Für den Traum von Olympia müssen Schweizer Pétanque-Spieler neu auf Alkohol verzichten
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
In dem Beitrag von Swiss Pétanque, der am Montag in den sozialen Netzwerken veröffentlicht wurde, sticht ein Punkt besonders hervor. Der nationale Verband kündigt «neue Regelungen bezüglich Alkohol und Drogen» an.
Pétanque wird in der breiten Öffentlichkeit häufig mit einem Glas Pastis oder – in der Romandie – einem Gläschen Weisswein assoziiert. Um dieses Klischee zu widerlegen, hat Swiss Pétanque nun eine neue Massnahme ergriffen. «Wir möchten zeigen, dass Pétanque ein echter Sport ist. Das ist der Hauptgrund», erklärt Jean-Denis Willemin. Der Freiburger nahm an diesem Samstag an seiner letzten Generalversammlung als Präsident von Swiss Pétanque teil, nachdem er sieben Jahre lang das Amt geführt hatte. Jetzt ist er Ehrenpräsident.
Wie genau sieht die neue Regelung aus, die seit dem 1. Januar gilt? «Bei ein bis zwei grossen Veranstaltungen pro Jahr, etwa den Schweizer- oder Kantonsmeisterschaften, werden Alkoholkontrollen durchgeführt», erklärt Jean-Denis Willemin. Weiter sagt er:
Mit anderen Worten: Ein kleines (wirklich kleines) Glas Wein ist erlaubt, mehr jedoch nicht. Wer einen Blutalkoholwert von über 0,25 Promille hat, wird sofort disqualifiziert.
Jean-Denis Willemin betont trotz der strengen Regelung:
Dementsprechend werden alle Boulespieler vor den betreffenden Turnieren darüber informiert, dass Kontrollen stattfinden werden. Und alle Lizenznehmer von Swiss Pétanque erhalten das Protokoll, in dem die Massnahme detailliert beschrieben ist.
Glaubt man seinem mittlerweile ehemaligen Präsidenten, hat der Verband keinerlei Absicht, den Polizisten zu spielen. Aber die neue Alkoholregel sendet eine starke symbolische Botschaft. «Wir wollen, dass unser Sport anerkannt wird», betont Jean-Denis Willemin.
Und dafür «muss sich die Mentalität innerhalb des Verbandes ändern», mahnt der Freiburger. Er findet deutliche Worte:
Die Olympischen Spiele und die Vorbildfunktion
Hinter dieser Imagewand steckt ein klares, konkretes Ziel:
Jean-Denis Willemin leidet immer noch unter dem Scheitern bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris, der Heimat des Pétanque. Um das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu überzeugen, «muss Swiss Pétanque mit gutem Beispiel vorangehen», betont der Westschweizer.
Überzeugt von ihrer Vorreiterrolle hat der nationale Verband seine neue Anti-Alkohol-Massnahme unabhängig vom internationalen Verband ergriffen. «Frankreich hat bereits Vorschriften erlassen. Die Schweiz muss die Zweite sein», ergänzt Jean-Denis Willemin.
Er verweist auf einen weiteren Vorteil des (fast vollständigen) Alkoholverbots bei Turnieren:
Ein Thema, das in der Publikation von Swiss Pétanque noch ausführlicher behandelt werden muss, ist der Kampf gegen Drogen. Dieser ist schwieriger als der Kampf gegen Alkohol. «Die Kontrollen sind sehr teuer», erklärt Jean-Denis Willemin.
Der Konsum von Cannabis – sei es als Dopingmittel, zur Entspannung oder zum Stressabbau – ist unter den Boulespielern keine Legende. «Ich habe den Geruch bei Teilnehmern während der Schweizer Meisterschaften im letzten Jahr noch wahrgenommen», erinnert sich der Freiburger.
Im Bereich der Betäubungsmittel ist der Handlungsspielraum des nationalen Verbandes jedoch begrenzt.
Auch hier geht es laut Jean-Denis Willemin bei Swiss Pétanque nicht darum, den Wächter zu spielen, sondern einen sauberen und gesunden Sport zu gewährleisten. Einen Sport, an dem die Teilnehmer Freude haben. Ohne dabei zu weit zu gehen.
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