Niels Hintermann tritt zurück: «Will mein Leben nicht mehr so riskieren»
Niels Hintermann erklärt seinen Rücktritt vom Profisport. Der 30-jährige Skifahrer verzichtete in der Abfahrt vom heutigen Freitag in Courchevel wie schon am vergangenen Wochenende in Garmisch auf den Start und erklärte danach beim SRF:
Hintermann hatte die Saison 2024/25 aufgrund seiner Lymphdrüsenkrebserkrankung komplett verpasst und ist erst im vergangenen Dezember in den Ski-Weltcup zurückgekehrt. «Ich habe ein zweites Leben geschenkt bekommen», sagt der Zürcher nun, «mit diesem will ich nicht mehr so leichtfertig umgehen.»
Der Entscheid hätte schon seit Wochen in seinem Kopf herumgeschwirrt, definitiv getroffen habe er diesen aber erst am Morgen. «Ich bin nicht mehr bereit, um aus dem Start herauszugehen und Vollgas zu geben. Und dann wird es gefährlich», so Hintermann, der unter seinen eigenen Bedingungen aufhören wollte.
Damit wird sein letztes Rennen die Abfahrt in Crans-Montana sein, in der er 16. wurde. Das Highlight seiner Abschiedssaison war der sechste Platz in der Abfahrt von Kitzbühel. Bei den Olympischen Spielen kam er nicht zum Einsatz, nachdem er im Trainingsduell Stefan Rogentin unterlegen hatte.
«Ich hatte eine Panikattacke nach der anderen, wenn ich an den Start gegangen bin», berichtet der dreifache Weltcupsieger über das Wochenende in Garmisch. Er habe am ganzen Körper gezittert und Szenarien vor den Augen gehabt, «die man definitiv nicht im Kopf haben will». Hintermann habe dies zu bekämpfen versucht, unter anderem durch Hypnose, doch sobald er an den Start gegangen sei, «sagt mein Körper nein – und mein Kopf auch.» Deshalb habe er sich nun für den Rücktritt entschieden. «Es ist gut so für mich und ich kann glücklich zurückschauen», so Hintermann.
Insgesamt kann Hintermann auf eine schöne Karriere mit über 100 Weltcupstarts zurückblicken. Dabei feierte er drei Siege, wobei der Heimsieg in Wengen besonders hervorsticht. 2017 gewann er im Berner Oberland völlig überraschend die Kombination. Die beiden weiteren Siege holte er 2022 und 2024 in den Abfahrten von Kvitfjell. Vier weitere Podestplätze erreichte er als jeweils Dritter ebenfalls in der Königsdisziplin.
Viele hätten nicht von seinen Rücktrittsgedanken gewusst. Auch Marco Odermatt zeigte sich überrascht. Im SRF-Interview sagte der Nidwaldner, der sich erneut die Abfahrtskugel und den Triumph im Gesamtweltcup sicherte: «Das mag mich ein bisschen. Wir haben einige Jahre gemeinsam im Weltcup verbracht. Grosses Kompliment an ihn, speziell für sein Comeback, man kann das nicht genug hoch einstufen.» (nih)
