten müssen. «Erstens geht es darum zu verhindern, dass die Ticketpreise verteuert werden», sagt er. Das komme sozial- und klimapolitisch nicht in Frage. «In einem zweiten Schritt muss die ÖV-Infrastruktur auf dem Land ausgebaut werden und die Ticketpreise sollen sinken.» So will Wermuth den Weg frei machen für seine Vision: «Der ÖV soll gebührenfrei sein und von den Steuern finanziert werden.»

Es war Grünen-Nationalrat Michael Töngi, der die Idee eines 1000-Franken-GA für Jugendliche ursprünglich ins Spiel brachte. «Ich bin nicht für Gratis-ÖV», sagt er.

«Aber wir brauchen günstige GA’s für junge Menschen. Es kann nicht sein, dass jene in die Röhre schauen, die keine Eltern mit GA haben.»

Die Idee eines Jugend-GA fällt sogar bei SVP-Nationalrat Thomas Hurter auf fruchtbaren Boden, auch Präsident des Automobil Club der Schweiz (ACS). «Grundsätzlich finde ich das eine gute Sache», sagt er. «Es ist in Ordnung, wenn es für Jugendliche in Ausbildung günstiger ist.» Gratis dürfe es aber nicht sein. «Wir müssen am Kostendeckungsgrad des ÖV arbeiten.»

30 Rappen weniger für Betriebsstoffe bei Autos und Töffs?

Wenig Freude an den Ideen von Rytz hat SVP-Nationalrat Benjamin Giezendanner. «Das ist Bauernfängerei», sagt er. «Die Grünen wollen den ÖV à gogo fördern, den Individualverkehr aber verhindern.» Der Vorschlag finde «auf dem Buckel der Randregionen» statt.

Augenzwinkernd fügt er hinzu, er fordere nun im Gegenzug, dass der Betriebsstoff bei Autos und Töffs für Jugendliche bis 25 Jahre um 30 Rappen verbilligt werde.

«Damit könnte man etwas für die Randregionen tun.»

Was sagt man beim Verband öffentlicher Verkehr (VöV)? «Auch uns ist es ein Anliegen, dass möglichst viele Jugendliche den ÖV benützen», hält Direktor Ueli Stückelberger fest. Sei die Politik bereit, für die Mindererträge aufzukommen, stehe die ÖV-Branche der Diskussion «offen gegenüber» Eines will er nicht: Gratis-ÖV für Junge. «Was nichts kostet, ist nichts wert», sagt er.

«Wir wollen aber einen qualitativ guten ÖV anbieten.»

(aargauerzeitung.ch)

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