Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch gibt den Schlüssel ab
Nach 17 Jahren ist Schluss: Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch hat am Dienstag den Büroschlüssel an ihren Nachfolger Raphael Golta übergeben. Die SP-Vertreterin war 2009 eine überraschende Kandidatin, konnte sich aber ohne Probleme im Amt halten.
Einer von vier gleichwertigen Vorschlägen sei Mauch gewesen, fand die SP der Stadt Zürich bei der Nominierung im Dezember 2008. Die Fraktionschefin im Stadtparlament setzte sich gegen ihre Ratskolleginnen und -kollegen Claudia Nielsen und André Odermatt – beide später ebenfalls Mitglieder der Stadtregierung – und die damalige Gemeinderatspräsidentin Fiammetta Jahreiss durch.
Besonders bekannt war Mauch damals noch nicht. Die SDA verwies auf ihr Mutter Ursula, die als Aargauer Nationalrätin in den 1990er-Jahren Fraktionschefin war. Gnädig waren die Medien zu Beginn nicht gerade, der Name «Graue Mauch» war rasch im Umlauf. Die Agrarökonomin wurde aber rasch souveräner im Umgang mit Medien und der Öffentlichkeit.
Skandale bleiben nicht in Erinnerung. Zürich ging es immer besser unter Mauchs Führung. Die Wirtschaft brummte, die Leute zogen gerne her. Die Folge waren allerdings in den letzten Jahren stark spürbar: Kein Tag vergeht in Zürich, an dem das Thema Wohnungsnot nicht zur Sprache kommt. Die Angst vor Verdrängung aus der Stadt ist dauerpräsent.
Job war nie gefährdet
Sorgen um ihren Job musste sich Mauch nie machen. Gewählt wurde sie 2009, nachdem ihr Vorgänger Elmar Ledergerber (SP) aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Ihre Konkurrentin Kathrin Martelli (FDP) war deutlich bekannter und damals schon 15 Jahr im Stadtrat. Im 2. Wahlgang setzte sich Mauch dennoch durch.
Danach blieb die Stadtpräsidentin ungefährdet. Auch Stadtratskollege Filippo Leutenegger (FDP) wurde ihr nicht gefährlich. Er scheiterte 2014 und 2018. Bei den Wahlen 2022 forderte dann, wie schon 2010, keine der etablierten Parteien die SP-Frau mehr heraus.
Im Amt blieb Mauch, die erste Frau im Zürcher Stadtpräsidium, länger als die meisten ihrer Vorgänger. Emil Landolt (FDP) war bis 1966 ebenfalls 17 Jahre im Amt. Nur zwei Vorgänger waren länger im Amt – im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Nach der Stadtmutter der Kronprinz
Nun gibt die mittlerweile im Pensionsalter angekommene Stadtpräsidentin den Schlüssel ab. «Stadtmutter» wurde sie schon genannt, nach der langen Zeit im Amt. Sie werde nun sehr viel Zeit haben, sagte sie dem «Tages Anzeiger». Was das mit ihr mache, sei ihr «persönliches Forschungsprojekt».
Nun steht Parteikollege Raphael Golta an der Spitze des Stadtrats. Der «Kronprinz», wie ihn die Medien nannten. Als Sozialdemokrat und mit zwölf Jahren im Stadtrat auf dem Buckel, schien allen schon vor der Wahl klar, dass Golta Mauchs Nachfolger wird. (sda)
