Schweiz
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Das Kumpelproblem und andere Aufgaben, die auf den Wicky-Nachfolger zukommen werden

Einen Wicky-Nachfolger gibt es noch nicht – dafür viele Baustellen, mit denen er sich konfrontiert sehen wird. Dazu gehören auch die Kommunikation und das Kader.

Céline Feller und Sébastian Lavoyer / Nordwestschweiz



Diverse verletzte Spieler, bereits drei Punkte Rückstand in der Liga auf YB, kein Back-up für den einzigen Rechtsverteidiger im Kader, Silvan Widmer – der FC Basel hat sich schon besser präsentiert. Wer sich der Probleme nach der fristlosen Entlassung von Trainer Raphael Wicky annehmen soll, ist noch nicht bekannt. Klar ist nur, dass er einen Klub mit unglaublich vielen Baustellen übernehmen wird. Welche das sind, zeigt die «Schweiz am Wochenende» auf.

Liveticker

Das Debüt von Alex Frei als Interimstrainer beim FC Basel gegen Aufsteiger Neuchâtel Xamax sowie das Zürcher Derby zwischen den Grasshoppers und dem FC Zürich gibt es ab 18.45 Uhr im watson-Liveticker.

Die Kommunikation

So inexistent die Kommunikation seit der Entlassung von Raphael Wicky ist, so offensiv war sie bis zu diesem Zeitpunkt – meist von FCB-Sportchef Marco Streller. Ricky van Wolfswinkel sei ein Königstransfer. Valentin Stocker ein 1:1-Ersatz für Renato Steffen. Silvan Widmer ein Transfercoup. Das aktuelle Kader definitiv gut und auch breit genug. Und sowieso: der Trainer sei kein Thema.

Bewahrheitet hat sich davon bisher nichts. Die Aussage bezüglich Widmer scheint noch die realistischste zu sein. Fakt ist, dass Streller extrem offensiv kommunizierte und damit unnötig Druck aufbaute. Beispielsweise auf Stocker, der sich unlängst eine defensivere Kommunikation gewünscht hatte.

Er sagt: «Sehr viele Dinge sind auch immer eine Frage der Kommunikation. Damit kann man verschiedenes beeinflussen.» Was er auf seine Person und die Erwartungen an ihn bezogen hat, welche Strellers Aussagen provozierten, kann man getrost auf die Kommunikation des Vereins im Allgemeinen übertragen.

Wer sagt, das Kader sei gut genug, und die grösstmöglichen Ziele ausgibt, der sagt auch: Wenn diese nicht erfüllt werden, liegt es am Trainer und dessen Unfähigkeit. Ob der nun Wicky, Frei, Koller, Rahmen, Schmidt oder sonst wie heisst.

Nähe des Sportchefs

Marco Streller hat zu einigen Spielern einen näheren Bezug, als ihn Ex-Trainer Wicky jemals hätte haben können. Zudem hatte Wicky immer betont, dass es Bereiche gebe, in die er sich nicht einmische. Er wahrte Distanz.

Distanz, die Streller kaum hat, auch aufgrund seiner nahen Verbindung zu Valentin Stocker, Fabian Frei oder Taulant Xhaka, mit denen er historische Erfolge feierte. Es ist eine Nähe, die es unter Vorgänger Georg Heitz nicht gab und die problematisch ist, weil sie den Trainer unterminieren kann.

Das Kader

Ein 20-jähriger Innenverteidiger gibt sein Profi-Debüt auf der Position des Rechtsverteidigers, und das in einem Spiel, in dem es um das Erreichen der für den FCB wichtigen europäischen Wettbewerbe und damit verbundenen Millionen geht.

Yves Kaiser war gegen Paok die letzte Option, weil der einzige Rechtsverteidiger im Kader, Widmer, ausfiel und der FCB einfach gehofft hatte, dass das nie passieren würde. Es ist nur ein Punkt, der zeigt: Das Kader ist dünn, muss aber für hochgesteckte Ziele ausreichen.

Führungsstil des Präsidenten

Wenn Bernhard Burgener eine Firma führt, setzt er Leute mit viel Fachwissen ein, denen er Vertrauen schenkt. Volles Vertrauen. Er legt das Tagesgeschäft in deren Hände und zieht sich zurück. Das mag in der Unternehmerbranche funktionieren, nicht aber im Fussballbusiness.

Statt den Verein mit Herzblut und Emotionen zu führen und sich hinzustellen, wenn es nötig ist, führt er mit Kalkül, kühlem Kopf und verkriecht sich, wenn es darauf ankommt. Er greift nur dann ein, wenn ihn jemand infrage stellt. Und dann richtig. Denn das mag Burgener gar nicht. Das hat Raphael Wicky zu spüren bekommen, als er das Kader hinterfragt, Verkäufe kritisiert und Verstärkungen gefordert hat. Als Quittung gab es die Entlassung.

Die Vetterliwirtschaft

«Jobs for the boys» nennt es FCB-Legende Scott Chipperfield. Vetterliwirtschaft die anderen. Gemeint ist die Ansammlung von Kumpels im und um das Kader von Marco Streller. Fabian Frei und Valentin Stocker im Team. Alex Frei als Interimstrainer. Dessen Bruder – der ebenfalls auf den Namen Fabian Frei hört – als Video-Analyst im Trainer-Staff.

Und dann noch die beiden Neuzugänge Aldo Kalulu und Julian von Moos. Sie haben auf den ersten Blick nichts mit den FCB-Freunden zu tun. Auf den zweiten aber schon, werden sie doch von den Degen-Zwillingen beraten.

Die Zeit

Ein Trainer braucht Zeit. Um sein Team kennen zu lernen. Die Charaktere der Spieler zu verstehen. Deren Stärken. Deren Schwächen. Und um seine Fussballidee zu vermitteln und allenfalls dem gegebenen Spielermaterial anzupassen.

Oder wie Wicky zu sagen pflegte: «Ein Grossteil der Mannschaft war schon im Winter da. Daher müssen wir nicht wieder bei null anfangen.» Sein Nachfolger wird aber genau das tun: bei null anfangen.

Nur tut er dies nicht zu Beginn einer fünfwöchigen Vorbereitung, mitten in der Saison. Somit hat er keine Zeit für Ausrutscher. Er muss liefern. Sofort. Noch mehr verpatzte Spiele und verschlafene Starts kann sich der FCB nicht leisten. Die Zeit läuft gegen ihn. (aargauerzeitung.ch)

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • salamandre 28.07.2018 18:56
    Highlight Highlight Ich hab die Meistertrainer welche in Basel schier systematisch entlassen wurden nicht gezählt...
  • ledZ 28.07.2018 17:36
    Highlight Highlight „bereits drei Punkte Rückstand in der Liga auf YB“. Drei Punkte Rückstand sind wirklich heftig..
  • Herr Ole 28.07.2018 17:25
    Highlight Highlight Der FCB hatte einen Backup für Widmer: Neftali Manzambi. Der hat dann aber plötzlich beschlossen, dass er nur Stürmer sein will und ist nach Spanien gegangen.
  • Fulehung1950 28.07.2018 16:26
    Highlight Highlight Aus der Homepage der Berater Degen:“Wir verfügen über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Vermittlung, Akquise und Betreuung von kommerziellen Werbe,- und Sponsoring-Partnerschaften und zudem über ein weltweites Netzwerk im Entertainment Bereich. Unsere Klienten besuchen Emmy- und Oscar-Verleihungen oder spielen auch schon mal in Kino-Filmen mit.“

    Alles klar! Jetzt wissen wir, woher ihre Schauspielerei kam! 😂😂😂😂
  • c_meier 28.07.2018 14:19
    Highlight Highlight hm Loris Benito von YB wird auch von den Degens beraten und hat noch Vertrag bei YB bis Sommer 2019....
    ich hoffe mal sehr, dass dies nicht so ein Theater à la Steffen gibt und er plötzlich zum FCB will.

    Eine Verlängerung in Bern wäre etwas, zumal er bei YB in den ersten beiden Saisons 15/16 und 16/17 infolge Verletzungen nur 21 Spiele bestreiten konnte..
  • kelu77 28.07.2018 13:13
    Highlight Highlight Ich finde es sehr schade, dass der Sportchef nicht auch gegangen ist! Als Spieler eine Legende aber als Sportchef sehe ich einfach kein Potenzial und die bisherige Transferpolitik ist katastrophal... Elyounoussi gehen lassen und einen Rechtsverteidiger für 6 Millionen holen, Fabian Frei als Innenverteidiger. Ich hoffe das Streller bald geht, bevor er alle Sympathien verloren hat.

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